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Morbus Addison

Alles rund um die Gesundheit Eurer Hunde.

Diese Rubrik ersetzt nicht den Tierarzt oder einen Besuch bei dem Selbigen.

Moderator: DF-Mods

Morbus Addison

Beitragvon LasPatitas » 01.04.2009 10:20

Hallo liebe Hundehalter,

hier möchte ich die (Leidens-)Geschichte meiner tauben, an Morbus Addison erkrankten Hündin erzählen und Halter von anderen MA-Tieren aufklären und von meinen Erfahrungen berichten!

Es fing fast genau vor zwei Jahren an:

Meine damals sechs Monate alte Dalmatinerhündin dürfte mich zu einem Sommerfest in einer Hundeschule begleiten.

Einen Tag später hat sie sich erbrochen, nicht mehr gefressen, war apathisch und hat wenig getrunken.

Unser (damaliger) Tierarzt meinte es wäre ein Magen-Darm-Infekt, spritze ihr Antibiotika und gab uns auch welche in Tablettenfrom mit.

Ihr Zustand verschlechterte sich aber zunehmend: wenn sie gefressen hatte erbrach sie sich, sie hatte Muskelzittern, war schwach auf den Hinterläufen, roch unangenehm aus dem Maul und lag nur noch im Korb.

Später verweigerte sie jede Nahrungsaufnahme, beide Augen waren stark entzündet, sie hatte 5 Kilo abgenommen, die Ohren, Nase, Haut und Glieder waren kalt.

Der Tierarzt behauptete auch, am Donnerstag vor Karfreitag, weiterhin es wäre ein Magen-Darm-Infekt!

Wir sollten den Hund wieder am Dienstag (nach Ostern!) vorbeibringen!

Hätten wir nichts unternommen, hätten wir ihm am Dienstag einen toten Hund vorbeibringen können!


Am Karfreitag brachten wir unsere Hündin in die Tierklinik.

Ihr Allgemeinzustand war lebensbedrohlich, nur noch die inneren Organe wurden mit Blut versorgt, deswegen war sie so kalt!

Durch eine Blutuntersuchung (vor Ort!) stellte sich heraus, das die Blutwerte sehr sehr schlecht waren:

- Die Harnstoff- und Kreatininwerte waren am explodieren, was den Geruch aus dem Mund erklärte (wie Urin) und auf eine Schädigung der Nieren hindeutete.

- Die Kaliumkonzentration war ebenfalls stark angestiegen, was die Übelkeit und das Erbrechen, sowie das Muskelzittern erklärt (Muskulatur, auch der Magen ist ein Muskelsack, arbeitet mit Kalium).

- Die entzündeten Augen spiegelten das geschwächte Immunsystem da und zeigten einen Hinweis auf eine (zusätzliche) bakteriellle Infektion hin.


Sie wurde sofort über einen Venenkatheter an eine schnelle Dauertropfinfusion mit NaCl-Lösung angeschlossen.

Wärme wurde Mithilfe einer Wärmedecke gegeben.

Außerdem wurde über die Blutwerte der Verdacht auf Leptospirose geäußert.

Leider konnte durch die vorherige Gabe von Antiobiotika kein Nachweis im Blut erbracht werden.

Eine Nierenbiopsie hätte Klarheit gebracht, war aber in ihrem Zustand undenkbar!

Also wurde weiterhin Antibiotika gegeben.

Infusionen mit NaCl und Glukoselösung verbesserten die Blutwerte, aber der Verursacher war noch immer da!

Die Gabe von weiteren Antibiotika brachte auch keine Besserung, worauf hin der Verdacht auf Staupe (u.a. entzündete Augen) laut wurde.

Als letzten Anker wurden ihr Staupeantikörper gespritzt....aber auch das zeigte keinerlei Wirkung auf sie!

Unsere letzte Rettung war eine Tierärztin, die auf einen Verdacht unserer Kleinen eine geringe Dosis Cortison spritzte...

...innerhalb weniger Stunden verbesserte sich der Allgemeinzustand spürbar...

...der Hinweis auf Morbus Addison!


Auszug aus Wikipedia:

"Bei der primären Nebennierenrindeninsuffizienz (Morbus Addison, benannt nach dem englischen Arzt Thomas Addison) handelt es sich um eine Unterfunktion der Nebennierenrinde (NNR), die unbehandelt tödlich verläuft.

Die Nebenniere besteht aus dem Nebennierenmark, das Katecholamine (Adrenalin und Noradrenalin) produziert, und der Nebennierenrinde, die Steroidhormone (Cortisol (Glukokortikoide), Aldosteron (Mineralokortikoide, Sexualhormone) herstellt.

Die Nebenniere liegt der Niere am oberen Pol auf.

Die Bildung von Cortisol wird vom Hormon ACTH gesteuert, das im Hypophysenvorderlappen der Hirnanhangsdrüse gebildet wird.

