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Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Alles rund um Welpen & Junghunde.

Moderator: DF-Mods

Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon NufNuf » 01.02.2012 14:07

Hallo Hundefreunde,

Nein, ich suche nicht nach Erziehungstipps für meinen Hund. Ich möchte mir einfach mal mein Leid von der Seele schreiben, würde mich aber auch über Tipps freuen, falls jemand von euch schon mal in einer ähnlichen Klemme steckte.

Vor einem halben Jahr zog Tama bei mir und meinem Mann ein. Ein agiler, freundlicher und stets fröhlicher Doggenwelpe. Sie war von Anfang an sehr gelehrig, hat das Hunde 1 x 1 schnell verstanden und lernte ratz fatz manierlich an der Leine zu laufen.

Vor etwa zwei Monaten (seit mein Mann vermehrt von zu Hause aus arbeitet) bemerkte ich, dass es mit ihrem Benehmen rapide bergab ging. Sagte ich Platz, machte sie dies nur noch schleppend und sobald von mir aber ein "guter Hund" zu hören war, stand sie wieder auf, ohne auf das entsprechende "Frei-Kommando" zu warten. Sie fing an, an der Leine zu ziehen und nach Essen zu geiern. Das ging soweit, dass sie tatsächlich versuchte, mir ein Wurstbrot aus der Hand zu mopsen.

Zunächst glaubte ich, mein Hund sei einfach seinem Alter entsprechend etwas flegelhaft und rief mich selbst dazu auf, künftig etwas strenger zu sein.

Wie sich nun herausgestellt hat, ist Tama hier nicht das Problem. Leider ist es mein Mann.
Ich beobachtete ihn u. a. dabei, dass er beim Gassigehen Tama so kurz an der Leine hielt, dass diese gar keine andere Chance hatte, als Zug aufzubauen.
Ich erwischte ihn mit einer Chips-Tüte in der Küche, der Hund sass sabbernd vor ihm und - Zack - bekam sie einen Chip ab.
Er sagt "Platz", der Hund legt sich hin, bekommt ein Lob ggf. ein Leckerli und wird dann "vergessen", so dass die kleine Hündin wohl irgendwann begann, aus eigenem Ermessen wieder aufzustehen. Gehorcht sie auf "Sitz" oder "Platz" nicht umgehend, wird das Kommando gebetsmühlenartig immer wieder gegeben.

Ich versuchte meinem Mann zu erklären, dass einiges von dem was er tut, dezent ausgedrückt, kontraproduktiv ist. Leider hat er als Amerikaner eine andere Auffassung von Hundeerziehung, als ich (der muss allein schon aus dem Grund spuren, weil er als Oberchef das nun mal so sagt) und ist - bei all seinen anderen liebenswerten Charaktereigenschaften - nicht der kritikfähigste.
Sprich: Sanfte Hinweise von meiner Seite werden schmollend zur Kenntnis genommen, aber nicht umgesetzt.

Und ich sitze nun damit an: Mit einem mittlerweile recht grossen, schweren Hund, der an der Leine zieht und eher schlecht als recht gehorcht. Und ich war schon so gut davor mit ihr... :hilfe:
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Lakasha » 01.02.2012 14:26

Naja, das ist oft ein leidiges Thema - das man erst den Partner erziehen muß ;)

Den Rat schlechthin kann ich dir nicht geben. Höchstens, daß du dich beim Hund durchsetzt. Also kein Leine ziehen, sitz heißt sitz usw. Du mußt deinem Hund gegenüber einfach konsequent sein, nur wenn du den längeren Atem hast, wird dein Hund zumindest dir gegenüber sich auch entsprechend benehmen.

