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Silvester mit Schweinen...

Alles rund um sonstige Tiere/Haustiere.

Moderator: DF-Mods

Silvester mit Schweinen...

Beitragvon Chris2406 » 23.12.2010 11:43

Es gibt Momente im Leben, da ist man froh, wenn man auf entsprechende Fachliteratur zurück greifen kann und dementsprechend brach ich vor einigen Jahren in wahre Begeisterungsstürme aus, als ich zufällig „James Harriot – Der Doktor und das liebe Vieh“ las. Dem ein oder anderen ist die gleichnamige Sendung vielleicht noch aus dem Fernsehen bekannt, lief glaube ich, Sonntag nachmittags und es ging um einen irischen Tierarzt auf dem Land. Denn dort wurde zur Behandlung einer gestressten Muttersau, die ihre Ferkel auffressen wollte (das kommt manchmal vor) Bier als Behandlung eingesetzt und es hat funktioniert..…..

Hah, das war die Lösung für unser alljährlich wiederkehrendes Problem.
Dieses alljährlich wiederkehrende Problem heißt Silvester….

Und ich sage Euch: Ich hasse Silvester. Sehr.

Das fing schon als Kind an, wo ich ab dem vierten Lebensjahr die Silvesternächte mit unserer vor Angst erstarrten, heißgeliebten Hauskatze unter der Bettdecke verbracht habe und zieht sich bis in die heutige Zeit hinein. Wahrscheinlich bin ich sogar einer der wenigen Menschen unseres Kulturkreises, der noch nie auf einer – wie auch immer gearteten - Silvester-Party war. Jedes Jahr schlage ich drei Kreuze, wenn die Scheune wieder nicht abgebrannt ist…. Jedes Jahr verfluche ich alle Leute, die gedankenlos ihre Haustiere alleine lassen…. Und denke an die Tiere draußen….

Meine persönlichen Silvestervorbereitungen fangen damit an, dass ich mich irgendwann im November jeweils freiwillig für den Weihnachts-Nachtdienst eintrage, da das so ungefähr die einzige Sicherheit ist, auf gar keinen Fall Silvester arbeiten zu müssen….

Bevor ich „Der Doktor und das liebe Vieh“ gelesen hatte, bin ich Jahr für Jahr Ende November das erste Mal zum Tierarzt gefahren, um ein Schweineberuhigungsmittel zu organisieren. Da sollte man nämlich nach Möglichkeit einen „Probelauf“ mit machen, um festzustellen, ob das Zeug wirkt.

Tat es meistens nicht.

Und so kam dann an Silvester eine völlig anders als geplante Mischung zum Einsatz oder die dreifache Dosierung des ersten Mittels – mit dem Ergebnis, dass ich, obwohl Frederic, Frauke, Susi und ich wirklich alle Schweine-Beruhigungsmittel ausprobiert haben, nie zufrieden war, da die Schweine von dem ganzen Getöse, Geheule und Geknalle und auch den Lichteffekten sehr in Streß geraten sind….…. Und für so was sind Edelschweine, wie Freddy eines war, einfach nicht gemacht.

Also fuhr ich das nächste Mal mit den neuesten medizinischen Erkenntnissen aus „Der Doktor und das liebe Vieh“ versehen zum Getränkemarkt und orderte 6 Flaschen Starkbier für meine Schweine. Für den Probelauf erst mal, klar. Der Getränke-Mensch sah mich gleich merkwürdig an – wahrscheinlich hatte er „Der Doktor und das liebe Vieh“ gerade erst gelesen und sofort meinen Fehler bemerkt. Aber die Mistsocke hat kein Wort gesagt!!!

Zuhause in der Scheune habe ich dann drei Eimer bereitgestellt, die Stark-Bier-Flaschen entkront und eingeschenkt. Drei Schweinerüssel verschwanden begeistert in den Eimern, für Bruchteile von Sekunden war versoffenes Schlürfen zu hören und dann passierte ….. – nichts.

Kein wohliges, besoffenes Schweineschläfchen. Kein einziger schmutziger Witz aus erlauchten Schweinerüsseln. Nichts. Gar nichts. Alles wie immer.

Zu meiner Ehrenrettung sei gesagt: Ich kannte mich damals mit alkoholischen Getränken noch nicht so aus…..
Und ich hatte „Der Doktor und das liebe Vieh“ im Sommer gelesen…..
Und ganz offensichtlich eine wichtige Kleinigkeit völlig verdrängt….

Also stand ich zwei Tage später wieder im Getränkemarkt und beschwerte mich wutschnaubend über die mangelhafte Qualität des Starkbieres: „Das Schwein ist noch nicht mal eingeschlafen davon!!!!!“

Diesmal zog ich mit einer ganzen Kiste Starkbier von dannen…..
Probelauf Nummer Zwei: Drei Schweine, drei Eimer, einige Kronkorken später.
Begeistertes Schlürfen, dann pfefferte die versoffene Bande die Eimer noch ein bischen zum Spaß durch den Stall.
Und sonst passierte nichts. Einfach nichts. Außer, dass ich neue Eimer kaufen musste.

