„Au Mann bin ich müde,“ Doggie gähnte und zeigte der Umwelt seine 42 erstaunlich großen Zähne, „ich werde gleich einschlafen.“
„Das liegt an der Hitze, wir haben heute ja gar nicht viel gemacht. Na, ich werde nachher mal zum Felchner hoch latschen, da wurde mittags wohl der Weizen geerntet,“ antwortete Chap. „Ja und? Was soll das? Du kennst doch Stoppelfelder, hast du eins gesehen, hast du alle gesehen, ob vom Ökobauern wie Felchner oder vom konventionellen Landmann, sterbenslangweilig. Hat dir die Sonne deinen zwar vorhandenen aber altklugen Verstand aufgeweicht?“
Chap drehte sich weg und rollte sich zum Schlaf zusammen.
„He, sprichst du jetzt nicht mehr mit mir, es tut mir leid, ich wollte nicht frech sein, du bist klug aber nicht alt.“
Chap schreckte hoch, ein Wortspiel von Doggie, Wahnsinn, was würde als Nächstes kommen?
„Hallo Chap, rede doch wieder mit mir, ich werde auch morgen für dich die Kühe reinholen.“
„Was für ein Käse, du bist doch sowieso morgen dran.“
„Ah, du sprichst wieder mit mir. Danke Meister, danke Ich werde dir ein treuer und fürsorglicher Kamerad sein, ich“
„Bitte hör auf mit dem Gesülze, das hält ja kein Hund aus. Ist schon gut. Manchmal da....“
Chap wurde von lautem Schnarchen unterbrochen, Doggie war schon eingeschlafen.
Der Border Collie döste, bis es dunkel wurde und machte sich dann auf den Weg zu dem abgeernteten Feld. Hier am Ökohof hatte viel Mohn zwischen den Weizenhalmen gestanden, und bei der Ernte fiel der Samen der roten Pflanzen auf den Boden, und darauf war der schwarz-weiße Hund erpicht. ,er suchte besonders ergiebige Stellen und leckte den Mohn auf. Nach einer guten Stunde hatte er das ganze Feld abgegrast. Ein wunderbar entspanntes Gefühl breitete sich in ihm aus, nun wollte er nach Hause laufen, sich hinlegen und ein wenig schlummern. Aber wo war doch gleich der Weg nach Hause? Hier her ? Ja klar.
Nein halt, es ging doch eher dort lang, oder . Chap setzte sich erst mal hin, keine Frage, er fand den Weg nicht mehr, das machte gar nichts, er konnte ja auf dem Feld bleiben und morgen früh wenn er wieder klar im Kopf war, nach Hause laufen. Wenn er nur nicht so schrecklichen Durst hätte, na ja Wasser würde er ja wohl finden. Er streckte die Nase in die Luft, schnupperte bedächtig, alles klar, bergab musste Wasser sein. Er trottete den Hügel hinab und blieb alle paar Meter stehen, um noch mal zu wittern. Gut, der Geruch des Wassers war noch da, also weiter, nun war er schon eine geraume Weile unterwegs, als er das Geräusch von sich am Ufer brechenden Wellen hörte. Chap hatte, bedröhnt wie er war, die ganze Strecke bis zum Fluss zurückgelegt . Er starrte erstaunt in die Wellen, sein Zeitgefühl schien etwas gelitten zu haben. Erst einmal trank Chap genussvoll, dann erwog er schwimmen zu gehen, traute sich aber nicht weil er Angst hatte, auch hier die Orientierung zu verlieren. Er plante, sich eine kleine Weile auszuruhen und dann zurück in die Heimat zu wandern. Gerade als er sich hingelegt hatte fiel ein großer Schatten über den schwarzen Kopf mit dem weißen Streifen.