Dieser wiederum wird vom Hypothalamus, einer übergeordneten Hirnregion, gesteuert.
Je weniger Cortisol im Blut vorhanden ist, desto mehr ACTH wird abgegeben, um die Produktion in den Nebennieren zu fördern.

Weitere Hormone, die in der Nebennierenrinde gebildet werden, sind das Aldosteron, das für den Wasserhaushalt sowie die Regulation der Konzentration von Natrium und Kalium im Blut wichtig ist.

Die Aldosteronproduktion wird nicht über die Hypophyse reguliert, sondern über das RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System)."




Um herauszufinden, ob das Gehirn kein ACTH an die Nieren schickt oder ob die Nieren selber defekt sind wurde ein sogenannter ACTH-Stimulatuionstest durchgeführt:

Vor und nach der Gabe von ACTH wurde ihr Blut abgenommen und auf Cortisolanstieg untersucht.

Es konnte kein Anstige festgestellt werden, somit war klar, dass die Rinde der Nebenniere vom eigenen Körper zerstört wurde und deshalb Lebenswichtige Hormone fehlten!

Nun wurden der Kleinen geringe Dosen Fludrokortison gespritzt, später, als eine Nierendefekt ausgeschlossen werden konnte, auf eine orale Dosis umgestellt.

Drei Tage später dürften wir sie wieder mit nach Hause nehmen.


Später berichte ich hier noch ausführlich über die Krankheit und den Alltag mit einem MA-Hund.
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Beitragvon Timlein » 02.04.2009 15:42

Hallo,
habe gerade deinen ausführlichen Bericht gelesen. Oh Mann, gut dass du dich nicht auf den TA verlassen hast. Manchmal muss man wirklich mehrere aufsuchen um gut beraten zu sein.
Mein Hund bekommt auch Cortison und das habe ich mal als Suchbegriff eingegeben u. bin auf deine Nachricht gestoßen. Bei uns ist aber der Auslöser eine Anämie. Ich wollte hautpsächlich schauen, ob andere Hundebesitzer auch mit den Nebenwirkungen von Cortison kämpfen und evtl. noch Tipps haben. Mein Hund bekommt seit Okt. Cortison und die Dosis war am Anfang schon sehr hoch. Am meisten Probleme macht mir die Haut u. seine Muskelatur. Bei der haut hat er immer wieder Entzündungen und die Muskelatur geht zurück so dass er recht wackelig auf den Beinen ist (ist eine Labbi/Doggenmix - auch jetzt erst 1 Jahr alt). Zur Zeit bekommt er noch 2 x 12mg Prednisolon und es wird noch Wochen dauern bis wir evtl. ganz davon weg sind. Hängt letztendlich von den Blutwerten ab.
Du musst doch wahrscheinlich auch Cortison über einen längeren Zeitraum oder vielleicht sogar für immer geben. Hast du auch mit Nebenwirkungen zu kämpfen? Bin für jeden Tipp dankbar.
Timlein
 
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Beitragvon LasPatitas » 02.04.2009 16:16

Hallo Timlein,

ja meine Kleine muss es ihr Lebenlang nehmen, es wird ja nicht merh vom Körper produziert, sonst stirbt sie!

Was mir bei der Gabe von Cortison bei Hunden ohne MA Bedenken macht ist das:

Zitat aus dem bericht von Dr. Hämmerling:

"Iatrogene NNRI: Diese ist wesentlich häufiger als die spontane Form! Ursache ist die langandauernde Behandlung mit Corticosteroiden.
Über den feed back-Mechanismus wird die ACTH-Sekretion chronisch unterdrückt, mit der Folge der Atrophie der Z. fasciculata und reticularis. Die Z. glomerulosa ist nicht betroffen.
Besonders nach plötzlichem Absetzen von hohen Cortisongaben und ungewöhnlichen Streßbelastungen kann ein Addison-ähnliches Bild auftreten.
Selbst nach Absetzen der Glucocorticoide kann die Atrophie der NNR mehrere Monate lang andauern, bis sie wieder selber Glucocorticoide produziert.
Gestagene haben eine ähnliche, langandauernde atrophierende Wirkung auf die NNR.
Eine weitere iatrogene Form der reversiblen NNRI kann durch die Behandlung mit Lysodren auftreten. "

Das heißt im Klartext durch die hohe, und langfristige Gabe von Cortison kann auch eine Krise ähnlich wie bei MA entstehen.

Deswegen sollten die Medi´s langsam abgesetzt werden!!!!


Von der Autoimmunkrankheit Morbus Cuching (das Gegenteil von Morbus Addison, wo zuviel Cortison vom Körper produiert wird, was auch bei Hunden zutrifft, die Cortisongaben bekommen) können genau die Symptome zutreffen:

Die häufigsten Anzeichen sind vermehrtes Trinken, vermehrter Urinabsatz und vermehrter Appetit. Manche Hunde zeigen eine starke Gewichtszunahme bei gleichzeitigem Verlust der Bemuskelung.
Viele Hunde hächeln mehr als normal. Die Hautsymptome, die mit dem Cushing-Syndrom verbunden sind zeigen sich als Haarlosigkeit, Schwarzverfärbung der Haut und Hautinfektionen. Manche Tiere haben eine anormal dünne Haut, durch die man die Gefäße hindurch sehen kann.

