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Moderator: DF-Mods

Beitragvon Arany » 05.11.2007 22:56

"Mag es sein wie es will aber ich werde solche Methoden nicht Gutheisen"

Ach Ronjaxx,

das Ganze entwickelt sich zu einer Diskussion über Weltanschauung.

Gutheissen kann ich auch nicht, dass man aus Schweinen lebensnotwendiges Insulin entwickelt. Dennoch hatte mein Vater dadurch ein paar schöne Extra-Jahre, die er ohne deren Insulin nicht gehabt hätte.

Gutheissen kann ich auch nicht, dass man an Nagetieren Chemikalien testet. Dennoch finde ich es gut, dass meinem Sohn beim Haarewaschen nun nicht mehr die Augen brennen.

Gutheissen kann ich auch nicht, dass bei Crashversuchen Schweine verwendet werden, um Sicherheitsgurte zu konzipieren. Dennoch fahre ich beruhigter Auto, wenn ich weiß, dass die Gurte im Notfall auch funktionieren.

Gutheissen kann ich auch nicht, dass zur Krebsforschung Millionen von Nagetieren sterben müssen. Dennoch würde ich mich freuen, wenn es eines Tages heissen würde: DER KREBS IST BESIEGT!

Und FLAT, ...

der Vergleich mit den Jägern hinkt auch etwas. Im Prinzip ist es egal, wenn der Jagdhund das Reh nicht mit dem ersten Biss tötet. Dann beisst er eben nochmal zu, und vielleicht sogar noch ein drittes Mal. Das tut mir dann leid für das Reh, ... mehr aber auch nicht. (Liebe Tierschützer, nicht unnötig aufregen, es klingt härter, als ich es meine!)

Wenn mir aber ein Bankräuber eine Pistole an den Kopf hält, fände ich es schon ganz schön, wenn dieser Mensch beim ersten Biss eines Schutzhundes unschädlich gemacht wird.

Die Regeln in dieser Gesellschaft lauten nun mal: "Das Wohl und das Leben des Menschen steht über denen des Tieres!"

... und an dieser Stelle beginnt nun die Diskussion der Weltanschauung.
Früher - mit 16 oder 17 - dachte ich auch anders als heute :)
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Beitragvon Cimberly » 05.11.2007 23:46

@ Murmelchen: Vielleicht kann ich dir damit eine Antwort geben:
Das ist ein Auszug aus meiner Diplomarbeit und erklärt den Wehrtrieb
und die Überprüfung des Wehrtriebes bei Polizeihunden. Ein Polizeihund sollte ein Gleichgewicht von 50% zu 50% Beute-/ und Wehrtrieb haben. Ein Hund mit 100% Beutetrieb ist nicht einsatztauglich, da er bei Bedrohung ins Meideverhalten gehen würde. Hunde ohne Beutetrieb und einem hohen Wehrtrieb sind nur bedingt einsetzbar.


"Der Wehrtrieb


Der Wehrtrieb kann auch als Erhaltung der körperlichen Unversehrtheit angesehen werden. Er wird ausgelöst durch physische oder psychische Bedrohung (z.B. Beute streitig machen).
Der Wehrtrieb äußert sich durch aktives oder passives Aggressionsverhalten. Der Hund wird zunächst durch Knurren, Zähnefletschen oder Bellen seine Wehrbereitschaft ankündigen. Reichen diese Drohgebärden nicht aus um den Angreifer zu vertreiben, kann nach Auslösung des Wehrtriebes eine Beißhandlung entstehen. 15

