sam 20.11.2008 hat geschrieben:wieso soll man denn dann nicht rufen??? wie ruft man denn dann den hund zu einem zurück? und wieso denk er es ist alles in ordnung? was sollte man denn anstatt dessen machen???sorry, aber ich verstehe es nicht.....
Hi, Sam,
ganz einfach - Du rufst, er folgt nicht, und das hat keine negativen Konsequenzen. Hund lernt: Nicht-Folgen hat keine Konsequenzen, und er wird daher künftig nicht mehr zuverlässig herankommen auf Deinen Ruf ("Die wirst ja eh noch 5mal rufen....") Daher: wenn er auf den ersten/zweiten Ruf nicht kommt, einfach stehenbleiben und schweigen (weglaufen bringt´s da net, der Hund dreht sich eh nicht um in dieser Situation und merkt nicht, wenn Du wegläufst). Ein Jäger kommt immer wieder etwa dahin zurück, wo er gestartet ist - also: WARTEN......

Er kann allerdings, mit etwas Übung, schon so 2-3 Stunden unterwegs sein - da muß man Nerven beweisen... *gg Aber was anderes kannst nicht machen in dem Moment, daher laß ich meinen auch nur dort frei laufen, wo ich weiß, daß keine Straßen in der Nähe sind, für den Fall, daß ich mal zu langsam guck und er das Wild vor mir entdeckt.
Übrigens: man sagt zwar, der Hund schaltet die Ohren auf "Durchzug" und hört angeblich nichts mehr- aber wenn ich meinen an der Leine habe und die Katze quert, kann er sehr wohl bei mir bleiben auf Kommando, ohne daran zu ziehen - er hört also definitiv! Er zittert wie blöd vor Aufregung, aber er weiß genau, ich setze das Kommando durch, und er bleibt daher. Ist er ohne Leine, kann er dann "urplötzlich" nimmer hörenund sich selbst nimmer beherrschen.... Komisch, gell?? Irgendwo muß er also doch, trotz allem Jagdtrieb, noch ein selbst in dieser Situation funktionsfähiges Hirneckchen haben. *gg
Zum Thema: der Jagdtrieb fängt mit der Pubertät erst richtig an - also: auf ALLE FÄLLE ernst nehmen! JEDER einzelne Erfolg (und allein das Hetzen, auch ohne Reißen), ist eine Bestärkung dieses Verhaltens! Von wegen "keine großen Sorgen drum machen".... - da muß man immer drauf schauen, was das für ein Hund ist. Ist das ein Famillienhund, den mal der Hafer sticht, oder hast da einen "echten" Jäger an der Leine (sprich, Jagdhunde und deren Mixe, und auch -bzw. gerade- Windhunde zählen hier dazu). Wenn das der Fall ist: Schleppleine - und nix mehr ohne, bis der Rückruf auch unter Wildsicht einwandrei funktioniert - ansonsten eingezäuntes Gelände für den Freilauf.
Wenn man im richtigen Alter aufpaßt, kann man bereits den ersten Versuch im Ansatz ersticken - wesentlich wirkungsvoller, als wenn der Hund auch nur einmal Erfolg hatte. Aber das weiß man leider immer erst, wenn man so ´nen Kandidaten schon mal hatte- wie sagt man so schön: aus Schaden wird man klug.... Mir ist´s leider auch (sogar mehrfach) passiert, bis ich raushatte, wann ich den Hund wo laufenlassen kann ("nur" Hetzen, kein Reißen, aber das ist ja schon schlimm genug!). Wald geht bis heute nicht, und wird wohl so bleiben, aber ansonsten: dank Training und Bindung zunehmend besser.... Das Wichtigste dabei ist das Urteil, Wann ich ihn frei laufen: spinnt er heute, dann nicht, ist es Dämmerung, dann gleich dreimal nicht, etc. Ist er recht ruhig, kann ich ihn laufenlassen, evtl. auch mit etwas mehr Abstand von mir, ist er total neben sich, hat er in direktem Umkreis zu bleiben, und kriegt häufigere Rückrufe mit Belohnung - allein, um ihm zu signalisieren: "Ich seh Dich, ich paß auf!"....

Ich hab dann auch oft Spielzeug dabei, damit ich für ihn interessant bleibe, und tobe z.T. mit ihm rum, um seine Augen mehr in meine Richtung zu lenken als auf´s Abscannen der Waldränder.
Ansonsten: Pia Gröning steht auch bei mir im Regal (und wird benutzt!), ist seeeehr hilfreich, kann ich nur empfehlen (und wenn´s nur ist, um zu lernen und zu akzeptieren, daß man mit einem Jagdhund immer wird aufpassen müssen).
LG,
BieBoss