Wichtig ist das Trinken, auch wenn du deinen Hund kein Wasser geben würdest, würde er es vermehrt ausscheiden und dann vertrocknen (dehydrieren)!!! Also viel Wasser geben, meine Kleine kann schon mal einen Liter hintereinander trinken!

Wir hatten eine Zeit lang Probleme mit Ekzemen am Bauch, ich guck mal ob ich noch die Salbe habe und sag dir dann wie die heißt.
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Beitragvon Timlein » 02.04.2009 20:00

Ja, genauso habe ich es auch gelesen. Letztendlich erreiche ich durch die langfristige Cortisongabe evtl. ein künstliches Cushing Syndrom. Aber was soll ich machen. Ähnlich wie bei dir wäre mein Hund heute nicht mehr am leben. Also muss ich irgendwie hoffen, dass wir vielleicht irgendwann mal ganz vom Cortison weg sind und evtl. keine bleibenden Schäden davon tragen. Dein Hund war ja auch noch so jung u. das viele Kortison ist sicher bei ihm auch nicht gut - aber was hat man für eine Wahl....

Für die Hautentzündungen nehme ich immer Propolis, das hilft auch wirklich gut u. ist ganz natürlich. Aber er hat schon soviel Fell verloren (vom rasieren für eine Knochenmarkpunktion) das ich im Winter einen "Mantel" zurecht geschneidert habe, damit er nicht friert.

Jaja, so hat man seine Sorgen mit den Vierbeinern, dann wünsche ich euch mal alles Gute.
Timlein
 
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Beitragvon LasPatitas » 03.04.2009 09:14

Ja, nen Mantel musste ich im Winter auch kaufen.

Naja Cortisongaben bei einem Hund der selber Cortison produziert ist problematisch, deswegen zeigen sich ja die Nebenwirkungen einer Überdosierung.

Cortison ist ein Hormon, welches vom Körper produziert wird.
Wenn das fehlt (wie bei MA) muss es gegeben werden, sonst stirbt der Hund an den Nebenwirkungen des Cortisonmangels.
Bei einem MA-Hund wird die Dosis so angepasst, als wenn der Körper das selber produziren würde, deswegen gibt es bei einer guten Einstellung (eines MA-Hundes) keine Nebenwirkungen.
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Beitragvon Timlein » 03.04.2009 19:23

Ja klar, ich verstehe. Dann ist die Dauermedikation ja kein Thema.

Dann ein schönes Wochenende für die Zwei- und Vierbeiner
Timlein
 
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Beitragvon Sacco » 04.04.2009 12:50

@ Timlein
Unser Rotti musste auch eine sehr hohe Dosis Cortison über Wochen nehmen. Es war die 7 fache erhöhte Dosis als bei einem Hund erlaubt ist.
Er konnte schon recht schnell nicht mehr richtig alleine aufstehen und laufen ging nur sehr langsam und wackelig.
Wir haben zu Hause immer Übungen mit ihm gemacht und bei warmen trockenen Wetter durfte und sollte er Wassertreten machen.
So konnte man den Muskelschwund zwar nicht stoppen aber immerhin sehr stark verlangsamen bis die Dosis wieder weiter runtergestzt werden konnte.
Er musste auch immer einen Mantel tragen. Bei kaltem oder nassen Wetter wurde er sofort Krank und musste in die TK.

Lg
Sacco
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Beitragvon Timlein » 06.04.2009 10:32

@Sacco
ach Gott, der arme Kerl. So schlimm ist es bei Falko Gott sei Dank nicht.
Ich versuche z.Zt. auch mit Fahrrad fahren ihn ein wenig aufzubauen - natürlich nur langsam. Aber er hat auch Spaß daran, dass ist schön. Mit dem Wasser können wir wohl erst zu einer wärmeren Zeit anfangen und das auch nur dann, wenn er nicht wieder solche Hautprobleme hat wie jetzt. Denn jede Bakterie kann wieder was auslösen.
Timlein
 
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unserer Kimba geht es wieder prima!

Beitragvon Reetdachfan » 10.11.2010 17:53

Nachdem unsere damals 8-jährige Kimba 2008 an Morbus Adison erkrankte und sie fast wegen Austrocknung gestorben wäre, ist die Krankheit in der Tierklinik Gießen erkannt worden und wurde therapiert. Seitdem bekommt Sie Fludrocortisone, die ich günstig über eine holländische Internetapotheke einkaufe und liefern lasse.
wir haben die Krankheit sehr gut im Griff, auch eine Kreuzband-OP in diesem Jahr hat sie sehr gut überstanden.

Nie entmutigen lassen!
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