Hunde können sehr gut unterscheiden, bei wem was durchgelassen wird. Mein Freund ist eher der lockere Spielkumpel, den zwar die Hunde sehr lieben, aber im "Ernstfall" ..... was willst du überhaupt

Ich würde wohl das unerwünschte Verhaltens meines Mannes ignorieren und dafür meine Wünsche beim Hund konsequent verfolgen und durchsetzen. So lernt deine Hündin ganz schnell zwischen dir und deinem Mann zu unterscheiden.
Simone mit Lucky & Akasha

Lucky, Terrier-Mix, 06.06.2000
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Satoo » 01.02.2012 14:28

Ich hab eine gute und eine schlechte Nachricht für dich:
Die Schlechte zuerst: du hast es selbst verbockt, denn ein Hund kann gut unterscheiden, bei wem er was wie machen soll. Klar ist es einfacher, wenn alle Beteiligten am selben Strang ziehen, aber wenn der Hund dein Kommando nicht umsetzt, bist du dafür verantwortlich, wie er es ausführt, du mußt dich durchsetzen, da hilft nix. Steht der Hund bei dir auf und du willst es nicht: verhindere es.

Die Gute: durch Training kriegste es wieder in den Griff. Fang wieder bei Null an, sei pingelig und selbstkritisch dir selbst gegenüber (wann fängst du an zu schludern, vernachlässigst die Feinheiten) und übe. Du hast es schon mal geschafft und schaffst es wieder.


Aber ich versteh dich gut, ist ärgerlich, wenn Mann nicht das umsetzen möchte, was Frau denkt ... und umgekehrt ;) War hier ganz am Anfang auch nicht anders.
lg Tanja
Satoo
 
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon NufNuf » 01.02.2012 16:53

Hallo ihr zwei,

Danke für die Ratschläge.

Konsequent bin ich, ich setze am Ende immer das durch, was ich möchte und es macht schon einen grossen Unterschied, wer von uns mit dem Hund umgeht. Auf mich hört Tama um Längen besser und geht auch wesentlich schöner an der Leine - wenn wir alleine sind. Ist mein Mann dabei, verschlechtert sich die ganze Sache mit dem Benehmen erheblich.

Was mich verzweifeln lässt (ich fürchte das habe ich nicht ordentlich beschrieben) ist, dass mein Mann sich immer mehr aus der Sache zurückzieht. Er geht nicht mehr mit ihr raus - weil sie bei ihm höllisch zieht. Er übt nichts mehr mit ihr, weil er schmollt und mir vorwirft "er mache ja eh alles falsch".
Machen wir etwas zu dritt, bringt er eine sehr negative Erwartungshaltung mit, durch die ein schöner Sonntagsspaziergang schnell zu etwas Unangenehmen wird.

"Wir" wollten den Hund. "Wir" wollten ihn gemeinsam grossziehen. Und "wir" wollten schöne Dinge, wie z. B. Zoobesuche, mit ihr unternehmen. Nun stehe ich mit ihr alleine da. Er möchte den Hund immer öfter nicht dabei haben, wenn wir z. B. wandern gehen wollen. Das finde ich - ganz platt ausgedrückt - doof und traurig.

Herzliche Grüsse
Annika
NufNuf
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Abessinierin » 01.02.2012 17:04

Annika, es geht ganz vielen Halterinnen ganz ähnlich wie Dir.

Du bist damit nicht allein und es läuft hier so mancher Fred, wo das ganz deutlich wird.

Hier bei uns ist es nicht anders. Angeschafft haben wir Herrn Hund gemeinsam, tja, Die Erziehung und das Führen obliegt mir.

Er kann nämlich auch nicht konsequent sein, er meinte auch mir nicht zuhören zu müssen und, und und.

Hundi gehorcht bei mir übrigens wunderbar und ihm kaum.

Und wenn er denn gehorcht, dann nach fragenden Blick nach mir und meiner Zustimmung....

Und damit muss nun mein Partner klarkommen. Zeit genug etwas zu ändern hatte er ja und wollte nicht.... Thema durch.

Bei mir wie bei Hund.
Kein Russell wird als Kalle geboren.

Und ja, der Russell hat Jagdtrieb

Und Nein, nach einer Kastration verträgt er sich nicht mit jedem anderen Hund.

