Hallo Sombra,
leider klingen deine Postings sehr stark danach, dass der Wuschel Zeit seines Lebens keine "Erziehung" genossen hat!
Du beschreibst das lospoltern, sowie es an der Türe klingelt, dann beschreibst du die nicht enden wollenden Zieh-Attacken wenns nach draussen geht, also da ist viel versäumt worden was die Erziehung des Hundes angeht.
Nun zum Positivem: man KANN es ändern, aber ich sage es gleich - es wird ein langer Weg!! Immerhin haben sich diese Verhaltensformen 6 Jahre lang in seiner Festplatte eingebrannt. Diese Festplatte jetzt löschen und neu programmieren, das wird ein ganzes Stück Arbeit - aber sie lohnt!!!
Zunächst mal die Geschichte mit dem Klingeln. Also ich würde mir an Deiner Stelle mal einen guten Beutel Superleckerlies anschnallen und dem Hund im Wohnzimmer einen festen Platz zuweisen. Ja tagakm....ich weiss was du jetzt wieder sagen möchtest....lass es einfach
Dein Hund will an der Haustür mitbestimmen und mitkontrollieren. Ich persönlich will gar nicht erst, dass meine zur Tür rennen und dort voller Erwartung ins Sitz gehen. Genauso wie ihnen dieses Verhalten konditioniert wurde, kann man dem Hund auch beibringen, sich auf seine Decke oder in sein Körbchen zu legen.
Wenn er so einen Platz schon hat - super, wenn nicht, dann mach das mal und dann an die Arbeit. Ich setze jetzt mal voraus, dass der Hund die Befehle SITZ und PLATZ kennt und auch befolgt, wobei mich leichte Zweifel ergreifen, wenn ich mir dein Eingangsposting nochmal so durchlese. Also SITZ und PLATZ sollte er können, da dies die Arbeit die nun kommt wesentlich erleichtern wird.
Lege oder setze ihn auf seinem (neuen) Platz ab aber bitte für 1 Variante entscheiden - nicht heute SITZ und morgen PLATZ, zumindest nicht am Anfang. Ich würde PLATZ bevorzugen, da Hunde sich leichter legen als setzen. Wenn er auf seiner Decke sitzt/liegt gibst du dem Hund ein BLEIB und gehst dann nur 1 Schritt zurück. Zur Unterstützung Strecke deinen Arm zeitgleich vor dich aus und spreitze deine Hand damit sie wie ein "Stopschild" wirkt. Bleibt der Hund jetzt immer noch liegen, dann gehe wieder zu ihm und lobe ihn ausserordentlich und gib ihm ein Lecker.....er MUSS aber liegen bleiben, da du den Befehl ja noch nicht aufgehoben hast!!
Wenn das nicht klappen sollte, dann bring den Hund wieder auf die Decke zurück und wieder ins PLATZ, bleib diesmal bei ihm stehen...er soll nur liegen bleiben. Zähle ruhig bis 3 und dann loben und Leckerlie. Du wirst schnell herausfinden, wo die Grenze des Machbaren liegt, gehe von dort einen Schritt zurück und übe von hier an weiter. So kannst du die länge des Liegenbleibens und die Distanz Stück um Stück erhöhen. Getreu dem Motto: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen".
Wie du beim Lesen schon feststellen dürftest, das wird zeitintensiv!! Da hat dein Freund viel schleifen lassen, was es jetzt wieder auszuwetzen gilt.
Zum Thema "ziehen an der Leine" hätte ich zunächst eine Frage an Dich. So wie Du es beschreibst, zieht der Hund grundsätzlich, also auch dann, wenn keine Menschen oder andere Hunde in Sicht sind. Habe ich das richtig gedeutet? Wenn ja, dann habt ihr hier richtig Arbeit vor euch, aber auch hier sei dir gesagt - Abhilfe ist in Sicht!! Jetzt noch zur Leine, was benutzt ihr da? Eine normale 2mtr. Führleine oder eine Ausziehbare? Ich glaube kaum, dass ihr eine Schleppleine einsetzt, oder? Von Ausziehleinen halte ich persönlich nicht viel. Ich habe meine Hunde entweder an der Führleine oder an der Schleppleine.
