Hi zusammen,
ich habe vor kurzem ein Zitat einer Agi-Trainerin gelesen, das meine persönliche Einstellung zum Obitraining wiedergibt:
Jane Simmons-Moake
hab ein konkretes Bild von dem was du willst, zerleg es in Teile und versuche dem perfekten Bild näher zu kommen als die vorigen Versuche. Erst wenn das was du siehst dem Bild entspricht, nimmst du den nächsten Teil dazu
Dazu gehört für mich, um auf das Beispiel Apport zurückzukommen:
1. Hund hält Apportel ruhig - Teilübung
2. Hund findet mit Apportel die richtige Endposition - Teilübung
3. Hund bringt Apportel so schnell es ihm möglich ist rein - Teilübung
Und wenn Hund nun mal bei der dritten Teilübung langsamer ist als ihm möglich wäre (wie gesagt, ich gehe davon aus, was Hund in sehr hoher Motivation möglich ist, nicht in Standardnormalmotivation) - dann trainiere ich so lange, bis Hund diese Teilübung zu meiner Zufriedenheit beherrscht und gebe mich nicht mit einem "ja ABER ..... " zufrieden.
@finnrotti
Aus diesem Grund kann für mich die Antwort auf die Frage, was wichtiger ist "Präzision oder Schnelligkeit" nur eine sein - beides ist gleich wichtig. Da für mich beides zur entsprechenden Übung dazu gehört. Es gibt kein "Präzision ist wichtiger" oder "Schnelligkeit ist wichtiger".
Ich will beides - entsprechend trainiere ich.
Und entsprechend sehe ich es so, dass ein Hund, der zwar präzise aber auch sehr langsam arbeitet, nicht besser ist als ein Hund, der zwar sehr schnell arbeitet, dafür aber nicht präzise.
Wobei man dann als Richter immer individuell abwägen muss, wie viel Punkte man wofür zieht.
Was dann natürlich auch wieder davon abhängt, wie Hund arbeitet. Nehmen wir mal als Beispiel das Steh aus der Bewegung - Hund soll innerhalb 3 Galoppsprüngen stehen. Wie sagte mal ein Richter so schön "Ein Ferrari hat nun mal nen längeren Bremsweg als ein Käfer". Auf gut deutsch - hier müsste man eher abwägen und die 3 Galoppsprünge als Richtwert nehmen, nicht als "in Stein gemeiselt". Ein Hund, der langsam reinkommt, könnte rein theoretisch schon nach 1-2 Schritten stehen. Ein Hund, der extrem schnell reinkommt, braucht vielleicht 4 Schritte - rein aus physikalischen Gründen - wie gesagt, Ferrari in vollem Tempo hat nen längeren Bremsweg.
Kann es also angehen, dass ein sehr langsamer Hund, der nach 3 Schritten erst steht noch volle Punktzahl bekommt (laut PO eigentlich noch "präzises Arbeiten", real gesehen alles andere als präzise), während ein sehr schneller Hund 4 Schritte braucht und dann Punktabzug bekommt?
Weil Du in deinem Eingangspost die Distanzkontrolle ansprichst - ok, Du hast einen Rottweiler. Dass der rein körperlich schon nicht so durch die Gegend hüpft wie meine leichtgewichtigen Pudels ist klar.
Aber auch da gibt es Unterschiede in der Geschwindigkeit. Auch ein Rottweiler kann für seine Rasse schnell und zackig die Positionswechsel ausführen. Betonung liegt hier auf "für seine Rasse" bzw. für seine Körperverhältnisse.
Oder er kann sich gaaaaaaaanz langsam und gemäääääääächlich vom Platz ins Sitz stemmen, vom Sitz ins Steh, und umgekehrt gaaaaanz langsam ins Platz runter"trippeln" bzw ins Sitz gehen.
Anders ausgedrückt - braucht ein Hund 4-5 "Trippelschritte" um sich vom Platz ins Sitz zu drücken - ist das ein Trainingsfehler und nicht mehr mit Rasse oder "ist halt kein schneller Border" zu entschuldigen. Springt ein Hund mit einem Körperbau wie ein Rottweiler, HSH oder ähnliches nicht wie von der Tarantel gestochen vom Platz ins Sitz wie ein Mali, übermotivierter Zwergpudel ...... sondern geht mit einem Stemmschritt hoch, ist das mE völlig ok.