Und: Er spürt den Schmerz genau wie Du- Nur im Gegensatz zu Dir beißt er dann zu!
Abessinierin
 
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Lakasha » 01.02.2012 17:04

Ist mein Mann dabei, verschlechtert sich die ganze Sache mit dem Benehmen erheblich.

Naja, wenn jemand aus meiner Familie dabei ist, benehmen sich die Hunde auch anders. Da sind sie dann aufgedreht und übermütig und man muß natürlich zeigen was man für ein toller Hecht ist ;)
Da hilft entweder regelmäßig gemeinsam laufen und trainieren, oder die Kröten einfach so nehmen und sein bestes geben

Was mich verzweifeln lässt (ich fürchte das habe ich nicht ordentlich beschrieben) ist, dass mein Mann sich immer mehr aus der Sache zurückzieht. Er geht nicht mehr mit ihr raus - weil sie bei ihm höllisch zieht. Er übt nichts mehr mit ihr, weil er schmollt und mir vorwirft "er mache ja eh alles falsch".
Machen wir etwas zu dritt, bringt er eine sehr negative Erwartungshaltung mit, durch die ein schöner Sonntagsspaziergang schnell zu etwas Unangenehmen wird.

Da kann man nicht mehr machen als mit ihm reden, nen Weg finden ihn doch noch zu motivieren. Immerhin ist das Verhalten des Hundes auf seine Unfähigkeit zurückzuführen. Von nichts, kommt nichts.
Vielleicht solltest du nochmal mit ihm reden. In einem geeignetem Moment, mit den richtigen Worten......

"Wir" wollten den Hund. "Wir" wollten ihn gemeinsam grossziehen.

Das ist wie mit Kindern. Die Kinder wollen nen Hund und die Eltern bleiben darauf hocken.
Entweder du leitest entsprechende Schritte ein und machst deinem Mann die gemeinsame Verantwortung bewußt, die ihr eingegangen seid. Oder aber die findest dich damit ab und siehst den Hund als DEIN. Und er geht halt nur noch zur Urlaubs- bzw. Krankheitsvertretung mit dem Hund raus.

Generell ist es eine verzwickte Angelegenheit. Du mußt wissen wie man am Besten mit deinem "Problemkind" umgeht und ob es überhaupt Sinn macht. Da können wir hier nicht helfen.
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon PommPiratin » 01.02.2012 17:28

Also wir haben hier eeeeexaaaaakt dasselbe Problem...
Mein Freund setzt sich selten bei Sammy durch, sagt Befehle 20.000x, bis Sammy sie ausführt und hat am WE auch fast nie Lust, gemeinsam mit ihm zu gehen.

Ich habe das so geregelt: Wir haben nun einen Haushaltsplan, auf dem auch "Sammy füttern" ein Aufgabenbereich ist. Und da Sammy das Futter nur aus der Hand bekommt und dafür immer etwas machen muss, ist mein Freund jeden zweiten Tag gezwungen, mit Sammy zu üben. Die ersten zwei Male habe ich ihn einfach machen lassen und nun gehe ich immer öfters mal zufäääällig durch den Raum und sage: "Wow, das klappt ja schon toll. Aber wenn er mal stur ist, dann mach doch mal so oder so.", dann bekommt Freund Bestätigung und ich freue mich, dass er immer mehr nach meiner Pfeife trainiert :D

Wäre sowas bei euch auch eine Option? Bei uns klappt es immer besser, zwar noch nicht draußen an der Leine, doch ist der Gehorsam wieder vertieft(er).

Liebe Grüße von

Vanessa und Sammy
Sammy - 26.06.2004, seit dem 04.08.2011 unser Bär :)
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Huskymom » 01.02.2012 17:40

Ich kann es sehr gut nachvollziehen!

