Hallo Shandra,
das was du da beschreibst kommt mir alles soooo bekannt vor. Ich schaue hinter mich und sehe Momo dort liegen.
Mit ihm haben wir in den letzten 3,5 Jahren wirklich hart gearbeitet, damit er das "Angehen" von anderen Hunden unterlässt.
Wichtig ist - und das sagst du ja selber - dein Hund ist noch nicht 100% gefestigt in seinem Wesen. Und solang das eben der Fall ist, würde ich den Hund generell an der Leine/Schleppleine halten.
Du kannst das Risiko einfach nicht fahren, dass deine ganze Arbeit zerstört wird, bloss weil es irgendwann mal wieder zu einer vermeidbaren (eben weil angeleint) Situation kommt.
Was da zwischen deinem und dem fremden Hund an Kommunikation schon abgelaufen ist, kannst du als Mensch gar nicht alles erfassen. Die 1. Kontaktaufnahme erfolgt auf Sichtbasis. Was da über 30, 40 oder 100 Metern bereits an Kommunikation "ausgetauscht" wird, können wir als Mensch gar nicht erkennen.
Wir werden meist erst darauf aufmerksam, wenn der Hund sich plötzlich versteift oder zu röcheln beginnt. Das ist jedoch schon ein weitaus fortgeschrittenes Kommunikationslevel. Zu diesem Zeitpunkt haben die Hunde schon längst die Weichen gestellt - entweder friedlich zu bleiben oder Krawall zu starten.
Natürlich kann der HH auf seinen Hund einwirken und sollte dies auch tun, aber er sollte sich vor allem auch bewusst sein, dass er niemals diese Feinfühligkeit entwickeln kann, wie es unsere Vierbeiner können.
Unser Momo läuft auch heute noch an der Leine und wird dies auch noch lange Zeit tun. Freilauf gibt es nur dann, wenn wir uns auf sicherem Gelände (eingezäunt) befinden oder wir die Landschaft weit einsehen können. Was wir ganz sicher nicht gebrauchen können, ist ein freilaufender Momo im Wald- oder Wohngebiet, wo unverhoffter Dinge jemand vor uns auftaucht.
Lass dich von diesem "Rückfall" nicht entmutigen, sowas kommt immer wieder mal vor. Ärgern kannst du dich, wenn du dich selbst als "Schuldigen" erkennst und weisst, dass du eigentlich falsch gehandelt hast. Wird dir sicherlich auch schon passiert sein
Bei unserem Momo haben wir gelernt, dass wir als HH ALLE Entscheidungen zu treffen haben. Lassen wir Momo die Entscheidung treffen, dann entscheidet er sich meist genau falsch....also entscheiden wir.
Hab Geduld und arbeite weiter mit deinem Hund. Du wirst für deine Arbeit belohnt werden - auch wenn es mitunter bedeutet, dass viel Zeit ins Land zieht ehe es spürbar wird.
Ein kleiner Tipp zum Abschluß: wenn du die Möglichkeit hast, mache einige Videoaufnahmen vom Stand heute und lege die Aufnahmen beiseite. Wenn du in 6 Monaten oder 1 Jahr mal wieder an einen Punkt kommst, dass alles nichts gebracht hat, dann schau dir das Video nochmal an und vergleiche es mit dem dann aktuellen Stand. Du wirst sehen, dass sich doch einiges verändert hat - zum Positiven
Man vergisst leider sehr schnell, wie schwierig ein Hund mal gewesen ist und misst ihn und sich selber immer an der aktuellen Situation. Das sowas zur Frustration führen kann ist logisch....aber wenn man sich auf vergangenes besinnt und dies als Vergleich heranziehen kann, dann hilft es meistens, viel schneller mit dem jetzigen abzuschliessen und man verteufelt seinen Hund nicht allzulang
Lg
Volker
Wenn Hunde nicht in den Himmel kommen, möchte ich, wenn ich sterbe, dorthin, wo sie sind
Quelle: Will Rogers
Hunde lieben ihre Freunde und beißen ihre Feinde, im Gegensatz zu den Menschen, die dazu tendieren, Liebe und Hass zu vermischen
Quelle: Sigmund Freund