Überprüfung des Wehrtriebes:
„Das Erkennen eines Wehrtrieb-Potential lässt sich durch unterschiedliche Überprüfungs-methoden feststellen.“ 16 Der Hund wird dabei beispielsweise in Vereinsamung ( ohne im Beisein des Hundeführers) angebunden und der Scheintäter bewegt sich drohend und mit einem Stock bewaffnet auf den Hund zu.
Eine andere Möglichkeit ist, den Hund durch energisches, aber gefühlvolles Zwicken und Zupfen ins Wehrverhalten zu bringen. Egal welche Methode bei der Überprüfung angewendet wird, es ist wichtig, dass der Scheintäter auf den Hund bedrohlich wirkt. Reagiert der Hund auf die Bedrohungen mit Meidverhalten, Beschwichtigungssignalen (signalisiert Unterwerfung) oder sogar Flucht, ist er nicht schutzdiensttauglich. Signalisiert der Hund jedoch seine Aggressionsbereitschaft durch entsprechende Körperhaltung, Mimik und Gestik oder zeigt er sogar sehr aktive und heftige Drohgebärden, hat er ein gutes Wehrtrieb-Potential. Zeigt der Hund ein gutes Wehrverhalten ist es enorm wichtig herauszufinden, ob das Wehrverhalten wirklich echt ist. Dem Hund kann nämlich bei hohem Beutetrieb ein Verhalten antrainiert werden, dass zunächst wie Wehrverhalten aussieht. Der Grund, warum dies möglich ist, liegt im ausgesprochen hohen Beutereiz des Beißärmels. „Wird nämlich ein Hund aggressiv und geradezu bösartig, wenn ihn der (...) [Scheintäter] mit der Peitsche oder dem Rohstock „ärgert“, sind die eindrucksvollen Aggressionen unter Umständen nur abrufbar, weil der Hund ein zorniges Ziel verfolgt; den Kampf und den mitgeführten Schutz- oder Beißärmel des Helfers unbedingt zu gewinnen.“ 17 Aus diesem Grund wird das tatsächliche Wehrverhalten des Hundes von einer Person in Zivilkleidung durchgeführt, da so der Beutereiz nach der Schutzkleidung des Scheintäters fehlt. Um die Sicherheit des Scheintäters dennoch gewährleisten zu können, wird der Hund entweder angeleint oder ihm ein Maulkorb angelegt. Zeigt der Hund sich auch bei Bedrohung durch eine zivilbekleidete Person aggressiv und wehrhaft, kann von einem hohen Wehrtrieb-Potential ausgegangen werden.
Dennoch muss der Hund aber auch eine gewisse Ausdauer in seinem Wehrverhalten aufweisen können, um als Polizeihund tauglich zu sein. Denn gerade der Polizeihund muss im dienstlichen Einsatz in der Lage sein, einer länger andauernden Auseinandersetzung mit potentiellen Störern wehrhaft zu begegnen.18 "

LG Tina
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Beitragvon susami » 06.11.2007 18:23

Danke Tina,

sehr aufschlussreiche Erklärung.

Eigentlich schade das Du Deinen Berufswunsch nicht so umsetzen kannst - ich glaub Leute mit Deinem Fachwissen fehlen bei der Diensthundausbildung an allen Ecken und Kanten.

lg susa
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Beitragvon Cimberly » 06.11.2007 23:53

Leider sind ja in dieser Sparte Leute mit Fachwissen, die anderer Meinung sind, nicht gefragt. Zumindest ist das hier so.. Klar ich könnte versuchen, Diensthundeführer zu werden.. aber da ich diese Art von Ausbildung wie es teilweise noch gelehrt wird, ablehnen würde, würde ich durch einen richtigen Spießrutenlauf gehen... und das muss ich mir ehrlich gesagt nicht antun. Aber auch wenn die Ausbildung sich verbessert, dann glaube ich trotzdem nicht, dass ich das durchhalten würde. Ich bin dafür einfach zu weich, auch wenn ich selber auch sehr konsequent mit meiner Hündin bin.

