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Schottland - mal wieder

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      Ich habe noch ein paar Bilder von den ersten beiden Tagen:

      Loch Achall, nicht weit von meinem ersten Lagerplatz:

      Loch Achall by Marion Woell, auf Flickr

      Glen Achall:
      Glen Achall by Marion Woell, auf Flickr

      Tristes graues Wetter irgendwo in der Nähe der East Rhidorroch Lodge:
      Rhidorroch by Marion Woell, auf Flickr

      Loch an Daimh, der "See der Hirsche":
      Loch an Daimh by Marion Woell, auf Flickr

      Abendlicht am Abhainn Dubhag:
      Abhainn Dubhag by Marion Woell, auf Flickr

      Recht spät am Abend klart es auf:
      Evening Light by Marion Woell, auf Flickr
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
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    • Wow, Deine Bilder sind so unglaublich schön, wie aus einer Reise-Zeitschrift :cuinlove: Tatsächlich ist mein Mann jetzt absoluter Schottland-Fan, das Wandern hat er ja schon immer als Leidenschaft, aber seine Worte: "Wir müssen irgendwie zusammen mit dem Hund da hinkommen. Du musst mit die Hadrians Wall wandern":) Na, schauen wir mal, ob wir das hinbekommen. Aber bei Deinen Bildern wächst meine Lust darauf zusehends.
      Er fand es auch wunderbar, WHW, Ben Nevis, Küste bei der Isle of Skye, durch den Nationalpark zum eilean donan Castle, dann nach Edinburgh (fand er auch hammermäßig) und dann wieder nach Glasgow (fand er eine ganz furchtbare Drogenstadt :flucht: ). Aber alles in allem, ja, ihm geht es wahrscheinlich wie Dir: Eine Liebe fürs Leben ist da entstanden.
      Der Hund ist ein Begleiter,
      der uns daran erinnert,
      jeden Augenblick zu genießen.
      Marla Lennard

      Lina & Tommi (Pudelmix, *19.08.2009)
    • Freut mich zu hören! Und danke fürs Loben! Ich genehmige mir mal eben einen Keks (Click & Leckerli, sozusagen... :D )

      Ja, Schottland macht süchtig. Und wandern in Schottland steigert diesen Suchtfaktor noch um einiges. Wenn man so weit ist, dass einem nasse Füße nichts mehr ausmachen ("trockene Füße werden überbewertet"), dass es in Ordnung ist, neun Stunden im Dauerregen zu laufen und bis auf die Haus nass zu sein (Bericht kommt noch; "nasser als nass geht nicht"), und man selbst die Mücken als etwas nimmt, was halt dazugehört - ich glaube, dann ist man ein hoffnungsloser Fall. So wie ich.

      Schottland und Hund und Wandern geht auch. Gut, mit Zelt und Hund habe ich das noch nicht probiert, und da meine alte Dame dafür schon viel zu alt ist, wird daraus in absehbarer Zeit nichts mehr. Ich werfe jedoch den ungewissen Ausgang des Brexit in den Raum. Das derzeit von UK angewendete Pet Travel Scheme basiert auf einer EU-Verordnung zum Verbringen von Haustieren (Hund, Katze, Frettchen) in die EU und innerhalb der EU. Wenn das UK raus ist aus der EU, ist fraglich, wie sie mit der Einreise von Haustieren umgehen werden. Hoffentlich bleibt alles wie bisher; im schlimmsten Fall sind dann wieder Bedingungen wie bis Ende der 1990er Jahre, als Haustiere nach der Einreise erst einmal in Quarantäne mussten... Unglaublich, auf welche Bereiche sich dieser Brexit auswirken kann. :???:
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
    • Stimmt, daran haben wir gar nicht gedacht mit dem Brexit. Das ist echt krass! Also Quarantäne kommt selbstverständlich nicht in Frage (darum geht's auch die nächsten 10 - 13 Jahre nicht nach Island).
      Ja, nasse Stiefel hatte er auch zuhauf, vor allem im Cairngorms NP wo die Wege zu Bächen wurden... Ich fand die Erzählungen echt spannend.

