von Leela » 13.12.2009 20:59
Ich bin sehr enttäuscht von dem Buch!
Die ersten beiden Kapitel befassen sich mit der Defintion und der Physiologie von Streß.
Das Wissen was dort aber vermittelt wird, finde ich in jedem Biobuch der Oberstufe. Es wird lediglich erklärt, wie Streß rein organisch im Körper entsteht.
Ich beschäftige mich erst seit knapp einem Jahr mit Streß bei Hunden, und habe allein in dieser Zeit mehr über Bücher aus der Bücherei und das Internet gelernt, als ich in diesem Buch steht.
Dann folgen die Streßsymptome. Es werden alle Symptome aufgeführt und kurz (circa 3 Sätze) erklärt, welche Symptome auftreten können. Also zB vermehrtes Urinieren/Koten, Kratzen, entwickeln von Allergien, Magen-Darm-Störungen usw.
Danach kommt ein Kapitel zu streßauslösenden Faktoren. Das Kapitel führt alle Faktoren auf, die dazubeitragen, dass ein Hund Streß empfindet. Es fängt bei Krankheiten an, geht über zu rauem Spiel und endet bei falscher Mensch-/Hund-Konstellation. Auch diese Faktoren werden nur sehr kurz erklärt.
Danach folgt ein Fragebogen. Der Fragebogen wurde zuvor von 224 HH ausgefüllt. Es folgen seitenlange Auswertungen der Statistiken über diese 224 Hunde.
Das finde ich völlig daneben. 224 Hunde sind meiner Meinung viel zu wenig um wirkliche Aussagen über die Ursache von Streß bei Hunden treffen zu können. Gäbe es eine Umfrage über 224 Menschen, und darüber wie sie Streß empfinden würde das jeder als vollkommen lächerlich ansehen.
Beim Fragebogen selbst, geht es hauptsächlich um den Alltagsablauf des Hundes. Hierbei geht es um die Schlafgewohnheiten, die Häufigkeit der Gassigänge usw.
Man kann den Fragebogen zwar ausfüllen, aber es gibt keine Möglichkeit ihn auszuwerten, also ist er völlig nutzlos.
Danach kommt ein Kapitel das sich "Anti-Streß-Programm (ASP)" nennt. Diese beginnt mit einem weiteren Fragebogen.
Dieser enthält so gut wie die gleichen Fragen, wie der vorherige Umfragboegn, auch diesmal gibt es keine Möglichkeit zur Auswertung.
Die Autorinnen merken lediglich an, dass dieser Fragebogen ihnen helfen würde zukünftige Kunden und deren Hunde besser einschätzen zu können.
Aber was nützt das mir, wo ich in Berlin sitze und garantiert nicht jede Woche 6 Stunden mit dem Auto fahre und in Bayern zur Animal-Learn-Hundeschule gehe?
Abschließend folgen nur noch Geschichten von einzelnen Hunden und deren Halter. Es wird sehr ausführlich beschrieben, was für Probleme die Hunde gehabt haben und wie ihnen nun geholfen wird. Nach jedem Vorstellen folgt eine Zusammenfassung mit den einzelnen Maßnahmen die ergriffen wurden.
Alles ganz toll, aber auch da hat man wohl vergessen, dass jeder Hund anders ist und gerade bei Streß reagieren alle Hunde anders.
Also wenn ich solche Geschichten lesen will, dann kann ich mich auch zwei Stunden durchs DF klicken und Erfolgs- und Mißerfolgsgeschichten lesen.
Helfen tut mir das aber nicht.
Dass das Buch kein Buch zur Anleitung war, ist mir bewusst gewesen. Trotzdem hatte ich gehofft, dass ich im Buch zB wissenschaftliche Sachen erfahre, die mir noch nicht bekannt sind. Stattdessen erhalte ich für mich stinklangweilige Geschichten, bei denen ich mich fast zwingen musste sie zu lesen.
Nirgendswo konnte ich im Buch den Hinweis finden, dass man vielleicht anfangs auch erstmal zum TA gehen sollte, um seinen Hund untersuchen zu lassen. Nicht immer sind schließlich erzieherische Fehler die Schuld an vermehrtem Streß. Mittlerweile ist doch wohl hinlänglich bekannt, dass auch Schilddrüsen- und andere Probleme zu vermehrtem Streß beitragen können.
Darüber finde ich nichts in dem Buch.
Ich glaube, dem Buch hätte es gut getan, wenn die Autorinnen sich Rat bei einem Tierarzt geholt hätten. Anhand der Literaturliste, die sich so gut wie nur auf den ersten wissenschaftlichen teil bezieht, merkt man, dass der Rest des Buches anscheinend nur auf ihren eigenen Erfahrungen in ihrer Hundeschule beruhen. Das ist meiner Meinung nach zu wenig, um sich zu so einem komplexen Thema zu äußern.
Mein Fazit: Die Autorinnen haben die Zielgruppe komplett verfehlt. Jeder der bei seinem Hund vermehrten Streß feststellt und sich mit Hunden beschäftigt wird zu den gleichen Schlüssen kommen. Dafür braucht es solch ein Buch nicht.
liebe Grüße Leela mit Numa *10.4.08
"Die war im Schnee, die hat ja weiße Pfoten!"