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Das Unwetter I

Schöne Geschichten.

Moderator: DF-Mods

Das Unwetter I

Beitragvon redbumper » 13.07.2008 10:14

„Verdammt noch mal, du musst weiter raus laufen,
so schiebst du die Schafe nur schräg vor dir her.“
Chap war sichtlich genervt.
„Immer noch zu nah, Herrgott halt doch mehr Abstand.
Komm, lass gut sein für heute, so versauen wir nur die Schafe.
Morgen probieren wir eine andere Methode, vielleicht verstehst
du dann worauf es bei diesen Wollis ankommt.“
Doggies Laune war auch nicht mehr die beste:
„Mit den dicken Texel komme ich doch gut zu Recht,
weshalb mussten auch noch diese wandelnden Psychosen auf den Hof
kommen, die sich bei jedem Pups aus dem Staub machen?“
„Nun sind die Schnucken einmal da, nun wirst Du auch lernen müssen
mit ihnen umzugehen. Sie hauen halt schnell ab. Ein guter Hund
stellt sich darauf ein.“
„Ein guter Hund, ein guter Hund. Red du nur. Ich bin für andere
Arbeiten geschaffen. Jetzt muss ich auch noch Viecher die flinker als Rehe sind,
bewegen. Was wird als nächstes kommen. Werde ich Enten sortieren müssen?“
„Idiot. Das machst du doch schon. Und sogar sehr gut. Die Laufis
hören dir besser zu als mir.“
„Ach ja, hatte ich vergessen.“
„Komm Kumpel, lass uns zum Hof gehen, es sieht aus als bräche gleich ein ganz
böses Unwetter los. Wenn wir uns beeilen, sind wir, bevor die ersten
Tropfen fallen, in der Scheune.“
„Okay.“

Und das schafften sie auch. Doch dann brach ein Unwetter los wie Chap
es in seinen ganzen sieben Lebensjahren noch nicht erlebt hatte.
Dicke Regentropfen wurden von dem losbrechenden Sturm an die
Wände der Scheune geschleudert, so dass es sich von innen anhörte
als wenn ein Riese mit Schaufeln voll Kies um sich werfen würde.
Unablässig zuckten Blitze vom Himmel und schnell darauf folgte ohrenbetäubender Donner.
Chap steckte hin und wieder seine Nase durch die Hundeklappe, um zu sehen
ob sich das Unwetter etwas abschwächte, doch davon konnte nicht die Rede sein.
Zwar entfernte sich das Gewitter ein wenig, aber der Sturm und vor allem der Regen
waren eher noch stärker geworden.
Chap musste an die Schnucken denken, die auf der Bussardweide standen.
Die Weide hatte viel Gefälle und unten im Tal, wo der Rumbach sie begrenzte
gab es ein kleines Wäldchen aus Buchen und Eichen mit einem Bussardhorst,
der seit Jahren benutzt wurde und für den Namen verantwortlich war,
bestimmt hatten sich die Schafe dorthin zurückgezogen um Schutz zu finden.

Chap war gerade eingenickt, da hörte er den Mann pfeifen.
Er weckte Doggie und zusammen rannten sie aus der Scheune
vor der der Mann schon auf sie wartete. Gemeinsam hasteten sie
die zwei Kilometer bis zur Bussardweide und dort sah Chap weshalb
der Mann die Hunde so aufgeregt vor sich her gescheucht hatte.
Eine Buche war vom Sturm abgeknickt worden und auf den Zaun gekippt,
der die Weide von dem Bach trennte. Doch der Bach war kein Bach mehr.
Die Regenfälle der letzten Tage hatten den Pegel stetig ansteigen lassen und das heutige Unwetter hatte einen reißenden Fluss geschaffen.
Die Schafe waren über die Reste des Zauns geklettert um tiefer
im Wäldchen dem peitschenden Regen wenigstens etwas entgehen zu können.
Sie standen nur wenige Zentimeter vom Ufer des tobenden Baches entfernt.
Als der Mann sich näherte wurde die Herde unruhig und versuchte
sich noch tiefer in das Gehölz zu drücken.
Chap hielt den Atem an, wenn jetzt ein Schaf unsicher wurde und abrutschte,
dann konnte durch die einsetzende Aufregung eine Situation entstehen bei der mehrere Wollis ins Wasser gedrückt wurden. Und bei dieser starken Strömung wäre es fast unmöglich auch nur ein Schaf aus dem Bach zu fischen und zu retten, aber sollten mehrere ins Wasser fallen, wäre es für sie der sichere Tod.