      Und ja, Doppelklicker und Superleckerlie :dafuer:
      Der Hund ist ein Begleiter,
      der uns daran erinnert,
      jeden Augenblick zu genießen.
      Marla Lennard

      Lina & Tommi (Pudelmix, *19.08.2009)
    • Hier sind noch zwei Bilder des wirklich schönen Abendlichts:

      Abhainn Dubhag by Marion Woell, auf Flickr

      Abhainn Dubhag by Marion Woell, auf Flickr


      Die Nacht in der Bothy ist ruhig, nur gelegentlich von einem leichten Schnarchen aus einem der anderen Zimmer unterbrochen. Ich bin morgens die Erste, die unterwegs ist. Frühaufsteher und auf MEZ eingestellt - da schlage ich die Briten, was das frühe Aufstehen angeht. ;)
      Das Wetter ist angenehm heute, nicht mehr so schwül, es weht ein leichter beständiger Wind, und die Sonne lässt sich häufig blicken.

      Blick zurück zur Bothy:
      Old Schoolhouse by Marion Woell, auf Flickr

      Der bequeme Landrovertrack führt mich mal durch den Wald, mal am Waldrand entlang, immer in Hörweite des Einig River, bis nach Oykel Bridge. Dort gibt es ein paar Wohnhäuser, ein Hotel, und eine Brücke. Hier ist Angler-Land. Der Oykel scheint unter Anglern ein sehr beliebter Fluss zu sein. Hinter dem Hotel führt zunächst ein Farmtrack langweilig und weit oberhalb des Flusses durchs Gelände. Mein Ausdruck aus "walkhighlands" erwähnt für diesen Abschnitt zahlreiche Sitzbänke, Picknickbänke und sogar Fischerhütten. Nun, ich sehe keine einzige und komme mir leicht veralbert vor. Meine Pause verbringe ich auf meinem Rucksack sitzend...
      Irgendwann komme ich durch das Gelände der Caplich Farm und begegne mehreren frei laufenden Rindern. Keine Highland Cattle, aber irgendeine spezielle Rasse. Es stand auf einem Schild, aber ich habe es vergessen. Wie immer bei Rinder-Begegnungen gehe ich ruhig an den Tieren vorbei, versuche nicht mit den Stöcken zu klappern, und brummele beruhigend irgendwas vor mich hin. So im Sinne von "Sei ein liebes Steak und lass mich hier vorbei, ja?". Alles ganz entspannt.
      Dann, von einer Anhöhe aus, sehe ich: Eine Fischerhütte, und eine Picknickbank! Hier teilt sich der Weg; der Farmtrack führt weiter oben am Hang entlang, und mein Weg führt mich runter zum Fluss. Rucksack abstellen und "na also!" sagen, den Rücken strecken und kurz in der Sonne sitzen. Dann suche ich einen Weg runter zum Wasser, denn meine Wasserflasche ist fast leer. Gut, erledigt. Während ich so auf der Bank sitze, zieht es sich zu, und schon fallen die ersten Regentropfen.

      River Oykel by Marion Woell, auf Flickr

      Erfreut stelle ich fest, dass die Hütte nicht verschlossen ist. Zwei Bänke, ein Stuhl und ein Tisch sind dort drinnen, und hier warte ich gemütlich, bis der Schauer vorbei ist.

      Weiter geht der Weg, jetzt immer am Fluss entlang. Alle paar Hundert Meter steht am Weg ein Wegweiser zu einem Anglerplatz. Dort ist das Gras kurz gemäht, und meist steht dort auch eine Bank. Ich komme nicht besonders schnell vorwärts; hier gibt es zu viele Gelegenheiten zum Pause machen. Die Landschaft ist allerdings recht langweilig. Es muss eine der langweiligsten Landschaften in Schottland sein, in denen ich je unterwegs war. Da reißt auch das gute Wetter nichts mehr.

