Hallo,
Relaxan ist ja eher in Richtung "Ergänzungsfuttermittel" einzuordnen, als tatsächlich in den Bereich "Medikamente".
Den ganzen zugefügten Vitaminkram mal beiseite gelassen, besteht das Wirkprinzip von Relaxan in einem zusätzlichem Angebot der Aminosäure Tryptophan, einer s. g. essentiellen AS, die der Hund nicht selbst "herstellen" kann, sondern die von aussen über die Nahrungsaufnahme zugeführt werden muss. Tryptophan wird zu Serotonin umgewandelt - dem "Glücks-Stoff", der u. a. für Ruhe, Entspannung und Konzentrationsfähigkeit sorgt.
Nun gibt es mehrere Wege, bei einem Hund die Verwertung des Tryptophanes zu verbessern:
- ich erhöhe die Menge an Tryptophan im Futter, entweder, indem ich besonders tryptophanhaltige Futtermittel wähle (Tofu, z. B.) oder Tryptophan als Ergänzungsmittel dazu gebe (das machst Du gerade)
- ich verbessere die Verwertung des mit dem normalen Futter aufgenommenen Tryptophanes (das geht über die Wirkung von Insulin nach der Futteraufnahme - man gibt zunächst eine Mahlzeit mit Proteinanteil und ca. 2 Stunden später eine KH-Mahlzeit - dadurch wird Insulin ausgeschüttet, Insulin sorgt dafür, dass die durch die Proteinaufspaltung bereits vorhandenen einzelnen Aminosäuren von der Blut-Hirn-Schranke abgezogen werden, vor der in Sachen Neurotransmitter ansonsten ein elendes Gedränge herrschen würde und läßt als einzige Aminosäure das Tryptophan zurück, dass sich nun ohne Konkurrenz gemütlich im Hirn breit machen kann und sich in Serotonin umwandeln läßt
Das nur mal als kurzgehaltene Erklärung, warum das Relaxan bei Deinem und vielen anderen Hunden zur Entspannung und zur Verbesserung der Lernfähigkeit beiträgt.
Ich persönlich habe mit meinen Hunden ja auch gern Kandidaten, die verhaltensauffällig sind.
Wenn ich da eine Möglichkeit habe, dem Hund die Eingliederung, das Lernen und das Verarbeiten von traumatischen Erfahrungen leichter zu machen, indem ich ein Ergänzungsfuttermittel/eine spezielle Fütterungstechnik benutze - um Himmels willen, warum nicht?
Wichtig dabei ist für mich aber unbedingt, dass man sich nicht auf dem Ergebnis der "Helferlein" ausruht (das machst Du ja auch nicht!), sondern die "Helferlein" dazu nutzt, die Probleme des jeweiligen Hundes gezielt anzugehen, um die Helferlein nach Möglichkeit wieder ausschleichen zu können.
Das, was Cazcarra mit "
In 14 1/2 Monaten? Mehrere Methoden?" ausdrückt, trifft es ganz gut auf den Punkt:
Für einen jungen Hund, der noch mitten in der geistigen und körperlichen Entwicklung steckt, ist das ein reichlich kurzer Zeitraum, um bereits mehrere Methoden ausprobiert und ggf. verworfen zu haben. Oft ist es auch so, dass man mehrere Methoden gleichzeitig anwenden muss, sich einander ergänzend, um zum Erfolg zu kommen.
Nehmen wir einfach mal von Deiner Beschreibung her an, dass Dein Hund vom Wesen her sowieso ein eher unsicherer Kandidat ist, der nur wenig Impulskontrolle hat und eine sehr geringe Stress-Toleranz.
DEM hilft das Trytophan natürlich dabei, dass die Synapsen im Hirn nicht durchglühen...

und er sich besser konzentrieren kann, nicht mehr so hochfährt und wenn, dann schneller und normaler wieder herunter kommt.
Da wäre nun Deine Aufgabe, das Ganze mit Hilfe eines wirklich guten Hundetrainers (und damit meine ich jetzt nicht die "Sitz-Platz-Fuss-Trainer"), sondern Trainer, die sich mit speziellen Lerntechniken und verhaltensauffälligen Hunden auskennen, gezielt anzugehen, um ganz allmählich von dem Relaxan wegzukommen.
Um sich mal einzulesen in die Thematik wäre z. B. "Die Neuropsychologie des Hundes" von James O`Heare interessant für Dich, auch das Buch "Der hyperaktive Hund" von Maria Hense vielleicht, ersteres erklärt sehr schön die Grundlagen von dem, was im Kopf des Hundes chemisch vorgeht, zweiteres bietet eine Sammlung von Methoden, die man sonst eher mühsam zusammensuchen muss, mit recht ausführlicher Beschreibung und auch hilfreichen Erklärungen, was bei Stress in Hunden vorgeht, warum sie nicht lernen können, etc. Letzteres ist kein Muss, aber wenn einem das Thema noch neu ist, eine nette Hilfe.
Was für Euch noch wichtig ist - auch, wenn Dein Hund jetzt aufnahmefähiger ist: er ist immer noch ein Kandidat, dem Überforderung sehr schnell zu schaffen machen kann.
Ein verhaltenskundlich arbeitender Hundetrainer wäre das, was ich Euch ans Herz legen würde.
Parallel dazu wäre die Kontaktaufnahme zu einem verhaltenskundlich arbeitendem TA eine gute Möglichkeit, um gezielte Diagnostik betreiben zu können. Auch bei Hunden gibt es Hirnstoffwechselstörungen, die vom "normalen" Haus-TA kaum zu diagnostizieren sind. Und ebenso können andere Grunderkrankungen zu solchen Verhaltens-Problemchen führen.
Hier wäre mal eine bundesweite Liste:
http://www.gtvmt.de/10/verhaltenstierae ... -naehe.htmAuch das Thema "Fütterung" ist bei solchen HUnden nicht uninteressant - es gibt Hunde, die auf viel Protein hin "komisch" werden, es gibt Hunde, die auf viel Kohlenhydrate hin "komisch" werden, es gibt Hunde, die auf einzelne Nahrungsbestandteile hin mit einer Art "Cerebralallergie" (extra in "") reagieren - auch da hat man noch reichlich Möglichkeiten, nach Auslösern zu forschen.
Zugegeben - ein deutlich anstrengenderer Weg, als täglich ein paar Relaxan zu geben, aber auf Dauer wesentlich erfolgversprechender.
LG, Chris