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Sanftere Korrekturen neu/wieder einführen

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      LeoniLisa schrieb:

      Wie könnte man sowas wieder ins Gegenteil umkehren? Der Hund ist ja dem Menschen gegenüber dann "abgehärtet" und nicht mehr wirklich empfänglich.


      Das hat nichts mit Abgehärtet zu tun. In einer hohen Reizlage, wo die Emotionen schon Purzelbäume schlagen und die Stresshormone aus den Ohren quellen ist die plötzliche Konzentration auf irgendwas anderes schlicht nicht möglich.

      Probier das mal mit einem Meschen, der sich gerade total aufgeregt hat oder Angst hat und glaubt, diese Emotionen sind gerechtfertigt. "Abbrechen" geht dann bei einem Menschen genausowenig.

      Das einzige was da hilft ist, das Tier einsammeln und irgendwo hinbringen wo es wieder runterkommen kann. Und dann mit geringerer Dosierung des Problemreizes trainieren.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von Garfield69 ()

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      Hallo!

      Um noch einmal auf den Ursprungspost zurückzugreifen:

      LeoniLisa schrieb:

      Was kann man tun wenn man theoretisch schon alle vertretbaren Abbruchvarianten ausprobiert hat um ein Verhalten abzubrechen? Vor allem wenn es um Situationen geht die man nicht vorhersehen oder aus denen man den Hund einfach rausnehmen kann (!)

      Ich hoffe ihr habt Lust was dazu zu schreiben, ich finde es sehr interessant!
      Den Trainingsansatz überdenken.

      Genau das war nämlich mein Problem, als ich noch nach (sehr) alter Schule gearbeitet habe. Der Hund stumpft irgendwann ab und gewöhnt sich an den groben Umgang. Das führt in eine mehr oder weniger nach oben offene Spirale, in welcher man sich in stetem Konkurrenzkampf mit dem Hund befindet und der physisch und psychisch stärkere Part dann eben gewinnt. Genau so ist es mit denjenigen Besitzern, die den Hund anbrüllen, weil sie der Meinung sind, der Hund gehorche sonst nicht. Dabei weiss doch eigentlich jedes Kind, dass Hunde besser hören als wir Menschen...

      Ein völliges Umdenken brachte bei mir die Einsicht, dass ich mich gar nicht in eine Konkurrenzsituation mit dem Hund begeben muss. Ich muss weder stärker, dominanter, lauter oder 'mehr Alpha' sein, damit der Hund kooperiert, ich muss nur die besseren Lösungen für ihn bereithalten können als diejenigen, die er sich selber ausdenken kann. Köpfchen reicht.

      Seit ich begonnen habe, nicht die Aktionen und Verhaltensweisen des Hundes als falsch zu bewerten, sondern meine eigenen in Frage zu stellen und mir zu überlegen, was ich getan habe, um den Hund zu einem bestimmten Verhalten zu ermutigen, bin ich nicht mehr in eine Situation gekommen, in der ich hätte darüber nachdenken müssen, wie ich eine noch hemmendere Strafe anbringen könnte.
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      Ich peil zwar auch noch nicht so genau was mit Korrekturen gemeint ist, aber ich sage mal was Generelles zum Aufbau von Abbruchkommandos über Strafe und Belohnung.

      Meiner Erfahrung nach wollen Menschen bei ihren Hunden gerne auf Strafe zurückgreifen, wenn der Hund ein Verhalten zeigt, in dem er nicht mehr ansprechbar und erreichbar ist. Heißt: Es besteht der Wunsch dem hocherregten Hund etwas beizubringen.

      Das funktioniert immer sehr, sehr schlecht. Egal, was man trainieren will.

      Fragt man dann nach, ob der Besitzer im entspannten Alltag etwas (über Strafe aufgebaut) ruhig abbrechen kann, ist das meist auch nicht der Fall. Beispiel: Der Hund liest Zeitung. Ich breche es über das aufgebaute Kommando ab, der Hund hört auf. Wenn ich es korrekt trainiert habe, muss ich dann noch nicht mal mehr strafen. Ist ja auch das Ziel. Ich kann sogar belohnen.

