von onyxvl » 28.04.2008 22:06
Was sagt Dein Ausbilder bei den Rettungshunden zu Deinem Problem? Sprich ihn mal darauf an, vielleicht kann er Dir ja helfen. Bitte ihn um Ehrlichkeit, ob Du die Arbeit dort vielleicht unterbrechen solltest im Hinblick auf Deine derzeitigen Probleme. Mir scheint es nämlich so, dass Dein Hund zum einen relativ triebig ist, was in der Rettungshundearbeit noch gefördert wird, und dann auch noch gelernt hat, selbst die Initiaive zu ergreifen, wohl, weil es ihm an souveräner Führung gemangelt hat. In der Rettungshundearbeit wird er nun weiterhin zu selbständigem Arbeiten angeleitet und sein Selbstvertrauen wird gestärkt. Das heisst, Du hast schon viel Hund und es wird noch mehr Hund, nicht dass er Dir dann irgendwann entgleitet und Du ihn nicht mehr kontrolliert bekommst.
Meine Meinung zu Tauschgeschäften:
Wenn Du ein Kommando nicht durchsetzen kannst, verlierst Du an Souveränität. Wenn Du also davon ausgehst, dass der Hund nicht auslässt, gib ihm keinen Knochen oder lass ihm den Knochen und versuch nicht, ihn dem Hund weg zu nehmen.
Tauschen ist in der Theorie zur positiven Verknüpfung des Kommandos "aus" in Ordnung. Nur in der Praxis sehe ich oft genug, dass dem Hund das Leckerchen fast schon zwischen die krampfhaft verschlossenen Kiefer geschoben wird mit mehrfachen flehentlichen Bitte von Herrchen verbunden, dass getauscht werden soll.... Meines Erachtens ist es ok, das Leckerchen anfangs in der Hand zu halten, das Kommando aus zu geben und dann das Leckerchen als Bestätigung zu geben. Aber erst muss der Gehorsam vom Hund kommen, dann gibt es das Leckerchen. Es kann nicht sein, dass das Leckerchen vorher halb zur Nase reingeschoben werden muss, damit der Hund erkennt, das ist besser, ich lass dann mal los....
Ich hab zwar kein Fell und gehe nicht auf vier Pfoten, die anderem im Forum aber auch nicht! Wisst ihr, ob Eure Hunde das Tauschgeschäft nicht noch als Belohnung/Bestätigung sehen dafür, dass sie nicht loslassen???? Denkt mal nach, bevor ihr jemanden verreisst, der aus seiner Überzeugung das Tauschgeschäft ablehnt. Wie funktioniert verknüpfen beim Hund? Fragt ihn, ich weiss es nicht! Aber Erfahrungen zeigen: Hund macht Handlung, ich geb Kommando dazu (hoffentlich im richtigen timing: letztes was er getan hat wird angeblich verknüpft und nur innerhalb von 1 bis 2 Sekunden) und bestärke positiv. Beispiel "Sitz": Hund setzt sich, ich sag "Sitz" und geb das Leckerchen. Soweit werdet ihr mir alle noch zustimmen. Dann Beispiel "Aus" oder Tauschen: Hund zieht am Spielzeug, ich sag "aus" oder "Tauschen", und halt dem Hund das Leckerchen vor die Nase (ist schon Bestätigung, das wissen wir seit dem Pawlovschen Hund bzw. aus dem Clickertraining) und bestärke damit positiv. Nun, warum soll er das Loslassen, um dann zu fressen im Himmelswillen mit dem Kommando "aus" verknüpfen. Er lässt doch nicht los als eigenständige Handlung, sondern nur, weil er nicht zerren und fressen gleichzeitig kann!
Daher lehne ich "Tauschen" (wie zumeist praktiziert) auch ab, was aber nicht heisst, dass ich das Kommando "aus" nicht positiv bestärke. Mein Hund hat es zum Beispiel über Spielzeug gelernt: Hund bringt Spielzeug, Kommando "aus", Hund lässt los, "feiiiiin" und erneut werfen.