      River Oykel by Marion Woell, auf Flickr

      Am späten Nachmittag suche und finde ich den idealen Lagerplatz für diese Nacht. Einer der Fischerplätze hat nicht nur gemähtes Gras und eine Bank; er ist auch groß und eben genug für mein Zelt, und weit genug über dem Fluss, um auch bei wolkenbruchartigem Regen ein Schwimmbad im Zelt zu verhindern. Lediglich am frühen Nachmittag bin ich einem Angler begegnet, seitdem nicht mehr. Die Chancen stehen gut, dass heute keiner ausgerechnet am "Beat 12" angeln will (oder war es Beat 13? Egal, jedenfalls der mit der alten Trockenmauer).
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
    • Am nächsten Morgen ist es trübe, aber zum Glück windig und trocken, was gut für den Abbau eines Zeltes ist. Der gute aber langweilige Weg hört jetzt endlich auf, und ich kann mich auf einem sumpfigen Pfad vorwärts bewegen. Das macht gleich viel mehr Laune.

      Keine Laune machen die dicken schwarzen Wolken, die aus Südwesten kommen.

      Loch Ailsh and Benmore Lodge by Marion Woell, auf Flickr

      Heute will ich eigentlich in die Berge, und morgen weglos über einen Pass, an einem Wasserfall und einer steilen Schlucht vorbei runter nach Inchnadamph. Ich habe für den weglosen Teil Wegbeschreibungen dabei, und den gpx-Track aufs Garmin geladen, und freue mich schon auf eine etwas fordernde Strecke. Aber nicht bei Null Sicht und Regen. Das ist nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn man wie ich alleine unterwegs ist.
      Nach anderthalb Stunden Sumpf-Pfad komme ich auf den breiten Landrovertrack, der zur Benmore Lodge führt. Hier treffe ich auf zwei Estate Worker. Begrüßung, und schon sind wir beim Thema Wetter. Ob ich in die Berge und dann rüber nach Inchdamph will? Auf dem Cape Wrath Trail? Ja, das habe ich vor. Hm, die beiden äußern Bedenken. Der Wetterbericht sagt für heute ab der Mittagszeit viel Regen vorher, und morgen soll es den ganzen Tag stürmen und stark regnen. Kälter werden soll es auch. Die beiden raten mir davon ab, bei diesen Bedingungen den Weg zu gehen. Zu viele Hochwasserbäche zu queren, und keine Sicht ab ca. 500m. Ich sehe es ein. Plan B muss her.

      Ich mache es mir auf einem Stein am Loch Ailsh bequem, hole meine Karte aus der Kartentasche, breite sie aus, und schaue mir die nähere Umgebung an. Aha, der Track führt zur Straße, wenn ich einfach in die entgegengesetzte Richtung laufe. Welche Straße ist das? Ah ja, die führt zum Abzweig zu der Straße, die nach Ullapool führt. Und schon habe ich eine Idee. Einer der beiden Estate Worker kommt noch mal rüber und fragt mich nach meinen Plänen. Echt nett, wie besorgt sie sind! Ich kann ihn beruhigen.

      Ich gehe die paar Kilometer bis zur Straße. Dort packe ich die Stöcke und die dreckigen Gamaschen außen an den Rucksack, schmiere mich mich "Smidge" ein (das hilft nicht nur gegen Midges, sondern duftet auch ganz nett), und warte auf ein Auto. Nach wenigen Minuten nähert sich eines. Daumen raus, freundlich lächeln - und schon hält es. Zwei deutsche Urlauber sind es, die mich mitnehmen. Sie sind das erste Mal in Schottland und bekommen von mir jede Menge Tipps, was sie in dieser Gegen hier oben machen können. Hier war ich schon so oft und komme gerne immer wieder.