      Die meisten vermischen beim Aufbau das Kommando mit der Strafmaßnahme. Da liegt schon der erste Fehler. Dann wird es versucht in hochemotionalen Situationen aufzubauen. Nächster Fehler. Als nächstes wird gnadenlos verpennt den Hund zu belohnen, wenn er ohne Strafmaßnahme abgebrochen hat. Und dann wird der Hund möglichst vorsichtig gestraft, wenn er nicht abbricht. Man gewöhnt den Hund also schrittweise an die Strafmaßnahme und er stumpft ab. Durchs systematische Training, nicht weil er "böse" ist.

      Was möchte ich bei meinen Hunden beim Abbruchverhalten sehen? Ich persönlich möchte, dass der Hund Distanzvergrößerung zum Auslöser zeigt. Je nach Situation ist das ein Kopf wegdrehen, zurücktreten oder ähnliches. Ich habe noch einen verstärkten Abbruch auf ein extra Kommando trainiert, der zum Einsatz kommt, wenn der Hund richtig weggehen soll. Ich nutze beide und baue beide in völlig entspannten Situationen auf.

      Achja, und noch was: Viele haben Hemmungen dem Hund über Abbruch mal was zu verbieten, was sonst ja erlaubt ist. Wenn ich sage: "Brich doch einfach mal das Zeitung lesen ab!", haben viele Hemmungen, weil sie das dem Hund ja eigentlich nicht verbieten wollen und dem armen Wauzel doch jetzt nix Schlimmes wolle. Aha. Aber, wenn er die anderen Hunde anpöbelt, dann will man ihm was Schlimmes ... da ist es dann legitim und besser. Soso.

      Meiner Erfahrung nach ist ein sauber aufgebauter Abbruch für den Hund völlig stressfrei. Ich muss es eben bloß korrekt üben. Und nur dann habe ich eine Chance, das auch mal in Situationen abzurufen, wenn es anfängt zu brodeln. Wenn ich aber den Abbruch mal so mal so mache, dann kann der Hund sich an nix orientieren. Man wird dadurch übrigens auch als Vertrauensperson nicht gerade als kompetent eingeordnet. Kennt Ihr so Hunde, die ewig lang drohen, wenn sie belästigt werden und niemals maßregeln oder nur, wenn schon alles hochgekocht ist? Das ist nicht sonderlich souverän und denen tanzen viele auch auf der Nase herum. Hunde, die leise und unauffällig drohen, aber dann eben auch maßregeln, wenn der andere nicht die Distanz vergrößert (da ist es wieder, was ich ja auch übe), die werden ernst genommen! Und an denen wird sich auch lieber orientiert, wenn es brenzlig wird.
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      flying-paws schrieb:

      Achja, und noch was: Viele haben Hemmungen dem Hund über Abbruch mal was zu verbieten, was sonst ja erlaubt ist. Wenn ich sage: "Brich doch einfach mal das Zeitung lesen ab!", haben viele Hemmungen, weil sie das dem Hund ja eigentlich nicht verbieten wollen und dem armen Wauzel doch jetzt nix Schlimmes wolle. Aha. Aber, wenn er die anderen Hunde anpöbelt, dann will man ihm was Schlimmes ... da ist es dann legitim und besser. Soso.
      Ich nenne das gern 'Konsequenz für Anfänger': viele Hundehalter glauben, dass gewisse Dinge immer oder nie erlaubt sein dürfen, weil der Hund sonst verwirrt wird. Dass das im realen Leben so nicht funktioniert und für den Hund oft nicht so transparent ist, wie geglaubt, sehen die wenigsten.

