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Pack die Badehose ein und dein kleines Ponylein..

    • Pack die Badehose ein und dein kleines Ponylein..

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      So ihr Lieben, ich fang mal einfach an mit unserer Ostseereise dieses Jahr. :applaus:

      Ostsee- klingt nicht so spektakulär oder? :D Von Berlin aus in drei Stunden zu erreichen, kein hoher Wellengang, meist kaltes Wasser und durchwachsenes Wetter. Was ist jetzt also berichtenswert?

      Wir haben etwas länger gebraucht als drei Stunden - und ne wir standen nicht im Stau. :lol:

      Wir sind gewandert...

      Und über die schönen Landschaften und Erlebnisse unterwegs möchte ich ein bisschen erzählen. =)

      Wer ist eigentlich denn nun wir?

      Einmal ich.. schon etwas weitwandererprobt. Der Initator dieser Idee.

      Dann meine Hunde Josy und Rouven.

      Josy elfeinhalb etwa, verrücktes Schäfermix, weitwandererprobt, akzeptiert eigene Grenzen schlecht aber naja in dem Alter sind Knochen und Herz nicht mehr ganz fit. Ihr hab ich versprochen, dass wir nochmal zur Ostsee wandern.. Ob sie es schaffen wird?

      Rouven ist unser Küken. Ein Sonnenschein, irgendwie mit einem Flummi gekreuzt, wandererprobt aber noch nie so lange Touren. Futtertechnisch schwierig und manchmal einfach ein Unglücksmagnet. Wenn er einen Waschbären trifft, ist garantiert danach die Pfote durchbissen- und entzündet . Wenn man sich nen fiesen Virus einfangen kann, findet er ihn garantiert usw.. ob wir ihn heil ans Ziel bringen? :hust:

      Wer noch? Ach ja.. Payka.. Das war der zweite Teil vom Versprechen an Josy- wir wandern mit ihrem heißgeliebten Pony zur Ostsee.
      Payka ist jetzt sieben, seit einem Jahr regelmäßig unterm Sattel und seit sie zwei ist bei uns Zuhause. Wir sind schon viel zusammen gewandert, auch mal über ein langes Wochenende und sie ist einfach eine absolut coole Socke.
      Super entspannt, kann überall schlafen und das wichtigste - sie liebt es den ganzen Tag unterwegs zu sein und neue Dinge zu entdecken. Perfekt als Wanderpony.
      Auch ein Sonnenschein, ich glaube ich hab sie noch nie schlecht gelaunt erlebt. Nur wenn es mal nicht ganz nach ihrem kleinen Kopf geht, kann kurz eine Gewitterwolke vorbei ziehen aber das geht fix vorbei. Sie ist eine absolute Wasserratte. Kein See, keine Pfütze ist vor ihr sicher- was sie wohl zur Ostsee sagt? Wenn wir denn ankommen?

      Tja wenn die Hunde gemeinsam wandern.. dann auch das Pony oder? :D So musste ihr bester Kumpel mit. Huibuh liebevoll genannt. Ein neunzehjähriges Warmblut, mein Pflegi. Ein Herz von Pferd. Immer sehr bemüht es einem recht zu machen, super kuschlig aber nicht mit dem besten Nervenkostüm gesegnet. Bis vor einem Jahr im Gelände sehr unerfahren, anbinden draußen absolut unmöglich, kleine Nervenzusammenbrüche nie ausgeschlossen.. fremd übernachten einmal vorher geprobt, dass ging gut. Fremde Wege sind eher unheimlich. Der Rest wird sich geben dachte ich mir. Wo kann er mehr lernen als auf solch Tour? Und ich setzte auf die Faktoren Müdigkeit und Paykas Gelassenheit, die hoffentlich abfärbt. Also auch sein Köfferchen gepackt.

      Mmhh.. tja alle nun zu zweit, nur ich soll den Flohhaufen allein "ertragen"? Wir sind ja oft so gemeinsam unterwegs aber eigentlich dacht ich, wäre ich beruhigter, wenn jemand Huibuh bewacht, wenn man mal hintern Busch hüpft, wenn man beim Supermarkt einkaufen geht, wenn mir jemand mein Notfallspray reicht, wenn mein Asthma mich ärgern sollte oder oder.. also hab ich meine Freundin und Reitbeteiligung mit Engelzungen von den Vorzügen einer solchen Reise erzählt. Ganz viel Zeit mit dem Pony.. tolle Landschaften.. frische Luft.. schmerzende Füße.. schmerzender Po.. :pfeif:

      Von ihrer anfänglichen Forderung, abends im Wellnesshotel einzukehren konnte ich sie abbringen, mit dem Einwand, dass die Ponys lieber Weide statt Whirpool hätten- und dem Versprechen, dass wir wenn möglich Zimmer nehmen. Und sonst in Moskitonetzhängematten schlafen- wegen Spinnen. Spinnenphobiker. Und ich natürlich Spinnenbeseitiger bin. Und das Versprechen, dass wir jeden Abend eine Dusche haben, hat sie dann überzeugt - es war glatt.. naja also fast..nur ein bisschen gelogen. :lol: Ich wusste in der Tat nicht, ob jede Nachtstation eine Dusche hat, ich habs nur gehofft.