      Zwischen Ledmore und Elphin gibt es einen kleinen Parkplatz, und dort lassen mich die beiden raus. Hier beginnt der Weg nach Lochinver, den ich eigentlich im Anschluss an die Bergtour gehen wollte. Nun gut, jetzt bin ich zwei Tage früher hier. Ich verabschiede mich von meinen Fahrern, ziehe die Gamaschen wieder an, stelle die Stöcke ein, und laufe los. Schon nach kurzer Zeit haut mich dieser Anblick fast aus den Latschen:

      Cam Loch and Suilven by Marion Woell, auf Flickr

      Cam Loch, und Suilven im Hintergrund. Das Wetter scheint sich zu bessern - was haben mir die beiden Estate Worker da nur erzählt??
      Am Strand des Cam Loch beschließe ich, dass ich keine Lust habe jetzt weiterzulaufen. Ich will hier zelten. Wer weiß, vielleicht gibt es heute Abend ja einen schönen Sonnenuntergang.
      Ich baue meine Hütte auf, richte mich ein, fülle die Wasserflasche, und koche erst einmal einen Kaffee. Kaum sitze ich draußen, und will Kaffee, Müsliriegel und die Aussicht genießen, fängt es an zu regnen. Ich hoffe, dass es nur ein Schauer ist und gehe ins Zelt. Falsche Hoffnung. Es regnet sich ein. Dazu wird es windstill. Klasse, das ist richtig gutes Midges-Wetter.
      Später am Nachmittag ist das hier meine Aussicht. Suilven ist weg. Grau, grau, grün.

      Cam Loch by Marion Woell, auf Flickr

      Naja, das wird ein ruhiger Nachmittag. Erholung ist auch mal gut.
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
    • Nasser als nass geht nicht.
      Das ist das Motto des heutigen Wandertags...

      Morgens ist es noch trocken, doch kaum habe ich das Zelt verpackt, fallen die ersten Tropfen. Nun gut, ich ziehe die Regenhose drüber und laufe los. Der Pfad geht erst am Cam Loch entlang. Bei schönem Wetter sind die Aussichten bestimmt umwerfend. Heute sind die Wolken im Weg, und das einzige was mich umwirft, ist der Wind.

      Cam Loch by Marion Woell, auf Flickr

      Bald verlasse ich auf einem schwer erkennbaren Pfad den Cam Loch und gehe bergauf über den Bergrücken Druim nan Cnaimhseag rüber zum Lochan Fada. Der Weg zieht sich in die Länge. Inzwischen regnet es sehr stark, und hier oben auf dem Bergrücken wehen ordentliche Böen. Mehr als einmal muss ich die Stöcke in den Boden rammen und mich bemühen, in der Senkrechten zu bleiben. Die Böen fallen mich an wie ein wildes Tier. Der Weg ist in dem felsigen Gelände nicht erkennbar. Das einzige, was die Orientierung ermöglicht, ohne ständig Karte, Kompass oder Garmin zu fragen, sind die kleinen Cairns, die in regelmäßigen Abständen den Weg weißen. Irgendwann, es fühlt sich an die nach Stunden, habe ich diese Strecke hinter mir und den Lochan Fada voraus unter mir. Das Wetter ist unverändert grottenschlecht und nicht pausengeeignet...

      Lochan Fada on a rainy day by Marion Woell, auf Flickr

      Das ist das letzte Foto, das ich an diesem Tag mache. Die Kamera bleibt wasserdicht verpackt in ihrem Packsack, und ich gehe schimpfend und fluchend weiter. Dreckwetter. Mistwetter. Blöder Regen. Was mache ich hier eigentlich? Hört das denn nicht mal bald auf? Und so weiter. Da ich alleine unterwegs bin, kann ich drauflos fluchen, ohne dass jemand rot anläuft oder sich tadelnd räuspert. :D

