Währenddessen ging Chap zu Panther. Die Wunde am Hals sah wirklich furchterregend aus. Dennoch legte er den Kopf auf die Brust der Katze und versuchte den Herzschlag zu finden. Er hatte von Katzen gehört, welche die ungewöhnlichsten Verletzungen überlebt hatten. Also versuchte er mit der Hilfe seiner empfindlichen Ohren, die er vor Panthers Maul hielt, zu überprüfen, ob man noch eine geringe Atmung feststellen konnte. Ja, er glaubte zu spüren, wie sich die Haare bewegten.
„Dog, hör auf zu kreischen und komm her.“
„Was soll ich denn?“
„Du nimmst Panther am Nackenfell und trägst sie zum Mann.“
„Ich trage doch keine Leiche.“
„Sie lebt, wenn auch nur noch ein bisschen.“
Dog sprang in die Luft .
„Hurra, sie lebt, sie lebt!“ Dann wurde er stiller.
„Am Nackenfell ? Niemand trägt Panther, so lange sie lebt, am Nacken spazieren.“
„Doch, du, und zwar jetzt, und es muss schnell gehen. Du hast den Stiernacken, und dir würde sie nicht die Augen auskratzen, falls sie wach werden sollte, was sie bei mir wahrscheinlich täte. Mach jetzt, ich laufe voraus und hole den Mann.“
Der Border Collie raste los, war in Windeseile am Wohnhaus, schoss durch die Hundeklappe in den Flur und fing an zu bellen. Der Mann kam aus dem Wohnzimmer, sah seinen Hund an, der kläffend zwischen ihm und der Haustür hin und her lief, nahm eine Jacke, machte die Tür auf und folgte Chap auf dem Fuß.
Als die beiden aus dem Haus kamen, wankte ihnen Dog breitbeinig entgegen, die Katze vorsichtig im Fang transportierend. Der Mann ging auf den Cattle Dog zu, nahm ihm Panther ab, ging unter das Vordach der Scheune ins Trockene und untersuchte die Wunde. Dann legte er die Katze auf die Ladefläche des Kombis, ließ die Hunde dazu springen, holte die Frau und raste mit quietschenden Reifen los.
Nach wenigen Minuten rasanter Fahrt, während der selbst Doggie schlecht geworden war, kamen sie beim Tierarzt an.
Der über das Handy informierte Doc erwartete sie schon. Nachdem man die beiden Hunde aus dem Behandlungszimmer entfernt hatte, wurde Panther endlich verarztet. Einige Zeit war vergangen, als der Mann in Begleitung des Docs mit Panther aus dem Zimmer kamen. Der Mann umarmte seine Frau, die bei den Hunden im Wartezimmer geblieben war, ver-abschiedete sich von dem Tierarzt und machte sich mit seiner ganzen Familie auf den Heim-weg.
Während der Fahrt stupste Dog vorsichtig seinen schwarz-weißen Freund an.
„Duhuu,.... was ist denn jetzt? Wird Panther wieder gesund?“
„Weiß man nicht. Unsere beiden Menschen sind noch sehr angespannt, aber sie sind ja auch nicht verzweifelt, also gibt es noch Hoffnung. Los, halten wir uns daran fest.“
Zu Hause angekommen nahm der Mann die Katze mit ins Haus, legte sie auf eine Decke und gebot den Hunden, sich daneben zu legen.
Die nächsten beiden Tage änderte sich nichts. Chap und Doggie hatten viel zu tun, und wenn sie abends zurück kamen, schliefen sie im Haus bei Panther, die sich noch nicht bewegt hatte. Am dritten Tag, als die Hunde von der Schicht gekommen waren und sich neben dem Krankenlager platziert hatten, fragte ein trauriger Dog seinen älteren Freund:
„Wie lange kann das denn noch gut gehen? Müsste sie nicht langsam wach werden, um keine Schäden zu behalten?“
„Du musst gerade über Schäden reden, du vierbeiniger Supergau.“ ertönte eine schwache Stimme.
„Panther, du bist wach!“
Beide Hunde brüllten mit sich überschlagenden Stimmen durcheinander, während die Katze sich zaghaft umsah.
„Ruhe, verdammt noch mal. Wo bin ich hier, Chap?“
„Im Wohnhaus der Chefs.“
„Okay, dann kommt mit. Ich gehe jetzt, hier kriege ich keine Luft.“
Panther eierte auf wackligen Beinen zur Hundeklappe, die Chap schon aufhielt.
Auf dem Weg zur großen Scheune blieb sie zweimal stehen, um sich genussvoll um zu sehen.
„Meine Heimat“ murmelte sie leise vor sich hin, als sie weiterging.
Im Stall sah sie sehnsüchtig auf ihre Decke in der vierten Etage der gestapelten Heuballen. Bei der untersten Ebene angekommen, bemerkte sie dass sie zu schwach war, um den Sprung zu bewältigen.
„Los Chap, Räuberleiter,“ bei dieser Aufforderung legte sich der Border Collie vor den ersten Heuballen. Jetzt kletterte Panther auf Chaps Schultern, und von da aus auf die erste Stufe. Mit derselben Methode ging es bis zu Panthers Lieblingsplatz.
Von hier aus krähte die Katze hinunter „Doggie, komm hoch und leg dich hier hin. Ich brauch Wärme.“
Der Cattle Dog sprang die Ballen hoch und streckte sich auf Panthers Schlafstelle aus, worauf die schwarze Katze sich zwischen Dogs Vorder- und Hinterläufen zusammenkuschelte und im Nu einschlief.
Chap kletterte auf den Boden, um etwas Wasser zu trinken, als der Mann in die Scheune kam, sich auf den Boden setzte und mit dem Rücken an die Wand lehnte.
Sofort legte Chap sich dazu, bettete den Kopf im Schoss des Mannes und ließ sich genüsslich kraulen, bis er glücklich wegdämmerte.
Als der Border Collie am nächsten Morgen wach wurde, lag er immer noch auf seinem Chef, der ihn begrüßte, streichelte und lächelnd zu dem Fellbündel aus dem roten Hund und der schwarzen Katze blickte.


