darkshadow hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, das ein hund, wenn er mich einmal anknurren durfte, lernt, das es nicht nötig is, mich anzuknurren, nur weil ich dann mit kleinen trainingseinheiten übe, mich seinem napf zu nähern.
ich denke, das der Hund sich durch seinen erfolg beim ersten knurren bestärkt fühlt, wenn ich mich verziehe. Und er dieses knurren dann auch weiterhin umzusetzen weiß.
meiner Meinung nach, is es zu spät, sich zu entfernen und erst dann langsam anzu fangen, zu üben, das ich überhaupt in die nähe des napfes gehen kann. (blöder satz, ich weiß)
ich ahbe mal gehört, das es auchs chon beim ersten zulassen für den Hund ein erfolg is. Ohne das er es nen paar mal erfolgreich getan haben muß.
sobald ich mich auf grund des knurrens verdünisiere wird er bestärkt.
Natürlich muß man mit dem Tier dann arbeiten, ganz klar, aber ob das entfernen dann wirklich der richtige weg is?
Es kann der richtige Weg sein, denke ich. Ein Beispiel dazu: Am ersten Abend, als wir unsere Nellie (damals 8 Monate, aus einem spanischen Tierheim) von der Pflegestelle geholt hatten, gab ich ihr einen Kauknochen und sie legte sich auf den Teppich und nagte begeistert daran herum. Dann fiel mir ein, ich hätte ihn vielleicht besser in ihr Körbchen gelegt, damit sie auch gleich positives mit ihrem Platz verknüpft und gehe zu ihr hin (heute denke ich auch, ähm, hallo, vorher denken wäre vielleicht angebracht gewesen

), um ihr kurz den Knochen wieder wegzunehmen und ins Körbchen zu legen. Beuge mich also runter und nähere mich ihrer Schnauze, als ich ein deutliches Knurren vernehme. Ich muß sagen, ich war so perplex (so etwas war mir bei keinem meiner früheren Hunde je passiert, sonst hätte ich auch nicht so blauäugig gehandelt), daß ich einfach innehielt und - wahrscheinlich auch aus Angst gebissen zu werden - mich wieder entfernte. Heute kann ich sagen, es war das beste, was ich hätte tun können. Am ersten Tag bei uns, völlig abgemagert und ausgehungert, kaum Kontakt zu Menschen gehabt, und da will ich ihr ihre "Beute" streitig machen. Ich meine, wie blöd kann man als HH noch sein?! *räusper*
Ich habe dann später, als das Nellchen sich ein bißchen eingelebt und Vertrauen zu uns gefaßt hatte, langsam angefangen, das "Aus" zu üben mit kleinen Tauschgeschäften und so nach und nach hat sie begriffen, daß sie eigentlich immer besser damit fährt, wenn sie ihre Beute abgibt, da wir meist bessere (oder zumindest gleichwertige

) dafür zurückgeben. Inzwischen spuckt sie mir tote Mäuse vor die Füße und ich kann seelenruhig an ihren Napf greifen, während sie frißt. Und Kauknochen nagt sie besonders gern, wenn man sie ihr dabei festhält.

Mich oder irgendjemand anderen angeknurrt hat sie niemals wieder und sie ist insgesamt der freundlichste und gelassenste Hund, den ich bisher hatte. Ich bin mir aber ziemlich sicher, wenn ich damals nicht (vor lauter Schiß

) zurückgewichen wäre, sondern versucht hätte, mich irgendwie durchzusetzen, hätte das auch ganz anders enden können.
Dagegen unsere Kira, die auch aus dem Tierschutz kommt und in einem völlig unberechenbaren Umfeld lebte (wurde aus heiterem Himmel geschlagen, war fast immer angebunden, stand permanent unter Streß). Bei ihr lasse ich solche Aktionen nicht durchgehen. Sie hat mich und meinen Freund mehrfach angeknurrt, wenn wir nur in die Nähe ihres Futters kamen, oder sie nach dem Spaziergang noch abgeputzt werden sollte, sie aber lieber schnell rein zu ihrem Freßnapf wollte. Da bekommt sie eine klare Ansage, daß wir das nicht dulden. Ob das der richtige Weg ist, kann ich natürlich nicht wissen, aber ich möchte, daß sie klare Regeln bekommt, was bei uns geht und was nicht. Und wenn ich ihr das Drohen erlaube, kann ich bei ihr nicht einschätzen, ob sie nicht als nächstes versuchen würde zu schnappen. Sie ist eh dabei, Grenzen auszutesten, nicht nur uns gegenüber, sondern auch gegenüber Nellie. Nachdem sie sie am Anfang nur angeknurrt hat, wenn Nellie bei den Begrüßung von uns gestreichelt wurde, hat sich das leider sehr gesteigert, und nach einem Scheinangriff kam vor zwei Wochen ein richtiger Angriff, mit einer (zum Glück nur kleinen) Bißverletzung beim Nellchen. Aber das war der Punkt, wo wir eingreifen mußten und mit Ignorieren nicht weiterkamen, sondern Kira jetzt in ihrem Zimmer warten muß und erst begrüßt wird, wenn sie sich ein wenig abgeregt hat. Sie ist wohl eher so ein Hund, wie darkshadow angedeutet hat, die Ignorieren als Bestärken deutet und dann weiter testet. Das heißt aber jetzt nicht, daß ich solche Situationen provoziere, indem ich ihr beständig ans Futter gehe o.ä., aber ich übe konsequent an ihrer Impulskontrolle und versuche nach und nach ihre Frustrationstoleranz zu vergrößern.
Liebe Grüße,
Anja, Nellie und Kira