      Am Ausfluss des Lochan Fada flute ich meine Stiefel. Normalerweise kann man hier auf Stepping Stones trockenen Fußes den Allt a' Ghlinne Dhorcha (Bach des dunklen Tals) queren; heute ist daran nicht zu denken. Wegen der Wassertiefe und vor allem wegen der Strömung lasse ich die Wanderstiefel an, damit ich einen sicheren Stand habe. In Crocs wäre mir die Sache zu wacklig. Als ich so halb durch bin, läuft erst der linke, dann der rechte Schuh voll mit kaltem Wasser. Unbeeindruckt gehe ich vorsichtig weiter, und am anderen Ufer angekommen, suche ich mir einen Sitz-Felsen. Gamaschen aus, Schuhe auskippen, Socken auswringen, alles wieder anziehen, weitergehen.
      Der Pfad durchs Gleann Dorcha ist gut ausgebaut, aber immer wieder muss ich durch Hochwasser-Bäche gehen. Als mir das nächste Mal das Wasser in die Stiefel läuft, zucke ich nur mit den Schultern und gehe weiter. Nasser als nass geht nicht.

      Am Loch na Gainimh wollte ich eigentlich zelten. Dort gibt es einen sehr schönen Strand. Ich nehme den kurzen Umweg auf mich, um dort festzustellen, dass ich in einem Windkanal stehe.... Aber der Bach hat ordentlich Wasser, und wäre bei besserem Wetter ein tolles Fotomotiv. Ein anderes Mal. Ich gehe weiter; vielleicht finde ich einen anderen Zeltplatz.

      Fehlanzeige. Hier gibt es nur Matsch, Wasser, Felsen, Wind und Regen. Kurz erwäge ich, den Umweg zur Suileag Bothy zu gehen und dort zu übernachten. Aber - wozu? Dort ist es kalt und nass und am nächsten Morgen muss ich wieder in die nassen Klamotten steigen. Ich will weiterlaufen bis Lochinver. Das war zwar nicht geplant, aber ich schalte auf Automatik und gehe weiter, immer weiter. Der Pfad wird zum Landrovertrack, erst matschig und rumpelig, dann schön glatt, und irgendwann bin ich an der Glencanisp Lodge. Von hier aus sind es noch ein paar Kilometer Straße bis Lochinver.

      Völlig durchnässt und erschöpft komme ich schließlich an. Gut, was nun? Es ist Samstag, später Nachmittag, und ich sehe aus wie etwas, das man aus einem Fluss gefischt hat. Ein B&B finde ich unter diesen Voraussetzungen bestimmt nicht. Da fällt mir ein, dass ich vor einiger Zeit etwas von einem Bunkhouse gelesen habe, irgendwo am Hafen.
      Und da ist es. Nett sieht es auch, recht neu, und mit einem Café im Erdgeschoss. Mein Magen rumpelt vor sich hin. Die Anmeldung fürs Bunkhouse ist im Café. Vorbei an Tellern mit lecker aussehendem Essen, vorbei an einer Vitrine mit Kuchen, und ich melde mich an. Ja, es sind noch Betten frei. Ein Junge zeigt mir den Schlafsaal, den Trockenraum, und sagt mir, dass ich im Café bezahlen soll. Ich packe das nasse Zeug teils in den Trockenraum, teils hänge ich es an mein Bett, und dann gehe ich runter ins Café. Das Woll-T-Shirt und die Trekkinghose trocknen während ich sie anhabe. Essen, viel. Und Kaffee. Und eine große Limo. Und als Nachtisch einen White Chocolate Cheesecake with Raspberries. Yummie. Pappsatt, warm und trocken lasse ich diesen Tag Revue passieren. Ich habe es geschafft. Ich kann es noch. Ja! :hurra:
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
    • Am nächsten Morgen verlasse ich früh und einigermaßen unausgeschlafen den Schlafsaal. Irgendeine schnarcht immer... :lol: Der Geruch von sechs Personen und ihren regennassen Klamotten tut ein übriges, mich aus dem Bett zu treiben. Ich mache es mir in der Küche bequem, frühstücke in aller Ruhe (Brot, Porridge, Marmelade, Butter, Milch, Kaffee, Tee usw. sind im Preis inbegriffen), und als die ersten Damen den Schlafsaal verlassen, gehe ich wieder rein und beginne zu packen. Die beiden letzten der Sleeping Beauties haben Pech - es ist halb neun und damit Zeit zum Aufstehen. Meine Sachen sind vom Vortag noch etwas feucht, aber da hilft alles nichts. Anziehen, Rucksack packen, loslaufen.

