von Sockensucher » 31.01.2012 12:28
Hallo Tördel
Vielleicht bist du für sie der Boss und zudem auch noch das Alphaweibchen in der Gruppe. Da darf man sich keine Freiheiten rausnehmen, etwa den selben Platz auf dem Sofa beanspruchen, die anspringen. Dafür muss man aber gehorsam und unterwürfig sein (langsames gehen ist eine Geste von Respekt und Beschwichtigung)
Meine erste Hündin hatte auch so diese Idee, dass ich ein Alphamonster bin. Sie ist auch heute noch sehr auf diese Regeln bedacht, die oftmals in Hundebüchern stehen, was so dieses "Rangfolge klären" angeht (Sofa, Tür, Futter). Obwohl ich da gar nicht drauf stehe.
Aber ihre Großmutter war auch eine sehr dominante Hündin, die alle anderen Hunde auf dem Hof so derart im Griff hatte, dass alle Hunde nur schlichen. Da sie mehrmals auf den Hof wieder zurückgegeben wurde, hatte sie aber auch wohl ein immer wieder einnorden hinter sich. Das hat sicher dazu beigetragen. Insgesamt denke ich aber, dass es auch eine Veranlagung ist, sehr sensibel auf "den Boss" zu reagieren. Hütehunde ganz besonders.
Wie war das in ihrem vorhergehenden Rudel? War das auch sehr ruhig und um eine Hündin drumherumgebaut? Wurdest du z.B. nur von einem Hund zuerst begrüßt und dann kamen die anderen?
Vielleicht hast du auch, ohne es zu merken eine sehr dominante Körpersprache, lass dich und die Hündin mal auf Video aufnehmen. Achte drauf, ob du dich viel vor und über sie beugst, was sie als dominante Geste auffassen könnte. Schau mal, ob sie viel wegschaut (das ist auch ein Zeichen von Beschwichtigung, wie langsames gehen und so ganz leises Wedeln). Das ist nicht ignorieren, sondern extrem höfliches Verhalten.
Jedenfalls habe ich ewig gebraucht bis ich aus dieser Rolle raus war und wenn ich heute hektisch bin, etwas geladen, dann fängt sie wieder damit an und ich weiß, ich muss runterfahren. Und wenn ich will, dass sie beim streicheln entspannt ist, dann muss ich mich auf den Boden setzen, aufs Sofa geht sie nur unter Befehl, oder eben heimlich nachts, wobei sie dann, wenn sie "erwischt wird" wie von der Tarantel gestochen runterspringt und sich entschuldigt. Das kriege ich nie mehr aus ihr raus ....
Was du ausprobieren könntest ist, setz dich beim reinkommen auf den Boden. Im Schneidersitz. Teile dein Futter mit ihr (nur sehr auf ihren Rang bedachte Hunde, teilen nicht mit den anderen) Beuge dich nicht herunter, sondern hocke dich hin und zwar in einigem Abstand zu ihr, dass du dich nicht über sie beugst. Mache wenig Gehorsamsübungen und mehr Zerrspiele, wo sie wild sein darf und ihre scheu vergessen und lasse den Hund gewinnen und freu dich mit ihr. Gebe ihr mehr wahlmöglichkeiten und lass dich, wenn sie es versucht auch von ihr manipulieren. Je geringer der Rangunterschied ist, um so mehr sollte sie auftauen. Meine Hündin darf zum Beispiel entscheiden, wohin wir spazierengehen (gibt bei uns drei Wege), darf zwischen Leckerlies wählen und Spielzeug.
Bei mir war es so, dass ich geheult habe, als meine das erste Mal auf einem umzäunten Platz nicht gehorcht hat. Da hatte ich es nämlich geschafft, dass sie nicht mehr dachte, dass ich sie für Ungehorsam umbringe. Klar, vorher sah der Gehorsam viel zackiger aus und die Leute dachte BOAH und das in dem Alter! Aber wenn der Hund dann unter sich pinkelt, wenn man sich freut über sie, dann verliert toller Gehorsam so seine Bedeutung. Aber keine Angst, wenn sie so eine Hündin ist, die sehr rangbezogen ist, dann reicht ein straffen der Körperhaltung und sie werden wieder aufmerksamer. Aber ich genieße es, dass meine Hündin auch mal sagt, och nö Frauchen, will noch nicht nach Hause, büdde, wedel, lieb schau.
Vielleicht ist ja was dabei, was dich auf Ideen bringt.
Liebe Grüße
Sockensucher