Der Mann erkannte die Gefahr und ging langsam und vorsichtig zurück zu den Hunden.
Er breitete die Arme aus, zuckte mit den Schultern und sah Chap Hilfe suchend an.
Okay, nun bin ich dran, dachte der Hund und schlich langsam mit tiefem Kopf
ganz außen am Zaun entlang.
Doggie folgte in geringem Abstand.
„Bleib weiter zurück, aber folge mir. Wenn ich es schaffe zwischen die Schnucken
und den Bach zu kommen und die Schafe aufzunehmen und anzuschubsen musst du da sein wenn die Herde umkippen sollte und zurück rennen möchte. Alles klar?“
„ Ich bin da, aber pass auf dass du nicht in die Brühe fällst.“
Chap schlich bis zu der Stelle an der der Zaun eingedrückt war.
Er hatte überlegt ob er über den Zaun springen sollte um auf die richtige Seite zu kommen,
sich aber dagegen entschieden weil die heftige Bewegung die unruhigen Schnucken
erschrecken könnte. Also klettert er ganz langsam und ganz flach über dem
Boden über die Zaunruine und verharrte. Einige Schnucken standen mit einem Bein im Wasser und tänzelten nervös hin und her. Chap legte sich hin um den
Schafen die Möglichkeit zu geben etwas zu entspannen und suchte nach dem einen
Wolli dem die anderen folgen würden, wenn er es bewegte.
Er glaubte das Richtige gefunden zu haben und konzentrierte seinen
Blick auf das Schaf. Vorsichtig erhob er sich und schlich langsam eng am
Ufer entlang auf die unruhiger werdende Herde zu. Das fixierte Schaf fühlte sich unwohl
und stampfte ein, zweimal heftig mit den Vorderbeinen auf, bevor es, den Blick auf
den Border Collie haltend, zögernd zurückwich. Plötzlich war der Moment erreicht
in dem der Druck des Hundes zu stark wurde und die Schnucke umschwenkte
und eilig auf die offene Weide hinauslief. Sofort wendete Chap seine Aufmerksamkeit
den verbliebenen Schafen zu, die sich sowohl von der Autorität des Hundes als auch
von dem türmenden Kameraden überzeugen ließen und ebenfalls wendeten. Der Border Collie lief schnell und hochkonzentriert mit sehr tief gehaltenem Kopf hinter den Schafen her, eigentlich zu nah, aber er wollte die Geschwindigkeit die die Herde entwickelt hatte ausnutzen um sie direkt ohne Verhandlungen auf die angrenzende Weide zu treiben,
dessen Gatter der Mann zwischenzeitlich geöffnet hatte.
Sollte die führende Gruppe, die er nicht im Blick hatte, abschwenken und umdrehen, dann musste Doggie eben eingreifen und sie wieder auf Kurs bringen.
Natürlich passierte genau das. Die vorderen Schafe wollten dem prasselnden Regen
und schneidenden Wind entgehen und ins Tal zurück laufen,
doch bevor sie auch nur Zeit hatten sich umzudrehen drückte Doggie sie sehr energisch weiter
in Richtung des offenen Gatters. Schon liefen die ersten Schafe hindurch.
Jetzt war der schwierige Teil der Arbeit geschafft. Den Rest der Herde durch das
Tor zu treiben und so lange zu wehren bis der Mann das Gatter geschlossen hatte, war ein Kinderspiel.

Fortsetzung folgt.
"Eine Krone ist nur ein Hut in den es reinregnet."

Friederich der Große
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Beitragvon Alina_ » 13.07.2008 10:59

Wow! Ein Abenteuer aus Sicht der Hunde. :2thumbs: Ist dir das wirklich passiert?
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Alina_
 
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