      Heutiges Ziel: Die Campsite in Achmelvich. Das ist nicht weit, und schon am späten Vormittag checke ich dort ein und baue mein Zelt auf. Der Campingplatz liegt oberhalb eines traumhaft schönen Strandes:

      Achmelvich by Marion Woell, auf Flickr


      Was tun mit dem Rest des Tages? Wandern. Asphaltwandern. Auch dabei werden nasse Schuhe trocken, und nach matschigen Wegen und rutschigen Felsen ist mir heute nicht. Die Single Track Road führt mich von Achmelvich zu einer Kreuzung mit einer weiteren Single Track Road, dem "Drumbeg Roller Coaster". Ihr folge ich bis Clachtoll. Trotz Touristensaison und Sonntag und (vergleichsweise) gutem Wetter ist hier nicht viel los und ich kann in Ruhe Kilometer machen.

      Assnt Hills by Marion Woell, auf Flickr

      Assynt Road by Marion Woell, auf Flickr


      Als ich in Clachtoll ankomme, stürmt es so richtig. Langzeitbelichtungen am Strand sind mit meiner sparsamen Fotoausrüstung nicht machbar, der Gorillapod, obwohl sehr klein und mit tiefem Schwerpunkt, wackelt im Sturm. Auf dem Rückweg fängt es dann wieder mal an zu regnen. Aber schon bald nimmt mich ein freundlicher Autofahrer, den ich am Vortag im Bunkhouse kennen lernte, mit zum Achmelvich-Abzweig.
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w
    • Am nächsten Morgen regnet es. Na prima. Ich habe es inzwischen satt, mich für den Weg vom Zelt bis zur Toilette in Regenkleidung hüllen zu müssen, und beschließe, noch heute nach Ullapool zu fahren. Irgendwo am Strand, auf einem höher gelegenen Stück Weg, gibt es ein Handynetz. Ich rufe bei Traveline Scotland an und erfahre, dass heute um 12.07 Uhr ein Bus an der Straße in der Nähe der Jugendherberge abfährt. Nun, an dieser Straße ist nur ein Stück breit genug, dass ein kleiner Bus anhalten kann ohne alle anderen Verkehrsteilnehmer zu behindern...
      Bis 12.07 Uhr dauert es noch eine Weile, und ich nutze die Zeit, meine Wäsche zu waschen, zu trocknen, und anschließend dem Schlafsack eine Runde im warmen Wäschetrockner zu spendieren. Dann packe ich, begebe mich zu Straße, und bin gespannt, ob tatsächlich ein Bus kommt.
      Er kommt. Sogar früher als erwartet. Außer mir steigt noch eine Frau ein, die nur bis zum Fußweg nach Lochinver mitgenommen werden will. Da dieses Fahrkartendingens, mit dem die Fahrerin mir mein Ticket nach Ullapool verkauft hat, diese Haltestelle nicht kennt, darf sie umsonst mit.

      Die Fahrt von Achmelvich bis zur etwas breiteren Single Track Road (der schon erwähnte Drumbeg Roller Coaster) gestaltet sich sehr unterhaltsam. Ein Wohnmobil muss rückwärts in den nächsten Passing Place fahren, um den Bus vorbei zu lassen. Rückwärts fahren scheint jedoch nicht zu den starken Fähigkeiten des Wohnmobilfahrers zu gehören, und so dauert das ein wenig. Als nächstes schrammt der Bus an der Felswand entlang, um einem Pkw auszuweichen, der rasant schnell über die Kuppe kommt. Und dann, das Highlight. Ein Auto parkt in einem Passing Place. Das ist an sich ja schon nicht erlaubt, aber dieser Fahrer ist echt krass. Er parkt nicht etwa parallel zur Fahrtrichtung, sondern im rechten Winkel dazu. Er sitzt gemütlich hinterm Steuer, trinkt aus seiner Thermoskanne, genießt die tolle Aussicht, und bekommt gar nicht mit, dass ein Bus vor dem Heck seines Autos steht und keinen Zentimeter vorwärts kommt. Hupen hilft nichts; die Fahrerin steigt schließlich aus und sagt dem Autofahrer sehr deutlich ihre Meinung. Jetzt macht er etwas Platz, und der Bus sowie die schon in der Gegenrichtung wartenden Pkw können fahren. Ich schüttele nur den Kopf.

