von lutoranien » 12.05.2010 06:34
Hallo alle zusammen!
So, nach einigen Startschwierigkeiten jetzt ein paar Worte zum Thema. Eigentlich ist das Stichwort schon gefallen: Hund und Halter müssen ausgebildet werden, der Halter hat aber ungleich mehr zu lernen als der Hund. Zu den Gründen könnte man einen Roman schreiben, ich geb hier nur mal ein paar Grundgedanken zum Besten:
Der Hund muss eigentlich "nur" zwei Dinge lernen: Er braucht einen überdurchschnittlichen Grundgehorsam, und er muss an die typischen Arbeitssituationen gewöhnt werden. Bei der Arbeit mit Menschen (besonders mit Menschengruppen) sind Therapiehunde fast laufend Situationen ausgesetzt, die sie instinktiv als bedrohlich bewerten. Dazu gehört zum Beispiel der direkte Blickkontakt, das Herüberbeugen und das Anfassen durch fremde Menschen. All das löst bei einem Hund Stress aus, wenn er nicht im Rahmen seiner Ausbildung darauf konditioniert wurde. Täglich (negativer!) Stress bei der Arbeit ist natürlich etwas, was niemand seinem Hund zumuten sollte. Aber es ergeben sich daraus ja auch Risiken. Gut, die meisten Therapiehunde sind Retriever, und diese neigen dazu, Stress oft durch Spielverhalten zu kompensieren (deshalb bleibt es für den Hund aber trotzdem Stress!). Aber grundsätzlich wird sich jeder Hund beim Überschreiten einer bestimmten Grenze zur Wehr setzen. Leider hört man nur allzu oft, dass das geschehen ist. Und hier sind wir schon bei einer der beiden Hauptbedeutungen der Ausbldung für den Hundehalter. Er muss seinen Hund sozusagen in- und auswändig kennen. Hunde signalisieren aufkommenden Stress sehr zeitig, man muss diese Zeichen aber unbedingt erkennen und deuten können, und man muss wissen, wie man damit umgeht. Der Grat zwischen positivem und negativem Stress ist bei der Kynotherapie sehr schmal. Richtig ausgeführt ist es auch für den Hund eine tolle Beschäftigung bzw. Auslastung, falsch gemacht ist es einfach nur gefährlich, und zwar für Mensch und Hund. Auf jeden Fall ist es für den Hund auch anstrengend, deshalb muss der Halter als Gegenpart möglichst optimale Lebensbedingungen für den Hund schaffen. Auch hier ist ein überdurchschnittliches Wissen erforderlich. Na ja, und schließlich soll die Arbeit ja die Klienten nicht nur unterhalten, sondern auch so weit wie möglich therapeutisch wirksam sein. Und dazu braucht man ein solides Grundwissen aus verschiedenen Therapiebereichen, Psychologie, Pädagogik, Anatomie, etc.
Die Auswahl der richtigen Ausbildungsstätte ist mangels einheitlicher Richtlinien besonders für den Laien sehr schwer; es tummeln sich auch einige schwarze Schafe auf dem Markt. Ich kann nur raten, sich die Ausbildungsinhalte und deren Umfang genau erklären (oder zeigen) zu lassen, sich über die Methoden der Hundeausbildung zu informieren (falls eine solche mit angeboten wird), und natürlich die Kosten genauestens zu hinterfragen, besonders in Hinblick auf eventuelle versteckte Folgekosten. Am besten finde ich es, wenn man mal bei der praktischen Arbeit zuschaut.
So, ich denke. ich hab erst mal das Wichtigste drin.
Viele Grüße!
Lutz