„Was machst du in meinem Territorium ?“ zu dem Schatten gehörte eine tiefe, rauhe Stimme. Chap hob den Kopf und versuchte, gegen das Mondlicht mehr als die dunklen Umrisse zu erkennen. Es fiel ihm schwer, sich aufzurichten, mit verträumten Gesicht grinste er die Silhouette an.
„Peace, Bruder“
„Was machst du hier?“
„Ich suche mein Karma. Könntest du etwas aus dem Mondlicht gehen? Es blendet, ich kann dich gar nicht sehen.“
Der große Schatten entpuppte sich als ausgesprochen kräftiger, untersetzter, kurzhaariger Hund.
„Guten Tag, mein Name ist Chap, und wie heißt du Bruder?“
„Spike, bist du krank, ich bin nicht dein Bruder, und jetzt such deinen Kamerad und zieh Leine.“
„Du verbreitest eine negative Aura, mein Freund. Wie war doch gleich dein Name ?“
„Spike, ich heiße Spike, und nun schieb ab.“
„Mein lieber Spike, hör doch nur dem sanften Rauschen des Flusses zu, wird dir da nicht ganz warm und wohlgemut ums Herz?“
„Ich beiß dir gleich in die Familienplanung, dann wird es dir dort ganz warm, hau endlich ab.“
„Du sprichst nur so böse, weil du unsicher und voller Ängste bist. Komm erzähle mir von deinen Nöten.“
„Ich fass es nicht . Meine einzige Not ist, dass du endlich von unserem Grundstück verschwindest, du delirierender Irrer.“
„Ja beleidige mich nur, aber mich triffst du nicht, denn ich habe die Kraft der zwei Herzen, doch du bist destruktiv und vom rechten Weg abgekommen, darum öffne dich mir.“
„Jetzt langt es , jetzt gibt es auf die Fresse.“ Spike spannte die Muskeln und sprang auf Chap zu, als er von einer roten Gestalt an der Brust gerammt wurde. Der große Hund überschlug sich und fiel in den Fluss.
„Komm schon, wir hauen ab.“ Doggie versuchte Chap vor sich her zu schieben.
„Und was wird aus Spike. Wer rettet ihn?“
„Verdammt, er ist ein Hund, Hunde können schwimmen.“
„Das mein ich doch gar nicht, er war so unglücklich und voller Depressionen,. Ich wollte ihm helfen und ihn erleuchten.“
„ Das machen wir morgen, so eine Erleuchtung kommt doch bei Tageslicht viel eindrucksvoller. Und jetzt müssen wir zurück. Panther braucht deinen Beistand, ihr setzen die ganzen getöteten Mäuse furchtbar zu und sie möchte nur mit dir darüber reden.“
„Natürlich, ich komme, worauf wartest du noch, oh Gott die Arme, sie muss Höllenqualen ausstehen.“
„Ja klar, genau , sie leidet . Oh wie sie leidet.“
Am Hof angekommen, wankte Chap gefolgt von Dog in die Scheune.
„Hallo Panther, es tut mir furchtbar leid, aber wir reden morgen. Ich bin so entsetzlich müde,“ murmelte er noch bevor er sich hinlegte und einschlief.
„Wo und wie hast du ihn gefunden?“ fragte Panther den sich auch zusammenrollenden Dog.
„Am Fluss, ich bin zum abgemähten Feld gelaufen, habe die Spur aufgenommen und ab da war es kein Problem ihn zu finden. Du hattest recht , mich los zu schicken, er saß schon ganz schön in der Klemme. Und er hat einen Stuss verzapft, nicht auszuhalten. Er wurde zu seinem eigenen Guru “
„So ein kluger Hund, Doggie, sicher der klügste den ich kenne.
Aber wenn er was intus hat, wird er zum klugscheißenden, allwissenden Laienprediger.“
„Wieso, kommt das denn oft vor?“
„Manchmal. Er scheint es zu brauchen. Aber wir sind ja da.“
„Ja sicher, Panther Wir sind da. Gute Nacht.“
„Gute Nacht Dog.“