Das konnte doch nicht wahr sein??? Hatte James Harriot gelogen???? Wurden da ganz offensichtlich untaugliche Tipps gegeben??? War James Harriot etwa mit Münchhausen verwandt??

Sicherheitshalber las ich noch mal das ganze Buch……
Oh, da stand, dass Berta (die Muttersau!!!!) einen ganzen Eimer Starkbier bekommen hatte!!!!!

Mea culpa. Eine Art learning by doing….

Diesmal orderte ich drei Kisten Starkbier, mit den Worten "Verstehen Sie - ich muss das Schwein besoffen kriegen!" Der Getränke-Mann versuchte verzweifelt, sie mir mit der Fußspitze rüberzuschieben. Es gelang ihm nicht.
Mit einem verächtlichen Schnauben zog ich mir die Kisten selbst unter der Verkaufstheke durch und schleppte sie zum Auto.

Probelauf Nummer drei:
Drei Schweine, drei Eimer, drei Kisten Starkbier.
Langsam entwickelte sich bei mir eine gewisse Routine im Entkorken von Bierflaschen.
Und langsam entwickelte sich bei den Schweinen ein gewisses Suchtverhalten. Die drei schubsten und drängelten nämlich hinter ihrem Türchen, was das Zeug hielt….

Und stürzten sich begeistert auf die Eimer. Schlürf, schlürf, schlürf. Freddy rollte dabei sogar verzückt die Augen. Und war als erster fertig. Und stürzte sich wie die Damen im WSV auf die Eimer von Frauke und Susi. Was empörtes Gequietsche auslöste und zu heftiger Gegenwehr führte. Und ja, wenn schwein den Eimer ein bischen verbiegt, passen auch zwei Schweinerüssel in einen…..

Aber: Ich konnte nach etwa 20 Minuten die ersten Symptome eines Vollrausches feststellen.

Und musste mal wieder neue Eimer kaufen….

Jetzt erst konnten die wirklich wissenschaftlichen Studien beginnen. Die Schweine lagen für ca. eineinhalb Stunden dümmlich vor sich hingrinsend (oh, ja, das geht!!!) im Stroh und schnarchten um die Wette. Eineinhalb Stunden reichen aber für Silvester nicht. Also musste noch ein weiterer Probelauf zur Ermittlung der besten Nachschenk-Dosierung stattfinden.

Diesmal war niemand im Getränkemarkt. Dabei dachte ich, ich hätte den Getränkemann grad noch gesehen?
Ich wartete 20 Minuten und keiner war da. Also schnappte ich mir vier Kisten Starkbier, spießte das Geld neben der Kasse auf einen Haken und brachte das Gebräu gen Heimat….

Ich brauchte noch zwei Probeläufe, um die bestmögliche Dosierung herauszufinden. Also, das geht so – bereits in Silvester-Zeit gerechnet: Um 22.30 Uhr werden insgesamt 4 Kisten Starkbier auf drei Schweine-Eimer verteilt und dem versoffenen Pack unter die Rüssel gehalten. Dann schlafen die erst mal. Um 23.30 Uhr denkt man zwar, dass die Schweine-Bande im Vollrausch liegt, aber sobald sie das Klappern vom Flaschen-Entkronen hören, stehen sie wie ein Mann am Türchen und lallen nach mehr……
Kein Problem, ist ja genug da. Noch ein Kasten geöffnet und rein damit….

Ganz verschämt ein Fläschchen zur Seite gestellt……

Der Ernstfall kam dann ja auch. Allerdings musste ich die letzten 6 Kästen (einer für Notfälle) woanders holen, der sonstige Getränkemarkt hatte endgültig dicht gemacht…zumindest war die Tür abgeschlossen, als ich am Samstag da war...

Somit hatte ich das perfekte Rezept für Schweine-Silvester gefunden. Mittlerweile hatte ich auch Geschmack an dem Zeug, Ihr erinnert Euch an die eine, verschämte Flasche……

Glücklicherweise sind meine anderen Vierbeiner nicht so stressanfällig!!! Die Pferde tragen den Menschenkram recht gelassen und laufen höchstens mal bei Heulern in den Auslauf….
Den Hunden ist alles egal, Hauptsache, die Alte (=ich) ist da….
Mrs. Lucy schläft nachts, komme, was da wolle…. (Allerdings ist überall Licht an und eine CD läuft auf Dauer-Repeat…der Boss, den mag sie)
Pepe und Merlin sind immer da, wo ich mit den Hunden bin…..