      Am frühen Nachmittag komme ich in Ullapool an. Ich möchte in den nächsten drei Nächten, vor meiner Abreise nach Inverness, ein festes Dach über dem Kopf. Ein Zimmer für mich alleine wäre auch nett - Schlafsaal hatte ich schon. Also suche ich ein B&B. In einer der Straßen, die parallel zur "Uferpromenade" laufen, sehe ich das erste "Vacencies" Schild im Fenster. Ich klingele - keiner daheim. Schräg gegenüber habe ich mehr Glück. Ich bekomme ein großes Doppelzimmer zur Alleinbenutzung zu etwa dem Preis, den ich erwartet habe. Was ich noch nicht weiß: Das Frühstück ist fettig ohne Ende.... Aber erst einmal ist ein schönes Zimmer da, ensuite, und sogar mit Internetzugang. Ich lade mein Schlaufon auf (ha, endlich wieder eine Steckdose!), gehe auf meine FB-Seite, und sehe, dass eine meiner FB-Bekannten auch gerade im Städtchen ist. Und schon habe ich eine Verabredung zum Abendessen. Vorher mache ich all die Dinge, von denen ich seit Samstag fabuliere: Einkaufen, Duschen, Haare waschen, mich mit einem richtigen Handtuch abtrocknen, Eis essen...
      Der Abend mit Beate wird nett, das Lokal ist nett, und das Essen lecker. Meinen Heißhunger nach Salat kann ich stillen! Und nach einem Pint Cider schlafe ich in dieser Nacht wie ein Stein (und muss mich nicht in die Regenjacke hüllen, als ich mal auf Toilette muss, welch ein Luxus!).

      Die Wettervorhersage für den nächsten Tag ist gut. Die beiden anderen Gäste wollen eine Bootstour machen, und ich will auf den "Ullapool Hill". Das ist ein netter kleiner Hügel mit einer schönen Aussicht.

      Eine Stunde später bin ich oben, und habe tolle Aussicht auf die gewohnten grauen Wolken. Bergab wähle ich eine andere Strecke und finde mich schließlich am Loch Achall wieder, wo meine Tour in der letzten Woche begann.

      looking towards Loch Achall by Marion Woell, auf Flickr

      Ein lärmendes Lamm:

      bah! by Marion Woell, auf Flickr


      Ich laufe zurück ins Städtchen, trinke einen leckeren Kaffee (Hunger habe ich noch nicht; das fettige Frühstück liegt mir schwer im Magen), und lese dann Zeitung. Irgendwann bemerke ich, dass die Sonne schein. Boah, ist das hell. Blauer Himmel - ja gibt es den denn auch noch? Ich gehe nochmals auf den Ullapool Hill, dieses Mal bei genial gutem Wetter und genial guten Aussichten.
      Oben am Summit Cairn mache ich es mir mit meinem Sitzkissen und meinem kleinen Rucksack bequem und döse in der Sonne vor mich hin. Dann laufe ich wieder durch die Gegend, mache Fotos, und begebe ich anschließend wieder in Sonnenanbeter-Position. So lasse ich mir das gefallen.

      "Ullapool Hill" by Marion Woell, auf Flickr

      views! by Marion Woell, auf Flickr

      Loch Broom by Marion Woell, auf Flickr

      Coigach by Marion Woell, auf Flickr

      Summit cairn and Loch Achall by Marion Woell, auf Flickr

      small hill with great views by Marion Woell, auf Flickr

      Summer in Scotland by Marion Woell, auf Flickr
      Geduld ist die Kunst, nur langsam wütend zu werden.

      Chaos in s/w

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