Hallo Annia,
ich hab ja nur eine handvoll Schäfchens und habe sie fast ausschließlich gekoppelt, also auf einer Weide in Netzen stehen. Meine Hunde helfen mir beim Umtreiben von Weide zu Weide, oder beim Füttern (Zurückhalten), oder einpferchen (Klauen schneiden, Wurmkur spritzen, sonstiges) Leider hab ich nur wenig Zeit, auch einfach mal eine Stück einer Weide ohne Netze abzuhüten. Selten, ganz selten kommts halt mal vor....
Die Hunde brauchen schon eine fundierte Ausbildung, ich persönlich halte aber nichts davon die Hunde allzu jung schon zu hochleistungsfähigen "Maschinen" abzurichten, wie das sicher manche tun. Bei meinen Beiden hab ich festgestellt, daß sie erstmal richtig erwachsen werden mussten- und beide arbeiten inzwischen höchst zuverlässig und mit viel Geist und Mitdenken für mich. Sie sind jetzt fast 4 und fast 5.
Der gut gezogene Border (gute Hüteleistungszucht zum Beispiel) bringt schon die Anlagen mit, die Du sicher bei diesen Hunden sahst. Man feilt dann noch an entsprechenden Kommandos, die man für die Arbeit am Vieh braucht und durchaus auch an Dingen, die dem Hund vom eigentlichen Instinkt her nicht so ganz auf den Leib geschrieben sind- zum Beispiel das Wegtreiben macht der Hund oft nicht so gerne wie das Nachtreiben. Sollte aber für nen guten Hund kein Problem sein es schnell zu lernen und umzusetzen.
Ich lege Wert auf selbständiges Arbeiten, oftmals sieht der Hund was, was Mensch gar nicht wahrnimmt. Beim letzten Umtreiben musste ich einige lange Straßenzüge quer durch den Ort treiben und kam dann aus dem Ort raus, direkt an einer Wiese vorbei und dachte noch, daß ich wohl den Hund mal raus schicke, damit die Schafe nicht ein Päuschen auf dieser Wiese einlegen, die uns nicht gehört. Die Schafe blieben aber wie von Geisterhand auf dem Asphaltweg
Ein Blick nach meinem Hund- und ich hatte es DANN auch endlich verstanden- viel später als mein Hund! Denn der war schon rausgelaufen und hielt die Wiese frei von den Schafen. DAS ist das, was ich an meinen Hunden schätze- eben nicht immer abzuwarten bis Mensch was sagt, sondern mitdenken und handeln.
Oder ein Beispiel von meinem "Rinderhund"
Die letzten Tage ist die Mutterkuhherde auf der Weide, es ist spät und stockenfinster. Ich höre Kälber plärren und mach mich auf 3,5 ha mit Taschenlampe auf die Suche aus Richtung des Geplärrs. Zwei Kälber waren durch den Zaun gestiegen, eins stand im Graben, eins auf der Nachbarweide, die auch uns gehört und nochmal knappe 5 ha groß ist.
Das ist guter Rat teuer, denn Kühe sehen Nachts nicht gut.
Also muss mein Hund- den ICH ja auch im Dunkeln kaum sehen eben alleine ran. Das einzige Hilfmittel war meine Taschenlampe, mit der ich den Hund anleuchtete, damit die Kälber ihn so einigermaßen sehen konnten. Ganz ohne Kommandos, nur an meiner Stellung wo die Kälber den Ausgang zu finden haben, hat dann Forest die Beiden ganz souverän wieder zurückgeholt. Für mich allein wär das nahezu unmöglich gewesen.
Für mich also ist das mitdenken und selberhandeln sehr wichtig und so lass ich meine Hunde auch oft allein machen und schau, daß weder Vieh noch Hund allzu großen Blödsinn anstellen- beim Umtreiben der Rinder und Kühe allerdings muss der Hund schon präzise den Treibwagen treffen, aber auch da weiß Hund inzwischen, daß Kuh in dieses metallne Ding rein muss.... son Hund ist echt ein kluger Kopf und weiß schnell, woraufs ankommt.
LG Sanny