Diesmal klappte alles wunderbar!!!!
Punkt Mitternacht lagen die Schweine stock-besoffen im Stroh, ich, nicht minder besoffen (die eine, verschämte Flasche Starkbier…) tanzte lauthals zur Radio-Musik singend und die Hunde zum Bellen und Mittanzen animierend, durch die Scheune……

Es ist aber nur ein Gerücht, dass ich im kleinen Schwarzen war, die Deppenkappe auf- und Gummistiefel anhatte, ich schwörs……

LG, Chris (mittlerweile etwas trinkfester :D )
Die Vierbeiner der Wild-Bunch-Ranch

---

Mein Leben IST ein Ponyhof.
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Chris2406
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Beitragvon mollrops » 23.12.2010 11:53

Liebe Chris

jetzt mal das schreckliche Thema Knaller und Co ausgeklammert - habe ich noch NIE hier im Forum so lachen müssen wie bei Deinem Bericht.

Danke, Du hast mir damit Weihnachten und Silvester gerettet.

Schreib ein Buch, ich sag Dir, es wird ein grosser Erfolg.

Danke Danke Danke.

Liebe Grüsse
Moni (die sich Silvester auch mal ein Fläschchen Schwarzbier hinstellen wird und auch ein grosser Fan vom Doktor mit dem lieben Vieh war)

PS: Ich kann Dich ob der Angst um Deine Schweine gut verstehen. Ich hoffe, sie schlafen gut über die Knallerei. Mein Onkel musste auch mal den Verlust von 2 Schweinen durch plötzlichen Herztod beklagen.
Ich mit d. wilden Weibern Jule, Bambi, Terry u. Bibi

Nero, Mala, Püppy - unvergessen u. über alles geliebt.

Ein gut erzogener Hund wird nicht darauf bestehen, dass du die Mahlzeit mit ihm teilst,
er sorgt lediglich dafür, dass dein Gewissen so schlecht ist, dass sie dir nicht mehr schmeckt.
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Beitragvon puderzucker » 23.12.2010 12:03

Ein sehr lustiger Bericht :lol:
Nur waren zur Hölle nimmst du Flaschen und kaufst den Kram nicht einfach im Fass? Erspart doch ne Menge arbeit :p
Franzi & Titus (Miniature Australian Shepherd, *21.5.2010)

The power of imagination makes us infinite.
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Beitragvon angel_jyl » 23.12.2010 12:11

:lachtot:

herrlich :lol:
Tanja
mit Paco *Feb 2009 (Husky-?-Mix)
und JayJay *02.05.2000 - †12.09.2011 für immer im Herzen.
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Beitragvon BigJoy » 23.12.2010 12:12

Einfach klasse, wie du in jeder Lage auf Naturheilstoffe zurückgreifst und damit Erfolg hast :D
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Beitragvon Knautschgesicht » 23.12.2010 12:17

*krabbelt mal unterm Schreibtisch vor und wischt sich die Tränen weg

Das machste nicht nochmal ohne Vorwarnung, sonst guck ich dich nicht mehr an

LG
KG

:lachtot:
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Beitragvon Schniefi » 23.12.2010 12:19

:lachtot: :lol: :lachtot: Vielen Dank für diesen Bericht. :gott:
Ich schließ mich Rollmops an. Schreib bitte ein Buch!!!!

(Scherzmodus an)Ob das mit dem Starkbier auch bei Bobby klappt ???
(Scherzmodus aus)
Man soll in einem Rosenhaufen niemals ohne Hosen raufen...
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Beitragvon redborder » 23.12.2010 12:23

Ich lieg unterm Tisch, ich kann nicht mehr....
Ein Knaller! Darf ich mirs ausdrucken und an Silvester meinen
ehrenwerten Gästen im Pferdestall vorlesen, die gebannt darauf warten, daß
sich einer von den Gäulen erschrickt damit wenigstes ein Hauch von
Party entsteht?

Es würde das Fest zum Überkochen bringen.
Bestimmt!

Leider, oder Gottseidank haben wir keine Schweine, abgesehen davon, das
Dein Herr Getränkefachmarkthändler sicher auch nicht an Rüssseltiere, sondern eher an Deinen Herrn Gemahl beim Ordern der Starkbierkästen
dachte. Das Schwein soll endlich schlafen.....
Ich geh kaputt.

Meinereiner würde sich mit Mrs. Lucy ins Körbchen legen und dem Boss
lauschen. Wenn Du dann noch ein Flascherl Starkbier für mich hättest,
wär die Nacht gerettet....

Sanny, dodaaaal begeistert
fides esperantia caritas
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Beitragvon Sophiemaus » 23.12.2010 12:23

Herrlich :lachtot:
Es ist aber nur ein Gerücht, dass ich im kleinen Schwarzen war, die Deppenkappe auf- und Gummistiefel anhatte, ich schwörs……


Schade, das wäre bestimmt ein prima Video geworden. :D
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Beitragvon Majaga » 23.12.2010 12:23

Einfach nur schön. :lachtot: :lachtot:

Danke Chris. :gott:

Ob Lucy wohl nen ganzen Eimer Starkbier verträgt? Sollte ich vielleicht doch von Eierlikör umschwenken? :???:

Grübelnde Weihnachtsgrüße :D
Liebe Grüße
Ute und das Lucytier
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