Aber vielleicht gibt es ja doch eine Möglichkeit diese duale Verwendung zu umgehen. Denn eine Ausbildung zum Spürhund, ohne vorherige Schutzhundeausbildung wäre mein absoluter Traum. Denn eine bessere und wichtigere Aufgabe kann ein Hund nicht haben und ich würde gleichzeitig mein Beruf und Hobby vereinen können :D

Nja die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt ;)
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Beitragvon Luckydog » 07.11.2007 08:51

Viele Blinden- und Begleithunde werden heutzutage mit positiver Bestärkung ausgebildet. Danach wird das Wissen des Hundes von ihren Besitzer mit Liebe und Geduld täglich gefestigt. Viele dieser Hunde gehen mir ihren Besitz durch dick und dünn und würden dieser auch mit ihrem Leben verteidigen.
Und das ohne Schmerzen und Gewalt.
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Beitragvon wuschelwuschel » 07.11.2007 12:55

@ Cimberly

Du hast soviel interessantes zu diesem Thema geschrieben, dass ich mir einfach mal zwei positive Abschnitte herauszitiet habe:
Cimberly hat geschrieben:...
Aber es gibt auch andere HF! Nämlich solche die sich intensiv mit ihrem Hund beschäftigen, eine Bindung aufbauen und sich auch mal etwas länger Zeit für eine Übung nehmen. Meist haben diese HF die Hunde von kleinauf. Und da ist es wirklich ohne Starkzwang möglich!...


Es währe doch schön wenn das zum Regelfall würde

Cimberly hat geschrieben:...
Ändern kann sich das nur, wenn erfahrene Diensthundeführer ihren eigenen Weg gehen und versuchen ohne Zwang bzw Starkzwang auszukommen. Und davon gibt es zum Glück einige! Und vielleicht kommt auch einer dieser Leute mal an die Führung und gibt seine Erfahrungen weiter. Dann kann sich alles verbessern. Aber leider werde ich da keine Chance haben, weil sie mich ja gar nicht nehmen würden. ...


Für das erste kann man nur hoffen und das zweite ist ziemlich traurig und ein Armutszeugniss für die Lernwilligkeit der Vorgesetzten.

Ich drücke dir trotzdem weiter die Daumen, denn Leute wie Du könnten die o.g. Fälle irgendwann zur Regell machen.

LG,
wuschel
wuschelwuschel
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Beitragvon Cimberly » 07.11.2007 19:26

Oh danke wuschel :umarmen:

Ich hoffe weiterhin, dass es irgendwann mal für mich möglich ist.
Aber so faszinierend ich diese Schutzhunde finde, ausbilden möchte ich einen solchen Hund nicht. Aber wie gesagt, ein Spürhund ausbilden wäre echt toll. Aber ein Spezialhund auszubilden ohne Schutzhundausbildung ist nicht möglich, da der Hund ja dann nur für eine Sache eingesetzt werden kann.. und da gehts mal wieder nur ums Geld :kopfwand:



Viele Blinden- und Begleithunde werden heutzutage mit positiver Bestärkung ausgebildet. Danach wird das Wissen des Hundes von ihren Besitzer mit Liebe und Geduld täglich gefestigt. Viele dieser Hunde gehen mir ihren Besitz durch dick und dünn und würden dieser auch mit ihrem Leben verteidigen.
Und das ohne Schmerzen und Gewalt


luckydog:

Du hast schon recht, Begleithunde können so ausgebildet werden. Und das ist auch gut so. Aber wie ich in den anderen Antworten in diesem thread schon beschrieben habe:

Die Ausbildung eines Blindenhundes und die eines Schutzhundes bei der Polizei, sind zwei völlig unterschiedliche Richtungen und deren Aufgabenbereiche unvergleichbar. Nochmal: kein Schutzhund bei der Polizei kann nur mit positiver Bestärkung ausgebildet werden! So hart das auch klingen mag.

LG Tina
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Beitragvon Falco » 07.11.2007 20:25

Hab neulich mal einen Bericht gesehen, in dem die Polizei ihre Schutzhunde mit Clicker (!) ausgebildet hat. Gibt also auch das "gute" Vorbild.

In meinem Verein ist eine Diensthundeführerin, die ihre Hündin übernommen hat von einem anderen HF, der so schlecht mit ihr umgegangen ist, daß sie ihm weglief. Der Hund wurde ihm weggenommen. Sowas wird also auch geahndet . . . :rate10:
Deutschland ist wie der menschliche Körper - das Hirn sitzt oben.
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