      Und: ich denke, Deine Beschreibung von 'jemandem in Stresssituationen etwas Schlimmes wollen' zeigt ja auch sehr schön, wie sowohl Mensch, wie auch Hund in einer Pöbelsituation emotional deutlich erregter sind, als in einer Übungssituation. Wie soll denn in so einer extremen 'Testphase' ein Abbruch gelingen, wenn dieser nicht einmal in einer Übungssituation geübt und gefestigt wurde?
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      AnnetteV schrieb:

      Ich nenne das gern 'Konsequenz für Anfänger': viele Hundehalter glauben, dass gewisse Dinge immer oder nie erlaubt sein dürfen, weil der Hund sonst verwirrt wird. Dass das im realen Leben so nicht funktioniert und für den Hund oft nicht so transparent ist, wie geglaubt, sehen die wenigsten.
      Ich sage zu meinen Kunden immer, dass wir jetzt mal ein "Ja-Nein-Spiel" machen. So wie es im tatsächlichen Leben ja dauernd vorkommt und sie es in den Situationen, die ihnen im Grunde nix bedeuten wunderbar für sich und den Hund üben können. Also, Ja heißt, der Hund darf jetzt (weil er selber will oder aufgefordert wird) und dann darf er nicht mehr. Und das im Wechsel. Schön ist, dass man den Hunden dann immer ansieht wie sie zuhören! und entspannter werden im Verlauf der Übung. Die Besitzer dann auch. Und auch, dass es dem Hund hilft in Situationen gelassen zu bleiben und zu wissen, ob der Mensch gerade Ja gesagt hat oder Nein.
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      Meiner Ansicht nach gibt es einen sehr deutlichen zusammenhang zwischen der „notwendigen“ Stärke einer Korrektur und dem bestehenden Vertrauen zwischen Hund und Mensch.
      Ein hysterischer, übergriffiger, schreiender, sich hochpushender Mensch ist für einen Hund ein Alptraum. Der Hund weiss gar nicht, was er machen soll/was gerade falsch läuft und steigert sich zeitgleich mit dem Menschen in ein Fehlverhalten rein. Es wird sich gegenseitig „hochgezogen“ und beide werden in der emotionalen Schieflage immer verzweifelter und handeln entsprechend.
      Hat der Hund Vertrauen und weiss, dass ein Kommando/ das Verhalten/ die Anforderung an ihn Sinn und Verstand hat, braucht es keine grosse Korrektur. Dann reicht ein „Lass es“,“Ist gut“ „Nein „ oder was auch immer in relativ normalem Tonfall mit eventuellem kurzem körperlichem „Nachdruck“ (antippen, anstupsen o.ä) um eine Situation aufzulösen.
      Ist das Kind schon im Brunnen, kann man eigentlich nur anfangen erstmal die eigene Einstellung und das eigene Verhalten in den speziellen Situationen zu überdenken und zu ändern. Einen am Zaun bellenden Hund wie im Beispiel der TS würde ich nicht Kommandos oder Namen rufend entgegenrennen, sondern ganz ruhig rausgehen, ihn ruhig anleinen und ruhig ins Haus führen. Eventuell kann man versuchen herauszufinden, ob es etwas gibt, das ihn aus seinem Tunnel holt. (Spielzeug usw)
      Dann würde ich mit ihm zusammen in die Situation gehen. Also an der Leine zum Gartenzaun und gucken. Fängt er an zu bellen, Ihn einfach ganz ruhig wieder aus der Situation führen. Bleibt er ruhig wird gelobt. Solange bis er merkt, dass alles unter (menschlicher) Kontrolle ist und es nichts zu vertteidigen/befürchten gibt.
      Jede große Reise beginnt mit einem ersten Schritt“
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      @Vakuole

      Nein. Ich lasse den Hund etwas tun und breche das tun ab.

      Gestelltes Beispiel: Ich streue Futter aus und lasse den Hund fressen (oder fordere ihn auf, wenn er es nicht von selber tut). Dann breche ich es ab. Dann darf er weiterfressen. Ich breche es ab. Er darf weiterfressen ...