      Die Planung war nur grob. Die Routen hatte ich nach den möglichen Quartieren geplant und bis auf die ersten drei Tage nichts fest gemacht. Ich wollte flexibel sein, erstmal sehen, wie sich Pferde und Hunde und mein Wanderreitneuling so machen.

      Fangen wir an? :applaus: Genug gesabbelt oder?

      Tag eins.. Von Wandlitz bis Sarnow war der Plan..

      Die Route sollte am Lipnitzsee vorbei, über Utzdorf nach Prenden gehen. Von da Richtung Sophienstädt, weiter nach Marienwerder, über den Oder Havel Kanal und kurz vor Eichhorst links in Wald und immer parallel zur Straße durch den Wald, bis wir bei Sarnow dann ein kleines Stück der Landstraße zum Ziel folgen. Knapp 29km waren die Planung. Machbar mit viel Wald, da kann man ja etwas traben zwischendurch. Ach ja ich bin Optimist. Nur nochmal vorweg. :D Und ich liebe Improvisation.

      Nach Wandlitz sind wir mit Transporter gekommen. Pferde waren Zuhause fix verladen, Packtaschen hatten wir Samstag und Sonntag gepackt und an die Sättel gehangen, sodass wir auf dem Parkplatz "nur" ausladen und aufsatteln mussten. Nur ist gut.. jedes Pferd hatte gut 20kg Gepäck, Payka anfangs sogar mehr, den Sattel dann noch aufs Pferd bekommen, gestaltete sich schwierig. Aber alles gewuppt. Halbe Stunde, wir startklar.



      Da sind die zwei süßen Popos.



      Die Hunde beim ausladen. Wann geht's endlich los? Wo sind wir? Wen können wir etwas anpöbeln? (Hatte ich erwähnt, dass beide nicht immer die nettesten Hunde sind? Super um Freundschaften zu schließen.. )



      Alles startklar und motiviert. Fröhlich marschierten wir von dannen, die ersten Kilometer wollten wir auf jeden Fall laufen, da dort eh nur Schritt möglich sein würde. Ich kannte den Teil des Weges schon.



      Ca einen Kilometer und eine Stunde später..



      Einen weiteren Kilometer und weitere anderthalb Stunden später.. erstmal kurze Pause.. sammeln..

      Was war passiert? :hust:

      Gepäck hatten wir ja wie erwähnt, alles extra am Vortag verschnürt, um Zeit auf dem Parkplatz zu sparen. Wir hatten natürlich vorher vielfach und auch mit dem fertig verschnürten Gepäck Proberunden gedreht- es hat immer gehalten.
      Dass ist bei Payka nicht so ganz einfach, da das Pony eine wunderschöne kleine Knutschkugel mit null Sattellage ist. Für Nichtreiter- versucht auf einem Fässchen einen Sattel samt 25kg Gepäck zu verschnüren, der in allen Lebenslagen halten muss. Eine Herausforderung.

      Irgendwie muss beim einladen ins Auto irgendwo, irgendwie, irgendwas verrutscht sein, was das fragile Gleichgewicht des Packkunststücks völlig durcheinander gebracht hat. Das erste mal verrutschte der Sattel nach ca 200m.. einfach wieder hochschieben war nicht. Zu schwer und man verwurschtelt auch zu sehr das Fell dabei- Scheuergefahr. Also Gurt lose und die 25kg lässig neu drauf packen. An einer Hauptstraße, mit zwei Hunden die nicht jedem grün sind und einem Großpferd, was beim ausladen einen kleinen Nervenzusammenbruch bekommen hat.. ausgesetzt, er im Niemandsland. :lol:

      Ok lächelnd und grenzenlos optimistisch alles gemanaget (sagte ich, dass ich froh war, über eine menschliche Begleitung und zwei Hände mehr?) und Sattel neu aufgelegt.

      Bis zum Punkt des sammelns, Luft holens und Nervennahrung zu sich nehmen, hatten wir das Spiel weitere dreimal wiederholt, alle Befestigungsstrippen überprüft, ggf neu verzurrt usw- es war der Wurm drin. Schlussendlich alles nochmal abgetüdelt und gewogen, neu verzurrt und 2km weiter als beim Start und dreieinhalb Stunden später, dachten wir, jetzt sollte es klappen.

      Huibuh hatte sich mit seinem Schicksal abgefunden und war die Ruhe selbst. Während wir leicht entnervt packten, schnürten und fluchten, stand er seelenruhig dösend am Baum.. ich war so stolz auf ihn. :herzen1: So friedlich hatte er noch nie am Baum gestanden. Normalerweise musste man ihn dabei immer im Auge haben, um im Zweifel zu verhindern, dass er sich entweder versucht umzubringen oder samt Baum zu flüchten. Ein wenig war mir dieser Wandel komisch und ich hatte ihn trotzdem im Auge aber.. nichts.. wenigstens etwas lief gut an diesem ersten Tag.
      Humor und Geduld sind Kamele, die uns durch jede Wüste tragen.
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    • Teil zwei, Tag eins..


