Ich sammel die virtuellen Kerne mal ein und tausche sie gegen reelle, die ich den Herren beim nächsten Shooting überreichen kann. Sie fühlen sich geschmeichelt, so viele Komplimente zu bekommen, auch wenn wir alle zugeben, dass die Hälfte des Lobes der Kamera gebührt.

Der Knopf ist zwar noch kein Opa (er würde sich auch dagegen verwahren, dass jemand das über ihn sagt), aber durchaus ein Mauseherr im gesetzten Alter. Man merkt es ihm kaum an, denn er ist fit und munter und nutzt auch das Laufrad gern. Renner können im Durchschnitt bis zu fünf Jahre alt werden, ich kenne allerdings wenige Leute, bei deren Tieren das der Fall ist. Meine Rennies kommen meistens sehr dicht an diese Grenze ran, und ich hab schon von Rennern gehört, die bis zu sieben Jahre alt wurden. Man pflegt die Kleinen im fortgeschrittenen Alter halt anders, das Knöpfchen darf heutzutage auch gern mal nen Mehlwurm mehr haben bzw. bekommt neuerdings auch mal nen Klecks Erdnussbutter zugesteckt, einfach so, fürs allgemeine Wohlbefinden.
Eine Vergesellschaftung... Hmm, ich gebe dir mal die Kurzfassung, denn dazu gibt es eine Menge Theorien.
Ich persönlich bevorzuge die Trenngittermethode, bei der ich ein nicht zu großes Aquarium (in meinem Fall knapp ein 60er) in der Mitte durch einen Holzrahmen abtrenne, in den Kaninchendraht eingespannt ist. Bei schwierigen Kandidaten (z.B. wenn ich zwei Erwachsene vergesellschaften muss oder einer der Kandidaten besonders wild und aggressiv handelt) lässt sich das Trenngitter leicht verstärken, dann kommt noch eine Schicht Kaninchendraht, so dass ca. 1 cm zwischen beiden Lagen ist - das doppelte Trenngitter, durch das die Mäuse sich zwar beschnuppern, aber nicht beißen können.
Dann stecke ich die zu vergesellschaftenden Renner ins Becken, jeden auf eine Seite des Trenngitters. Eingerichtet sind beide Seiten gleich: eine dünne Schicht Einstreu, Wasserflasche, Sandnapf, Toilettenpapier und Klopapierrollen zum Schreddern. Futter gibt es nicht im Napf, das streue ich in die Einstreu. Der Sinn dieser reizarmen Umgebung ist der, dass sich die Mäuse miteinander beschäftigen und nicht ablenken sollen. Daher auch der wenige Platz - sie sollen sich nicht komplett aus dem Weg gehen können. Einen Tag lang lass ich die Kandidaten jeweils in ihrem Abteil, damit sie es ordentlich einduften können, danach fange ich mit dem Seitenwechsel an. Auch da gibt es ne Menge Theorien, aber ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, 3x am Tag zu wechseln. An der Reaktion der Mäuse auf die vom 'Gegner' eingeduftete Seite kann man recht schnell erkennen, ob man sich auf eine langwierige VG einstellen muss. Wird das Nest des 'Gegners' zerstört, kann es noch dauern. Markieren werden die beiden in jedem Fall, aber auch da kann man schon sehen, ob es in Stress ausartet oder nicht. Schlafen die Kandidaten im unzerstörten Nest des anderen, ist das schon mal ein gutes Zeichen. Auch der Kontakt am Gitter gibt gute Hinweise auf einen baldigen Erfolg. Wird geschnuppert, geputzt oder gedroht?
Je nach Konstellation hatte ich schon VG, die nach 36 Stunden geschafft waren, oder auch solche, die sich über Wochen hinzogen.
Wenn der Seitenwechsel und der Umgang am Trenngitter mehrere Tage lang friedlich und ruhig verläuft, kann man die Tiere ohne Barriere zusammenführen. Manche Halter setzen einfach beide in ein Abteil, andere entfernen das Gitter, ich bevorzuge die Dusch-Methode: Großes Handtuch in die Dusche, Klopapierrollen zum Abreagieren und jede Menge Sonnenblumenkerne dazu, dann beide Mäuse rein, Lederhandschuh und Wassersprühflasche bereithalten und zuschauen. Normalerweise wird sich dann in der Dusche ein wenig gejagt, beschnüffelt und gerangelt, bis jeder wieder seiner Wege geht und Kerne mümmelt (so viele auf einen Haufen gibt's nämlich nur bei einer VG). Bilden die beiden Mäuse ein Knäuel, bedeutet das Krieg, und ich trenne sie sofort wieder. Wenn sie friedlich bleiben, kommen die beiden anschließend in eine Transportbox, die ich mit vermischter Streu aus beiden Trenngitter-Seiten gefüllt habe (vorzugsweise nehme ich hierzu die beiden Nester, die duften am stärksten), zusammen mit Klopapier und -rollen, viel Futter und einer Wasserflasche. Dort bleiben sie dann über Nacht (die meisten Zusammenführungen fang ich Samstagmittags an, dann habe ich bis Montag Zeit, genau zu beobachten), um am folgenden Morgen in eines der beiden Abteile gesetzt zu werden. Je nach Konstellation und Verhalten wird in den nächsten Tagen langsam der Platz vergrößert, bis sie nach ca. einer Woche das ganze VG-Aqua zur Verfügung haben. Darin wohnen sie dann wieder einige Zeit, bis ich den Eindruck habe, dass sich die Gruppe gut gefestigt hat, dann dürfen sie ins große Becken umziehen, nehmen aber wieder ihre komplette eingeduftete Streu mit. Im großen Becken wird dann über die nächsten Wochen nach und nach alle Einrichtung dazugegeben, und wenn alles gut läuft, gibt es nach ca. 2 Monaten auch den Aufsatz dazu.
Ich habe einmal auch anders vergesellschaftet, als ich zwei Mausekinder zu meinem einsamen Altbock, Hickey, gesetzt habe. Da habe ich die Kleinen geschnappt, mit Hickeys Nest abgerieben und alle drei zusammen in die Transportbox gestopft. Das würde ich allerdings nicht mit jeder Maus machen, aber der Hickey war ein total lieber, netter und ruhiger Geselle, der nach dem Tod seines Bruders enorm gelitten hat, so wusste ich, ich kann es mir erlauben, denn er konnte keiner Fliege was antun. Es hat auch sofort geklappt, er hat die Babys adoptiert und alles war klasse. Eines der damaligen Babys war übrigens mein Flöhchen.
Wenn du Jungtier (ca. 8-12 Wochen)/Alttier vergesellschaften willst, geht es wesentlich schneller, weil Jungtiere in dem Alter noch keinen Eigengeruch haben und somit den des Alttieres schneller annehmen. In dieser Konstellation lasse ich die Kleinen meistens nicht länger als 24-36 Stunden hinter dem Trenngitter, weil das Jungtier aktiv nach Kontakt zum Alttier sucht und die 'alten Hasen' eigentlich immer sofort die Kleinen adoptieren wollen.
Puh, jetzt hab ich doch viel geschwafelt, fürchte ich. Das Thema ist allerdings auch ne Wissenschaft für sich, bei der man sehr aufs Bauchgefühl hören und die Viecher gut kennen sollte.
Wenn du trotzdem noch Fragen hast, immer her damit.
