von skysurfer » 03.02.2012 00:44
Ich erinnere mich noch genau an die Worte meines Mannes, als ich ihm erzählte, daß ich mir einen Hund zugelegt hatte. Einen lammfrommen, so aufmerksam wie verschmusten Border Collie-Labrador-Mischling namens Buster. Von privat, irgendwie dubios zwischen Tür und Angel verkauft. Mitgeliefert wurden Leine, Halsband und Geschirr sowie ein Impfpass. Mein erster, eigener Hund! Und alles, was meinem Mann einfiel, war: "Spinnst du jetzt total?!"
Er konnte mit Hunden nichts anfangen, wollte keinen Hund im Haus haben. Und dann war er es, der die meiste Zeit mit dem Tier verbrachte, mit ihm Sport trieb, arbeitete, mein gekauftes Trockenfutter durch frisches Fleisch und gedünstetes Gemüse ersetzte und mir wöchentlich neue Tricks vorführte, die er Buster beigebracht hatte. Deswegen war ich auch nicht verwundert, als er eines Tages äußerte: "Ich hätte gerne einen Wolfhund. So einen tschechoslowakischen, der aussieht wie ein Wolf."
Ich hätte mit "Spinnst du jetzt total?!" antworten sollen, aber vermutlich hätte ihn das ebenso wenig von seiner Idee abgebracht wie mich, als ich mir Buster in den Kopf gesetzt hatte.
Es war das Wochenende vor Weihnachten und es lag Schnee, als wir in einen 2 Stunden entfernten Ort fuhren, um uns Welpen anzusehen. Der Züchter öffnete uns die Tür und bat uns herein. Es roch nach frisch gebackenen Plätzchen und Pfefferminztee, gar nicht nach der Wolfshöhle, die ich irgendwie erwartet hatte. Die Züchterin kam gerade zur Terrassentür herein, als wir das Wohnzimmer betraten. Zuerst sah ich nur Mama Wolf, die sich an der Frau vorbei ins Warme drängte. Eine wunderschöne, stolze Wölfin mit grau-braunem Fell und stechenden Augen. Und dann tapsten sie herein: Sechs Wölflinge mit schneebedeckten Pfötchen, quietschend und noch wackelig auf den Beinen. Oh Gott! Ich war sofort verliebt.
Bei Keksen und Tee unterhielten wir uns mit den Züchtern. Mein Mann stellte viele Fragen, und ich war erstaunt, wie viel er wusste. Er hatte sich über die Rasse informiert, sich damit beschäftigt, das wusste ich, aber, daß sein Wissen so breit gefächert war, hätte ich nicht erwartet. Es war ihm verdammt ernst: Er wollte einen Wolf.
Während es mir reichte, die süßen, vier Wochen alten Welpen zu streicheln, unterzog mein Mann jeden von den noch verfügbaren irgendwelchen Tests, bis er schließlich auf einen kleinen Rüden deutete und sagte: "Den. Den nehmen wir."
Und sechs Wochen später zog Issorartuyok - kurz: Tuyok - bei uns ein.
Der erste Ball
Meine Vorstellung davon, etwas mit einem Hund zu unternehmen, beinhaltet unter anderem Apportieren. Buster verfolgt diese Aktivität mit gleichbleibender Begeisterung. Er bringt geworfene Beutel, versteckte Beutel, Frisbees, Stöcke, Bälle, Plüschtiere, Seile - kurz: Alles, was man Buster wirft, bringt er einem zurück. Wenn es sein muss, auch 100x nacheinander.
Mein Mann und ich wohnten noch nicht richtig zusammen, aber wir sahen uns fast jedes Wochenende. Tuyok wohnte erst wenige Wochen in seinem neuen Zuhause, und da wir bald richtig zusammenwohnen würden, wollte ich schnell Freundschaft mit dem kleinen Wölfchen schließen. Ich schnappte mir den kleinen Hund und steckte einen weichen Ball in die Jackentasche. Der Spaß konnte beginnen!
Tuyok und ich machten uns auf den Weg zu einer Wiese in der Nähe der Felder. Hier störten wir niemanden, und, was noch wichtiger war, niemand störte uns. Apportierübungen erfordern schließlich vollkommene Konzentration.
Ich führte Tuyok den Ball mit schnellen Bewegungen an der Nase vorbei, bis er aufgeregt umher sprang und nach dem Ball schnappte. Dann warf ich ihn. Tuyok rannte, nahm den Ball auf und hoppelte, angestachelt durch mein lautes Rufen und mit der Leckerlietüte winken, durch den Schnee zu mir zurück. Guter Junge! Ich fütterte ihn mit einem Hundecräcker.
Runde zwei. Wieder warf ich den Ball, Tuyok rannte hinterher, nahm ihn auf und schaute mich an. In seinem Kopf schien es zu arbeiten. Ganz langsam kam er angeschlichen, den Ball vorsichtig im Maul tragend, und schielte auf meine Hand, in der ich den nächsten Cräcker hielt. Dann ging alles sehr schnell: Einen Meter vor mir ließ er den Ball fallen, machte einen Satz nach vorn, schnappte sich den Cräcker und muss ihn am Stück verschlungen haben, denn in der nächsten Sekunde hatte er schon wieder den Ball im Maul und lief davon. Ich rief ihn, er blieb stehen. Aber nicht, um zu mir zu kommen, sondern, um zu schauen, was ich als nächstes tun würde. Und ich tat, worauf er gehofft hatte: Ich lief auf ihn zu. Das nahm er als Stichwort, um sich mit mir ein Katz-und-Maus-Spiel zu leisten, an dem er sichtlich mehr Spaß hatte als ich. Und wer uns von weitem zugesehen hat, hat einen Mann gesehen, der wild mit den Armen in der Luft wedelnd und "Komm her! Tuyok, zu mir! Komm her!"-rufend über ein verschneites Feld lief, hinter einem kleinen Wolfhund her, der alle paar Meter stehen blieb, nur, um sich umzusehen und zu vergewissern, daß der spaßige Spielkamerad noch hinter ihm war.
Irgendwann, als meine Lunge schon in meinen Kniekehlen hing und ich Schnee in den Stiefeln hatte, hatte er Erbarmen mit mir und ließ sich einfangen. Ich hatte genug vom Spaziergang und nahm ihn an der Leine wieder mit nach Hause.
Durchgefroren entledigte ich mich zu Hause meiner Klamotten und ließ mir von meinem Mann ein schönes, heißes Bad einlassen.
Als ich aus dem Bad kam, führte mich eine Wattespur direkt zu Tuyoks Körbchen. Er hatte sich den Ball aus meiner über einem Stuhl hängenden Jacke geholt und ihn zerlegt. Beute gefangen, Beute gefressen. Wolf bleibt Wolf.
...Fortsetzung folgt...
plus 24 Pfoten und 4 Hufe: Tschechoslowakischer Wolfhundrüde Tuyok, Kater Apollo, Katze Artemis, Frettchenrüde Mäxchen, Frettchenrüde Gin Tonic, Frettchenfähe Daisy & Hannoveraner-Stute Nisha