Welche Du jetzt beim Training einsetzt....hm, also ich würde anfänglich mal mit der kurzen beginnen.
Zunächst würde ich eine einfach Grundregel klarstellen: ICH bestimme wo es hingeht und WANN ich WOHIN gehe - nicht mein Hund! Soll heissen: dein Hund zieht wie Bolle nach vorne, dann bleib einfach stehen wie ein Baum. Zwar wird der Hund zunächst weiterziehen aber er wird irgendwann feststellen, dass er so nicht weiterkommt. Jetzt wird er einige Dinge ausprobieren. Das kann bedeuten, dass er zunächst noch stärker ziehen wird oder bleibt einfach auf Zug in der Leine stehen. Das alles ist von Dir aber nicht erwünscht also ignorierst du dieses Verhalten KOMPLETT.
Erst wenn der Hund den Zug auf der Leine lockert und in deine Richtung kommt, DANN reagierst du. Lobe ihn, wedele mit den Händen und preise ihm ein Leckerlie an. Er soll zu dir kommen und Hunde kommen nur dann freiwillig zum Menschen wenn diese FREUNDLICH sind!!
Alternativ zum Stehenbleiben kannst du auch so vorgehen, dass du einfach in die entgegengesetzte Richtung gehst, wie dein Hund zieht. Dein Hund hat auf dich zu achten und sich dir anzupassen. Wenn er in die eine Richtung zieht, kann er nicht sehen, dass du umdrehst und in die andere gehst. Er muss dir notgedrungen folgen und sowie er auf deiner Höhe ist, drehe erneut um und gehe wieder in die andere Richtung. Mach das 2-3 mitunter auch 5-10 mal. Irgendwann wirst du bemerken, dass dein Hund dich anschaut, weil er jetzt wissen möchte was du als nächstes machst. Wenn dein Hund dich anschaut und in diesem Moment dürfte KEIN Zug auf der Leine sein - lobe ihn übermässig und gib ihm ein Leckerchen.
Damit Du mal ein Zeitgefühl für diese "Schufterei" bekommst: wir haben hier daheim eine Runde, die laufen wir normal in 20-30 Minuten. Diese Runde hat bei uns, als wir unserem Momo die "Leinenführigkeit" beibringen mussten, locker 1 bis 1,5 Stunden gedauert!!!!
Was ganz ganz wichtig ist. Egal wie mies ein Tag mal verlaufen sollte, beende die Übung IMMER mit einem positivem Ergebnis und höre dann auf! Brich eine Übung niemals ab, nur weil der Hund sie beim 30igsten Male noch immer nicht korrekt macht. Dann soll er halt ein einfaches SITZ oder PLATZ machen, jedenfalls etwas, was er zuverlässig kann und dann ist Ende der Übung.
Mach deinem Freund aber auch klar, dass er da viel Arbeit vor sich hat und dass er mit dir an der gleichen Strippe zieht. Der Hund wird von heute an anders erzogen und das erfordert Umgewöhnung auf beiden Seiten - der des Hundes UND der des Menschen!
Drei Schlagworte möchte ich zum Abschluß noch mitgeben:
KONSEQUENZ
GEDULD
RUHE
Diese braucht JEDER Hundebesitzer, wenn er einen zuverlässigen und gehorsamen Hund erziehen möchte.
Ich wünsche dir viel Glück und berichte mal zwischendurch, was die Arbeit so macht
LG
Volker
Wenn Hunde nicht in den Himmel kommen, möchte ich, wenn ich sterbe, dorthin, wo sie sind
Quelle: Will Rogers
Hunde lieben ihre Freunde und beißen ihre Feinde, im Gegensatz zu den Menschen, die dazu tendieren, Liebe und Hass zu vermischen
Quelle: Sigmund Freund