      Letztendlich hielt der Sattel nach dem neu verschnüren etwas besser aber wirklich gut war anders.. da meine Freundin, das ausbalancieren des Sattels von oben nicht schaffte, bin ich aufs Pony gestiegen, sie hab ich auf Huibuh gesetzt, den an Strick, Hundeleine rechts und los gings. Gut, dass ich so oft ausreite. Also so mit Handpferd und Hunde. Normalerweise hat nur mein Handpferd keinen Reiter drauf aber sie war eh schon tapfer auf den großen Mann zu steigen, dann noch allein lenken und bremsen, dass wäre doch zuviel verlangt gewesen.



      Der Lipnitzsee vom Hochufer aus.



      Ein besserer Teil des Hochuferweges. Spannend in der Kombi Reitpferd mit wackligem Sattel, Handpferd und Hunde.








      Und der Liepnitzsee direkt, kurz vor Utzdorf. Wie man sieht, ist der See richtig türkisblau, dass kommt bei klarem Sommerwetter am besten zur Geltung. Deswegen auch einer meiner Lieblingsseen, deswegen musste die Tour auch da starten. Payka musste ihn doch sehen. |)



      Ein kleiner Waldsee inmitten einer hügeligen Landschaft. Von Utzdorf nach Prenden geht's ständig auf und ab. Herrliche Wege, viel Zeit aufholen war allerdings nicht.



      Der Bauersee bei Prenden. . Grad mal die Hälfte der Strecke geschafft und schon am dunkel werden. Aber trotzdem wunderschön. :herzen1: Hier gabs nochmal Wasser für alle, ein bisschen grasen für die Pferde und weiter ging es..


      Danach hab ich leider keine Bilder mehr. Die Wege waren recht eng, Reitpferd, Handpferd und Hunde waren sehr gut drauf und zudem stimmten Karte und Wirklichkeit nicht so ganz überein und es wurde dann auch rasch dunkel. Ich hatte alle Hände voll zu tun alles zu managen. Eigentlich wollten wir längst am Ziel sein..


      Meine Freundin war etwas verzweifelt. Im Dunkeln auf einem ihr fremden Pferd, in fremder Umgebung, im Wald, weit weg von Dusche und Wellnesshotel. Ich hab alle Künste der Motivation und Ablenkung aufgefahren, die ich aufbieten konnte neben meinen diversen anderen Jobs. :hust:

      Die Rettung kam irgendwo zwischen Marienwerder und Eichhorst, kurz vor Überquerung des Oder-Havelkanals. Und war einer der Momente, die ich an solch Touren liebe. :cuinlove: Ein Auto hielt neben uns an und fragte wo wir denn noch so im dustern hin wollen. Wir kurz umrissen, was und wohin... und der gute Mann meinte, dass er uns ungern noch 10km durch den Wald reiten lassen möchte, er könne uns ein Platz bei sich im Ort anbieten, Pferdekoppel hat er am Haus. Äh.. jaaa! :applaus: :hurra:

      Freundin froh, Feierabend für die Pferde- okay, alles kehrtmarsch, zurück ins Dorf und abgesattelt. Wir haben dann sogar noch ein Zimmer fertig gemacht bekommen und Abendessen und die Rabauken durften auch mit ins Haus. :cuinlove: :herzen1: :cuinlove:



      Sie können doch ganz friedlich sein. =) Waren sie auch wirklich. Keine Gastgeber versucht zu fressen. Die Pferde waren auch zufrieden auf ihrer Koppel, so gingen wir nach dem Gutenachtkuss bald schlafen. Morgen früh galt es, alles auspacken, neu packen, Sattel überprüfen. Aber erstmal den ersten Tag sacken lassen und etwas Erholung für alle. :sleep:
      Humor und Geduld sind Kamele, die uns durch jede Wüste tragen.
    • Ich geb mir Mühe. Hab Mittwoch wieder Nachtdienst, spätestens da gibt's dann Tag zwei. =) Zuhause ist mein Internet in aller Regel zu langsam und eh ich alles so fertig hab, schlaf ich auch meist schon im stehen ein. Es sind auf jeden Fall etliche Tage. Da kommt noch ein bisschen Unterhaltung. |)

      Du kannst aber dann auf jeden Fall unsere Verzweiflung über das Packtaschendrama sicher gut verstehen. :ops:
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    • Ja, sicher.;)
      Das ganze Packen war jedes mal eine Wissenschaft für sich.
      Allerdings hatte ich das Glück, daß nie etwas wirklich gerutscht ist.(nur das Aufsteigen war mit der Rolle so elend mühselig :D )
      Bis das alles richtig saß... Oh Mann.
      Als Reiten nicht mehr ging, bin ich auf's Wanderfahren umgestiegen. Da war das Packen deutlich einfacher. :D ;)
      Ich freue mich auf die Fortsetzung und wünsche dir eine ruhige Nachtschicht!
      Eine(r) für alle und alle für eine(n)

      Wenn man tot ist, ist das für einen selbst nicht schlimm, weil man ja tot ist.
      Schlimm ist es aber für die anderen.
      Genau so ist es übrigens, wenn man doof ist...

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