      Oder aber, ich laufe an einem Grünstreifen, Hund schnuppert. Ich breche das ab. Dann darf er weiterschnuppern.

      Es ist für den Hund und trainingstechnisch ein großer Unterschied, ob er schon etwas tut und ich ihn abbreche oder, ob ich es ihm von Anfang an verwehre. Genau darum ging es in den letzten Posts. Es bringt nichts, wenn ich im Training so übe, dass der Hund ein Verhalten noch gar nicht tut. Das entspricht nicht der Realität.

      Allerdings ist das schon der zweite Schritt im Aufbau. Den Anfang mache ich tatsächlich so, dass der Hund erst mal nicht anfangen darf und ich darüber das Kommando bzw. den ganzen Ablauf etabliere. Erst, wenn das flexibel mit allem möglichen klappt, kommt das eben genannte.

      Übrigens sieht (und hört) meiner Erfahrung nach später keiner mehr, dass man das mit Strafe aufgebaut hat. Selbst Fachleute nicht. ;) Und das ist auch gut so, denn es zeigt, wie stressfrei es für den Hund ist, wenn es fertig trainiert ist.
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      Für mich ist eine Korrektur keine Strafe sondern ein Abbruchkommando.

      Wenn meine Hündin irgendwas macht was ich nicht möchte, dann korrigiere ich das mit einem Abbruchkommando und nachdem sie ihr "Fehlverhalten" beendet hat, lobe ich sie.
      Wenn ich sie aber korrigiere und sie darauf nicht reagieren sollte, dann würde es keine Belohnung sondern eine "Strafe" geben indem ich ziemlich deutlich werde, dass ich das Fehlverhalten nicht dulde. Das kommt dann auf die Situation an ob ich verbal sehr deutlich werde oder auch körperlich durch z.B. Anstupsen oder Wegdrängen. Da sie bisher immer sehr gut auf den Abbruch reagiert hat, war eine "Strafe" noch nicht nötig.



      flying-paws schrieb:

      Es ist für den Hund und trainingstechnisch ein großer Unterschied, ob er schon etwas tut und ich ihn abbreche oder, ob ich es ihm von Anfang an verwehre. Genau darum ging es in den letzten Posts. Es bringt nichts, wenn ich im Training so übe, dass der Hund ein Verhalten noch gar nicht tut. Das entspricht nicht der Realität.

      Mir hatte man bei meinem 1. DSH gelernt, dass ein Hund die Möglichkeit bekommen sollte, ein Fehlverhalten im Ansatz zeigen zu können um es dann korrigieren zu können. Nur so lernt der Hund, dass das was er gerade begonnen hat zu tun nicht erwünscht ist.
      Liebe Grüße von mir und Dackelmädchen Sina ☆07.09.2016☆

      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von Dackelbenny ()

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      flying-paws schrieb:

      Den Anfang mache ich tatsächlich so, dass der Hund erst mal nicht anfangen darf und ich darüber das Kommando bzw. den ganzen Ablauf etabliere. Erst, wenn das flexibel mit allem möglichen klappt, kommt das eben genannte.
      Ja so hat man mir es auch im ersten Schritt gezeigt.
      Ich habe den Trainer so verstanden, dass ein gut aufgebautes Nein daran erkennt, dass der Mensch es z.B. auf Futter legen kann und der Hund einen Bogen um das Futter läuft. Also gar nicht mehr das Nein wieder herausfordert.

      Ich versteh zwar grundsätzlich das Prinzip was du sagen willst, das es wichtig ist, das der Hund lernt wirklich sein Verhalten abzubrechen.
      Verwirre ich den Hund nicht damit, wenn ich das wieder Frei gebe und anschliessend wieder verbiete?
      Zumind. am Anfang stell ich mir das durchaus herausfordernd für den Hund vor. Ich glaube meine würde dann einfach es ganz vermeiden, weil sie sich nicht sicher ist, darf ich jetzt oder nicht. :???:
      Ist so eine Phase dann normal? Oder muss ich da dann gegensteuern?

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