Hi Sandra,
ich habe mit meinen Hunden vor 11 Jahren mit clickern angefangen - richtig clickern, also Shaping, Verhaltensformung. Nicht einfach nur als zusätzlicher Marker "das hast Du gut gemacht".
Im Laufe dieser Jahre habe ich sowohl mit meinen eigenen Hunden als auch mit den Teams, die bei mir trainieren so einiges an Erfahrungen gemacht. Deshalb mal ein paar Gedanken meinerseits zu deiner Fragestellung.
Knutschkugel09 hat geschrieben:Vorranging soll es einfach darum gehen kleine Fehler, die ich so schlecht ausmerzen kann, zu beheben. Zum Beispiel korrektes Fußlaufen. Da meine Hündin teilweise, wenn Sie nicht weis, was genau ich von ihr will, in streß verfällt.

ME wird Dir der Clicker in dem Fall nur helfen können, wenn Du ihn rein als sekundären Bestärker anwendest - echtes Shaping im Sinne von "Hund bietet Verhalten aktiv an von wegen Verhaltensformung usw." wirst Du bei Übungen, die Du nur etwas verbessern möchtest, nicht wirklich anbringen können.
Mal davon abgesehen muss Hund auch lernen, selbständig Verhalten anzubieten, so dass man über Verhaltensformung arbeiten könnte. Das ist bei sogenannten "Crossover"-Hunden, also Hunden, die bisher konventionell ausgebildet wurden, sehr schwierig und dauert teilweise Monate, bis sie wirklich "sicher" sind.
Wenn Du den Clicker "nur" als zusätzlichen Marker für "DAS gerade eben war wirklich gut und genau das, was ich haben wollte" einführen willst, wird deine Hündin nach wie vor in Stress verfallen, da sie nicht wirklich weiss, was Du von ihr willst. Zumindest am Anfang. Letztendlich ist der Clicker in dem Fall auch nur ein weiteres "fein". Kürzer zwar, aber nicht wirklich was anderes.
Deine Hündin wird dadurch nicht automatisch sofort wissen, wofür sie nun den Click erhalten hat. Das ist bei echten Clickerhunden teilweise schon schwierig, v.a. wenn sie Crossover-Hunde sind. Bei einem Hund, bei dem der Clicker nur als zusätzlicher Bestärker eingesetzt wird, ist es nicht wirklich viel anders als wenn man ein kurzes "Gut gemacht"-Markersignal verwendet.
In Bezug auf meine Jugendlichen, ist es so, dass ich denke positive Verstärkung ist besser aus negativ auf den Hund und sein Verhalten zu reagieren. Da doch einige Reaktionen zu übertrieben sind, weil sich die Kiddies teilweise zu sehr in Emotionen verfallen und evtl. den Hund unangepasst behandeln. Denke das Clickern ist da eine gute Alternative.
Auch hier kommt es darauf an, wie Du den Clicker verwenden willst - einfach als zusätzliches Marker-Signal oder willst Du "echtes Clickertraining" anfangen.
Dir muss dabei eines klar sein - bei letzterem kommen Emotionen und unangepasstes Handeln gegenüber dem Hund gar nicht gut (sonst auch nicht, aber da ist es absolutes Gift).
Zum echten Clickertraining muss man sagen, dass es u.U. einen ganz gewaltigen Nachteil gegenüber der konventionellen Ausbildung hat. Man sieht zu Anfang vordergründig nicht wirklich viele Fortschritte. Das ging mir bsp. zu Anfang so mit meiner ersten Clickergruppe im Verein. Die hatten gleichzeitig mit einer anderen Gruppe, die konventionell arbeitete, angefangen. Und nach ein paar Wochen ging es los so von wegen "deren Hunde können ja alle schon sooooooo lange Fuß laufen, die sind ja alle schon soooooo weit, ..... " - ja klar, die Hunde konnten "folge dem Leckerlie in der Hand (alternativ Spielzeug)", begriffen, was sie da tun, hattenen die Hunde deswegen noch lange nicht - nur, erkläre das mal einer Gruppe Anfänger, die nur sahen, dass die andere Gruppe schon so weit war, dass ihre Hunde schon fast ne BH-Länge lang Fuß laufen konnten .... halt mit Leckerlie vor der Nase. Damals habe ich dann auch ein paar Teams an die andere Gruppe "verloren".
Der Unterschied wurde erst deutlich, als alle zusammen dann den Probelauf für die BH-Prüfung absolvieren sollten - meine Clickerhunde liefen das Ganze problemlos ohne Leckerlies oder Spieli vor der Nase. Die anderen Hunde brachen schlicht und ergreifend ein, da ihre Bestätigung auf Dauer fehlte.
ABER - bis dahin gab es einiges an Diskussionen so von wegen "die sind schon so weit, das schaffen wir doch nie, deren Vorsprung aufzuholen". Erst als sie sahen, was es für die andere Gruppe bedeutete, Leckerlie/Spieli abzubauen, bzw. dass diese Gruppe das eben nicht so einfach schaffte und dass die Hunde tatsächlich ohne Leckerlie/Spieli alles andere als soweit waren, ne BH-Prüfung zu laufen, waren sie restlos überzeugt, dass das mit der Clickerei doch der richtige Weg gewesen war.
Ja, ich hatte auch Jugendliche in der Gruppe. Aber gerade bei Jugendlichen gibt es solche und solche - die einen wollen sofort Fortschritte sehen, die anderen sind da viel ungeduldiger.
Was ich immer wieder erlebe ist die Vorstellung, dass mit dem Clicker alles irgendwie besser, schneller, einfacher, ..... geht.
Dem ist nicht so - der Clicker ist keine Wunderwaffe, die alles ganz schnell richtet. Der Clicker ist ein HILFSMITTEL - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und er ist wie alle Hilfsmittel nur so gut oder schlecht wie die Person, die ihn anwendet.