Was die Erziehung angeht ist es bei uns recht ähnlich - auch denke ich mir immer was Neues aus um die Hunde bei Laune zu halten und zu fordern und zu fördern wenn ich frei habe, das macht mein Partner nicht wenn er frei hat. Nun ist er eh gesundheitlich ausgenockt, da kümmer ich mich völlig allein um drei Hunde und befinde mich oftmals am Nervenzusammenbruch - aber was mus, das muss.

Da hilft nur reden... und an hand von Beispielen erklären. Ich und mein Partner haben uns durchaus mal gefetzt, wenn es um die Hundeerziehung ging.

Wenn du bei ihm wirklich nicht weiterkommst, dann solltest du wirklich den Gedanken annehmen, dass die Süße DEIN Hund wird. Das macht es erträglicher und du brauchst dich nicht mehr über ihn aufregen.

Aber schwierige Situation, ich kann's dir nachfühlen!
Die Seele eines Husky kann man nicht besitzen, aber man darf an seinem "desire to go" teilhaben-vorallem wenn ein Reh den Weg kreuzt
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon MeaningofLife » 01.02.2012 18:54

und deshalb holt man sich keinen hund zusammen ;)
ich kenne kein einziges paar wo es so gehandhabt wird, auch in meiner beziehung nicht. wir haben jeder einen eigenen hund. klar geht mein freund auch mit meiner huendin raus und umgekehrt. aber wenns um was heht entscheidet der dem das vieh gehoert ;)
und klar gibt es sachen die mein hund beim kerl darf und bei mir nicht- das checkt das clevere ding aber natuerlich.
mittlerweile gibt es bei uns ein gutes zusammenspiel, die hunde hoeren auf uns beide gleich gut - aber das hat halt seine zeit gedauert. angefangen hats zumindest so, dass ich die erziehung beider in die hand nahm und nahezu systematisch vom kerl untergraben wurde. das is natuerlich bloed wenn dann mal alle gemeinsam unterwegs sind. deshalb: einigt euch, wer von euch die erziehung in die hand nimmt, der andere soll sich bitte raushalten und nach den anweisungen richten.

das klingt so gemein, ich finde es aber ne gute handhabe- denn auch meine freunde gehen mit meinem hund rauy und an die festen grundregeln haben sie sich halt auch zu halten- naemlich: keiner erzieht meinen hund...die is fertig erzogen und alles klappt ;)
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Re: Wie erziehe ich einen Amerikaner?

Beitragvon Tjani » 01.02.2012 19:16

Ich glaub ich würde da mal ordentlich auf den Putz hauen.
Und Kritikfähigkeit hin oder her. Er hat das Ergebnis, den Beweis doch vor der Nase.
Ich würde ihn entweder mit dem Hund in die Hundeschule schicken und ihm mal den Kopf waschen bezüglich dessen, dass nun alles an dir hängen bleibt oder es auch noch zu Konflikten zwischen euch beiden führt. Der Hund war eine gemeinsame Entscheidung, und wenn da Probleme auftauchen, dann bewältigt man die auch gemeinsam.
Hat dein Mann darauf gar keine Lust, dann würde ich sagen: "Ok, dann gehört der Hund jezt mir und ich mach das hier alleine." Das heißt, dass er (wenn es umzusetzen ist) mit dem Hund gar nichts mehr macht und wenn doch- dann sagst du wie das abzulaufen hat. Dafür, dass du wieder das reparierst, was er in den Sand gesetzt hat muss er aber auch aufhören zu meckern.
So geht das nicht. Erst- juhu, süßer kleiner Hund und dann... ach ne, keine Lust mehr?
Natürlich kommt der Hund zum wandern mit. Wenn er durch irgendwas nervt, ja, dann muss man daran eben arbeiten. Entweder so oder man hat die nächsten 10 Jahre einen Grund um genervt zu sein an der Backe.
Nicht wundern. Mein N klemmt.

Liebste Grüße,

Tjani und Springflohgrashüpferfledermausrennhamsterhasenfußsuperbärterminator (*hhh* atmen!)
seines Zeichens
Raketenpo!
... und Microheld. :)

"Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast."
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